Gefängnis Lenzburg
«Wenn schon ganz verbieten»

Weiterhin wird es in der Justizvollzugsanstalt Lenzburg Gewaltspiele geben. Daran wird sich laut Gefängnisdirektor Marcel Ruf nichts ändern.

Drucken
Teilen
Gefangene in der JVA Lenzburg

Gefangene in der JVA Lenzburg

Aargauer Zeitung

Strafgefangene dürfen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lenzburg all jene Killergames spielen, welche für unter 18-Jährige zugelassen sind - dies berichtete der «Sonntag». Im Frauengefängnis Hindelbank hingegen sind so genannte «Ego-Shooter» verboten. Ego-Shooter sind Computer-Games, in denen der Spieler mit einer Waffe unterwegs ist.

Wie der Direktor des Gefängnisses in Lenzburg, Marcel Ruf, gestern sagte, wird sich daran nichts ändern. «Ich muss mich auf die Beurteilung des europäischen Bewertungssystems ‹Pegi› verlassen», sagt Ruf, «bevor ich einen Mitarbeiter damit beschäftige, alle Spiele durchzuspielen, um sie selbst zu prüfen, verbieten wir Computerspiele lieber generell oder erlauben auf PC nur noch Sport- und Brettspiele.»

Man könne nicht einfach schauen, ob in einem Spiel Waffen vorkämen, und es dann verbieten, denn viele Spiele würden sich langsam entwickeln und erst dann brutaler werden. «Wann wird die Gewalt verherrlicht?», fragt Ruf, «wenn mit Fäusten und Schwertern gekämpft wird wie bei den Spielen ab 12 Jahren, oder erst, wenn Waffen dazukommen und grausamere Details zu sehen sind? Wenn man die Spiele für unter 18-Jährige so gefährlich findet, dann frage ich mich, warum sie den Jugendlichen zugemutet werden!»

Strengere Vorschriften als andernorts

«Sinnvoll wäre, wenn wir im gesamtschweizerischen Strafvollzug immerhin eine Beschränkung auf alle Spiele erreichen würden, die unter 18 Jahren zugelassen sind», sagt Ruf und verweist auf eine Interpellation von CVP-Grossrätin Alexandra Abbt bezüglich der Handhabung von Computerspielen in der Justizvollzugsanstalt. In der Antwort des Regierungsrates vom 23. Januar heisst es: «In der JVA Lenzburg bestehen bereits die strengsten Vorschriften aller geschlossenen Anstalten in der Schweiz. Noch restriktivere Vorschriften wären nicht verhältnismässig.» (kus)

Aktuelle Nachrichten