Wer will in der Altstadt sexy Unterwäsche verkaufen?

Eine Würstchenbude, ein Kiosk und ein Geschäft, das Wohnaccessoires verkauft. In der Aarauer Altstadt öffnen neue Geschäfte – trotz der Erneuerung der Altstadtgassen. Es gibt aber auch Lokale, die weiter leer und auf einen geeigneten Mieter warten

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Wer will in der Altstadt sexy Unterwäsche verkaufen?

Wer will in der Altstadt sexy Unterwäsche verkaufen?

Deborah Balmer

Heute Samstag öffnet an der Pelzgasse 2 in Aarau das Maison Bambou: ein Geschäft, das Kleinmöbel, Kissen und Geschirr verkauft. Ebenfalls in der Pelzgasse ist vor zwei Wochen der Geschenkartikelladen Creativa – «the world of Yankee candles» – von einer Strassenseite auf die andere gezogen: Der Laden, der Duftkerzen verkauft, ist in ehemalige Farbgeschäft Bochsler gezügelt.

«Wir sind am Aufbauen, und das braucht seine Zeit», sagt Karin Sigrist, Geschäftsführerin und Besitzerin.

An der Metzgergasse stand ein Jahr lang der ehemalige Valora-Kiosk leer. Seit Februar ist er wieder in Betrieb. Geführt wird er von Osman Celik. «Anfangs hatten wir so 30 bis 40 Leute pro Tag – mittlerweile sind es 130 bis 150», freut sich der türkischstämmige Mann, der seine nette Kundschaft erwähnt.

Imbissbuden waren interessiert

Ein bisschen weiter weg, am Rain 29, führt ganz neu Roger Böm aus Klingnau den Hungereggä: Zwei Jahre lang hat das Lokal leer gestanden. «Wir sind eine Würstlibude, verkaufen Bratwurst, Cervelat und Brot – jeden Tag gibt es ein preiswertes Menü», so Böm. Auf die Frage, ob es in der Stadt nicht schon genug Fastfood-Läden gebe, meint Böm: «Wir sind ja kein Kebabladen, wir setzen mit den Würsten auf die klassische Variante.»

Seit zwei Monaten steht hingegen an der Milchgasse ein zweigeschossiges Ladenlokal mit einem historischen Gewölbekeller leer. Lukas Tonetto von der Trigger GmbH in Zürich versucht, das Lokal an einen geeigneten Gewerbler zu vermieten: Eigentlich hätte hier eine Geschäftsfrau einziehen sollen, die Produkte rund um die Seidenstrasse verkaufen wollte. «Diese Nachmieterin hat sich aber wieder zurückgezogen», so Lukas Tonetto.

Er ist trotzdem zuversichtlich, dass er bald einen Nachmieter finden wird. Ob eine Gesundheitspraxis, ein Bücherladen oder ein Computerladen – Tonetto ist offen: «Nur ein Imbissladen, das kommt wegen fehlender Lüftung nicht infrage. «Obwohl ich sehr viele Anfragen hatte in dieser Richtung», sagt er. Dann schon eher
ein Unterwäschegeschäft: Jedenfalls wirbt Tonetto, der auch eine Kommunikationsfirma leitet, damit: «Sie wollen schon immer sexy Unterwäsche verkaufen? Wieso nicht hier?» steht am Fenster des Lokals an der Milchgasse.

Kein Geschenk, dafür Steuern

Weiterhin auf einen Nachmieter wartet auch das ehemalige Lokal des Touringclubs an der Rathausgasse. Und: Einen neuen Mieter sucht die Stadt auf Anfang September für das Restaurant Tuchlaube an der Metzgergasse.

Marcel Suter vom Zentrum Aarau wünscht sich gerade in dieser schwierigen Zeit, in der in der gesamten Stadt umgebaut wird, ein Laden-Management. «Wenn man aber bei der Stadt nachfragt, welche Lokale leer stehen, weiss das keiner.» Auch würden die Ladenbesitzer, die derzeit neu eröffnen, nicht mit einem Geschenk willkommen geheissen.

«Das Erste, was sie von der Stadt hören, ist, wenn sie die Steuerrechnung bekommen», bedauert Marcel Suter. Immerhin: Kürzlich haben sich Gewerbe und Vertreter der Stadt zu einem Wirtschaftsgipfel getroffen. Laut Suter besteht Hoffnung, dass die Entwicklungsstrategie auch von Stadtseite her nochmals genau durchdacht wird.

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