Ampel Bahnhofplatz

Wer nicht warten will, muss unten durch

Fussgänger, die beim Warten die Geduld verlieren und bei Rotlicht über den Bahnhofplatz rennen gehören zur Tagesordnung. An der Ampeleinstellung wird dennoch nichts verändert: Der schnelle Weg führt unten durch, so sei es vorgesehen.

Regula Bättig

Neu ist er und schick, der Solothurner Bahnhofplatz. Und doch sind nicht alle glücklich damit: «Der neue oberirdische Fussgängerstreifen ist ja gut und recht - nur steht man solange vor dem Rotlicht, dass man mit der Unterführung fast schneller bei den Zügen ist», beklagt sich ein Pendler und ist damit keine Ausnahme.

Geäussert wird auch der Verdacht, das Fussgänger und Autos bisweilen gleichzeitig warten. Tatsache ist sicher, dass immer wieder Fussgänger bei Rot über die Strasse huschen. Mal mit viel Risiko, mal mit weniger, was bei vielen Autofahrern für Missmut sorgt. Zudem gibt es auch von dieser Seite Kritik an den allzu langen Wartezeiten.

Verkehr hat weiterhin Vorrang

Im Rahmen einer Verkehrszählung am 26. November, habe man auch das allgemeine Verhalten der Verkehrsteilnehmer auf dem Bahnhofplatz beobachtet, sagt Roger Schibler, Abteilungsleiter Strassenbau beim Kanton - also auch kopflos bei Rotlicht über die Strasse rennende Fussgänger. Das komme tatsächlich vor, bestätigt Schibler. Aussichten, dass aus diesem Grund am Ampelregime etwas verändert wird und pressierte Pendler schneller zum Zug kommen, bestehen kaum.

Immerhin müssen täglich auch weit über 20 000 Fahrzeuge das Nadelöhr Bahnhofplatz passieren. «Es war daher nie das Ziel, dass die Fussgänger auf dem Bahnhofplatz bevorzugt werden», stellt Schibler klar. «Das ist nur ausserhalb der Spitzenzeiten der Fall. Zu Zeiten, da man Unterführungen vielleicht lieber meidet, soll eine gute Alternative zu Gang untendurch bestehen.» Wer zur Rushhour möglichst schnell auf den Zug will, tut also gut daran, den Weg unten durch zu wählen - wie es im Sinne der Planer ist.

Wer sich als Fussgänger beim Abtauchen in den grünen Untergrund noch etwas gar einsam fühlt, sei jedoch beruhigt: Die ersten Veloständer wurden gestern installiert, rund hundert Abstellplätze sind nun dort zu finden. Im Januar soll zudem Beleuchtung instand gestellt und die Deckenabdeckung montiert werden. Frisch geputzt diese, womit auch die Zeiten der düster-dunklen Decke ein Ende haben.

Die Erkenntnisse aus der Verkehrszählung sind laut Schibler bald zu erwarten und damit allenfalls auch Anpassungen beim Verkehrsregime - wenn auch nicht für die Fussgänger: «In der Anfangsphase wollten wir nicht zu viel machen», sagt Schibler. «Wir wollten abwarten, bis sich der Verkehr nach der Bauphase wieder etwas eingependelt hat.»

Gleichwohl musste kurz nach der Eröffnung•musste eine erste Justierung vorgenommen werden: Der Verkehr aus Richtung Zuchwil erhielt mehr Prioritäten, worauf sich die Situation mit den Rückstaus prompt verbesserte. «Dass sich der Verkehr zu Spitzenzeiten staut, lässt sich aber nicht vermeiden.»

Zukunft mit zentralem Rechner

Das Datum der Erhebung - «ohne grössere Baustellen, aber noch vor dem Weihnachtsrummel» - wurde aber noch aus anderen Gründen so gewählt. Denn es geht laut Schibler nicht nur um die aktuelle Situation am Bahnhofplatz, gezählt wurde auch im Hinblick auf das «Verkehrsmanagement Solothurn», das Ende nächsten Jahres in Betrieb gehen soll: Sämtliche Ampeln in und um Solothurn werden dann von einem zentralen Rechner koordiniert.

So könne übergeordnet reagiert werden, beispielsweise wenn wegen eines Unfalls plötzlich mehr Verkehr aus einer Richtung in die Stadt fliesst. «Das neue System wird keinen Quantensprung bieten, aber sicher eine Verbesserung», stellt Schibler fest «Zu glauben, das damit sämtliche Staus rund um Solothurn verschwinden, ist aber falsch.»

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