Junge Theatergruppe

Wenn plötzlich alles dunkel wäre

Eine Gemeinschaft und doch jeder für sich – ein dramatischer Unterbruch des mediengesteuerten Alltags bewirkt so einiges. (Bild zvg.)

Junges Theater

Eine Gemeinschaft und doch jeder für sich – ein dramatischer Unterbruch des mediengesteuerten Alltags bewirkt so einiges. (Bild zvg.)

Als Blackout wird der plötzliche Stromausfall grosser Stromnetze, das vollständige Verstummen der Medien oder auch ein vorübergehender Gedächtnisverlust, ein Zustand der Bewusstlosigkeit bezeichnet. Ein Theaterstück von «Kulturpool», jetzt in Affoltern.

Das Fest der Lichter ist vorüber. Beleuchtete Fassaden, Fenster, Tannenbäume erhellten die langen Nächte, machten die dunklen Stunden romantisch festlich. Und auch im Haus braucht es Licht, Strom zum Backen und Kochen, Waschen, Bügeln, Nähen. Überall laufen Computer, Musikanlagen, Telefone, Fernseher und Beamer. Unser Leben hängt weitgehend an der Steckdose.

Was wäre, wenn das alles plötzlich ausfiele? Darüber zu fantasieren dauert eine Weile: Was alles betroffen wäre. Was die Menschen tun würden. Wie sich die Welt verändern würde ...

Ein Stück über die junge Generation von heute

Fünf junge Menschen unserer Zeit leben zusammen in einer Wohngemeinschaft, aber sie merken davon nicht viel. Jeder hetzt zu seinen Terminen, es wird im Stehen gegessen, dazu am Fernseher gezappt. Fetzige Musik treibt sie an, Laptop, Agenda, Handy und Heftli - noch schnell ein Getränk, auf die Uhr schauen und weg!
Das Bühnenbild ist schlicht: der Hintergrund schwarz, die Möblierung der WG weiss. «Mer kiffed nöd, mer suufed nöd, ich ha mit niemertem Sex, mer choched zäme und mer händ en Putzplan!» Die junge Zahnarztassistentin Nadja beruhigt ihren Vater am Telefon - und wohl sich selbst auch. Den Putzplan auf der Tafel beachtet niemand, zusammen kochen: davon sind die fünf weit entfernt.

Hannah ist Atomkraftaktivistin: «Atomkraft bedeutet Krieg!». Dagegen anzukämpfen gibt ihrem Leben Sinn. Frank setzt auf die Kunst: «Kunst geht an die Wurzel. Ein wahrer Künstler kann jeden berühren!» Franziska legt Tarotkarten und Andreas bewegt sich nur beim «Wii-Spielen», ansonsten braucht er nur die Finger, um am immer gegenwärtigen Laptop zu schreiben. Wenn die Mitglieder dieser WG zusammentreffen, reden sie aneinander vorbei.

Gefühle auf dem Internet

Haben diese Menschen keine Empfindungen mehr? Sind Gefühle für die jungen Leute nicht mehr wichtig? Das nicht, aber diese Geheimnisse stellen sie unter Pseudonymen per Blog ins Internet: Räucherstäbli 88: «Ich bin einsam.». Dreamchaser: «Ich sehne mich nach Menschen, alles ist eintönig.». Anti-Atom 27: «Meine WG versteht meine Ideale nicht.» Ajax 300: «Ich gehöre nicht dazu. Was mache ich falsch?» IT-Mensch: «Wieso ist das Leben voll mit komplizierten Gefühlen? Computer sind so viel einfacher: Problem analysieren, Programm schreiben, Problem lösen.» Das Tempo des Alltags erhöht sich laufend. Ungeduld, Wut, auch Angst und eine gewisse Verzweiflung breiten sich aus, allen gehts schlechter. Was sind die Lösungen: Ausziehen? Tabletten? Gewalt?
Und da passiert es: es ist plötzlich dunkel. Drinnen, draussen. Nicht mal Handys funktionieren mehr, keine Netze. Räucherstäbli 88 findet noch einige Kerzen und plötzlich öffnen sich neue Ebenen, Dinge, die vergessen waren, Fragen, Fantasien, die Welt mit anderen Augen sehen ...

Recherchen und Improvisation

«Blackout - ein Stück über den Ausfall» wurde von Kulturpool, einem Verbund junger Kulturschaffender aus der Region Säuliamt und dem angrenzenden Aargau, geschrieben und inszeniert. Für die Charakterfindung der Figuren veröffentlichten sie Blogs im Internet und mischten sich unter Menschen in der Stadt. Mit diesen Erfahrungen und anhand von Improvisationen wurde das Gerüst zum Drehbuch errichtet. Das Stück reflektiert die Welt ihrer Generation, Geschwindigkeit, Medien, die Non-Stop-Gesellschaft. Und den Blackout, den alles verändernden totalen Stromausfall. Simon Landwehr (Drehbuch und Inszenierung), Laura Bosshard, Fanny Schweizer, Patrick Honegger (Schauspiel und Bühne, Kostüme, Musik) sowie Marco Erni, Pascal Eichenberger und Hannu Honkela (organisatorische Aufgaben, Technik) waren schon vermehrt in der Aemtler Bühne aktiv, als Spielende, technische Mitarbeitende und im Vorstand. Fabia Morger, Sven Hamman (Schauspiel) und Fanny Schweizer sind langjährige Angehörige des Jugendtheaters Metzenthin. Alle sind in weiteren Theatergruppen engagiert.

Mit «Blackout - ein Stück über den Ausfall» touren sie durch die Schweiz. Uraufführung war im Kellertheater Bremgarten, weitere Aufführungen in Zürich, Aarau, Baden und Winterthur - alles zu weit? Auch in Affoltern ist das Stück zu sehen, am 15., 16. und 30. Januar.

«Blackout - ein Stück über den Ausfall», von Kulturpool, am 15., 16. und 30. 1. (Derniere), jeweils 20 Uhr; Theaterhalle Aemtler Bühne, Obfelderstr. 37, Affoltern; Eintritt frei, Kollekte. Platzreservierung (empfohlen) und weitere Infos auf www.blackout.kulturpool.ch.

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