Fischereireviere
Wer angelt sich welches Revier?

Wenn alle acht Jahre die Aargauer Fischerei-Reviere neu versteigert werden, können die Emotionen hochgehen. Doch der Kanton versucht mit seinem Vergabesystem, möglichst nervenschonend optimale Lösungen zu finden.

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Fischerei

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Aargauer Zeitung

Jetzt ist es wieder so weit: Im Amtsblatt des Kantons Aargau wurde die Neuvergabe der Staatsfischenzen ausgeschrieben. Während das Wort «Fischenz» Nichtfischern meist wenig sagt und erst einmal im Wörterbuch nachgeschlagen werden muss, wissen Angehörige dieser Zunft längst, was es geschlagen hat. Die Fischerei-Reviere oder eben die Fischenzen im ganzen Kanton werden neu verpachtet. Das geschieht nur alle acht Jahre und kann für einige Aufregung sorgen. Beim kantonalen Fischereiaufseher Thomas Stucki laufen deshalb seit Wochen die Drähte heiss. «Es gibt viele Anfragen: von Leuten, die sich neu interessieren, aber auch von besorgten bisherigen Pächtern, die sich erkundigen, wie die Sache schon wieder funktioniert», sagt Stucki.
Geordnete Verhältnisse angestrebt.

Früher, so erklärt der Fischereiaufseher, habe man die Reviere unmittelbar an regionalen Auktionen versteigert. Dabei hätten sich eine eigene Dynamik und eine aufgeheizte Stimmung entwickeln können: Wenn etwa Gelegenheitsbieter die Preise in die Höhe getrieben hätten oder um ihr Wunschrevier geprellte Fischer dann für beliebige andere Fischenzen mitgeboten hätten, schmunzelt Stucki. «Das mag unterhaltsam gewesen sein und der Staatskasse höhere Einnahmen beschert haben. Dafür, was der Kanton bei der Verpachtung eigentlich anstrebt, war es aber nicht ideal», erklärt Stucki. Denn primäres Ziel sei es, eine sachgerechte Bewirtschaftung und Aufsicht der Gewässer sicherzustellen.

Seit der letzten Verpachtung vor acht Jahren funktioniert das Ganze deshalb anders: Im Aargau niedergelassene natürliche, aber auch juristische Personen können sich bis zum 17. August schriftlich für ein Revier bewerben. Voraussetzung für eine Pacht ist dabei ein Sachkunde-Nachweis, der beispielsweise aus einem Sportfischer-Brevet bestehen kann.
Die Konditionen sind in einem vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) bestellbaren 60 Seiten starken Büchlein für alle verfügbaren 128 Reviere beschrieben: etwa die Anzahl Karten (Fischereiberechtigungen), welche ein Pächter an andere Fischer ausgeben darf, und der vorgesehene Grundpreis für die jährliche Pacht. Dieser reicht von 300 Franken für kleine Bäche bis zu 7100 Franken für den Rhein zwischen Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt und Wallbach, das grösste aller 25 Flussreviere im Kanton.

Ermessensspielraum ist relativ gross
Wo es nur einen Interessenten gibt, wird das Revier zum Grundpreis an diesen verpachtet. Wo sich mehrere Interessenten melden, kommt es zu einem Versteigerungstermin beim BVU in Aarau. Doch auch dabei wird nicht zwingend derjenige mit der grössten Geldbörse zum Pächter. So wird das Revier zwar grundsätzlich dem Höchstbietenden zugesprochen. Doch das BVU kann es nach eigenem Ermessen zum Höchstgebot auch dem bisherigen Pächter oder, wenn ein Verein bei einem grossen Flussrevier mitbietet, dem grössten Verein geben.
Denn wie Stucki wiederholt, geht es dem Kanton vorab darum, die besten Lösungen für die Gewässer zu finden: Pächter, die sich mit Herzblut um ihre Reviere kümmern. Engagierte Fischer, die nicht nur ihre Rechte nutzen, sondern auch ihre Pflichten optimal wahrnehmen. Diese bestehen unter anderem auch darin, den Fischbestand und den Zustand der Gewässer im Auge zu behalten und, wo vom Kanton angeordnet, den Besatz mit Jungfischen durchzuführen. Im Ausnahmefall kann die Pacht dazu sogar für weniger als das Höchstgebot abgegeben werden.

Böses Blut ist nicht hilfreich
Der Kanton hat denn auch in Kauf genommen, dass die Pachteinnahmen vor acht Jahren gegenüber dem alten System um einen ganzen Drittel gesunken sind. Zur effektiven Versteigerung von Fischenzen sei es damals nur noch in gut einem Dutzend Fällen gekommen, sagt Stucki. Und dabei habe man teilweise auch bewusst gütliche Einigungen vermittelt. Denn: «Böses Blut ist den Gewässern auch nicht förderlich», ist der Fischereiaufseher überzeugt.

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