Career Services an der UNI Zürich
Wer bin ich und wie kriege ich einen Job?

Studenten der Uni Zürich können seit Kurzem eine Gratisberatung zu Karriere, Studium und Lebenslauf in Anspruch nehmen. Ein Selbstversuch.

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Career Services

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Limmattaler Zeitung

Nathan Lenzin

«Zu welcher Gruppe würden Sie sich an einer Party gesellen?» Hm, keine Ahnung, Gruppe A vielleicht. «Sehr gut, kreativ und künstlerisch. Wohin würden Sie danach gehen?» Tja, am ehesten zu Gruppe S, würde ich meinen. «Aha, kontaktfreudig und hilfsbereit.» Von Partys geht es weiter zu fiktiven Buchhandlungen, zu meinen Kindheitsträumen und übertragbaren Fähigkeiten, um schliesslich bei meinen moralischen Werten anzugelangen.

In einem zweistündigen Gespräch mit Natalie Breitenstein und Peter Vollenweider wollte der Autor herausfinden wie eine typische Karriereberatung der «Career Services» im Hirschengraben 60 in Zürich genau funktioniert.

Fähigkeiten ertasten

Im Sitzungszimmer geht es dann sofort zur Sache. Man wolle einen Workshop simulieren, der sonst mit einer grösseren Gruppe während einem halben Tag durchgeführt würde, erklärt Breitenstein. Okay. Erste Folie: die Blume. Mehrere Kreise in einem Bienenwabenmuster sollen der Schlüssel zu meiner Karriere sein? Peter Vollenweider zeigt mir, wie das gehen soll: «Man tastet sich in sieben Schritten an seine Fähigkeiten, Interessen und Ziele heran.»

Der erste Schritt betrifft die Ausbildung, der zweite die übertragbaren Fähigkeiten. Kann ich zum Beispiel gut schreiben (Der Leser wird es wissen)? Vielleicht hat man auch ein Talent für handwerkliches Arbeiten. «Es ist auch wichtig zu wissen, in welchem Bereich man nicht so begabt ist», betont Natalie Breitenstein.

«Keine Jobvermittlung»

Die Beratung wird nun abstrakter. Bin ich kommunikativ oder verschlossen? Abenteuerlustig oder besonnen? Hier könne es helfen, eine externe Meinung einzuholen, von jemandem der mich gut kennt. Die Eltern seien allerdings weniger geeignet, eine objektive Meinung zu geben, schmunzelt Vollenweider.

Ich meine, gut schreiben zu können, arbeite gern in kleinen Teams und schätze, ab und zu, kreative Freiheiten. So weit wusste ich dies schon. Es ginge ja auch nicht darum, Neues zu erfinden, sondern Ressourcen-orientiert zu beraten, erklärt Jurist Vollenweider. Das heisst, man wolle den Studierenden zeigen wo ihre Fähigkeiten lägen und wie sie diese gut verkauften.

Entscheidend ist Plan B

Bei mir ist der Fall hoffnungslos, die journalistische Karriere scheint nicht mehr abwendbar. So gut man in einem Bereich aber auch sein mag, es sei entscheidend, stets einen Plan B zu haben, erfahren ich weiter. Oder wie Natalie Breitenstein es ausdrückt: Immer mehrgleisig fahren. Wenn die nächste Finanzkrise komme, sei man froh ein zweites Standbein zu haben.

Nach gut zwei Stunden Gespräch weiss ich nicht viel Neues, bin mir dessen, was ich kann, aber mehr bewust. Konkrete Schritte muss der Student aber in jedem Fall selbst machen. Beraterin Breitenstein sieht als Ziel der «Career Services» die Hilfe zur Selbsthilfe: «Im Gespräch können wir den Studierenden natürlich keinen Job vermitteln. Es geht uns darum, sie zum Denken anzuregen und ihnen Werkzeuge zu zeigen, mit denen sie weiterkommen können.»

Das gelingt tatsächlich recht gut. Allerdings: man muss damit rechnen, die Beratung mit mehr Fragen zu verlassen, als man zu Beginn hatte.

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