Ferienpass Langenthal

«Wenn ihr uns seht, könnt ihr winken»

Grosses Staunen: Der Rettungssanitäter Daniel Oesch erklärt den Ferienpass-Kindern, was es im Eurocopter alles zu sehen gibt.

REGA in Belp

Grosses Staunen: Der Rettungssanitäter Daniel Oesch erklärt den Ferienpass-Kindern, was es im Eurocopter alles zu sehen gibt.

Im Rahmen des Ferienpasses Langenthal schnuppern Kinder aus der Region für einige Stunden Rega-Luft – für viele ein unvergessliches Erlebnis.

Katharina Schwab

Es ist Dienstagnachmittag, die Sonne brennt ungnädig auf den Flugplatz Belpmoos. Der Helikopter der Rega Basis Bern landet gerade, und ein paar Kinder drücken sich am Zaun die Nase platt: Es ist Langenthaler Ferienpass-Zeit, und für einmal machen die jungen Kursbesucher einen Ausflug nach Belp.

Auch Lukas ist beim Besuch der Rega Basis dabei - wenn er gross ist, will er Helipilot werden, «das wusste ich schon im Kindergarten». Der Flugbegeisterte Viertklässler aus Langenthal ist sich aber bewusst, dass sich sein Berufswunsch noch ändern könnte - und zwar in Flugzeugpilot. Der Rettungssanitäter Daniel Oesch führt die 28 Kinder und ein paar Erwachsene in den etwas kühleren Vorführraum im Hangar. Er erklärt, was die Rega genau macht.

«Wenn die Autos nicht zu einem Unfall gelangen können oder zu wenig schnell wären, kommt der Helikopter», sagt Oesch. Bevor er einen Film über die Rega zeigt, hält er sein Funkgerät in die Höhe: Wenn dieses Lärm mache, müsse die Mannschaft ausrücken. Und um den Start des Helikopters nicht zu verpassen, würden dann auch alle Kinder nach draussen gehen.

«Wer will, kann vor den Hangar stehen, aber haltet eure Hüte gut fest, sonst fliegen sie davon», rät Oesch. Im Film werden verschiedene Unfälle nachgestellt, die so auch passiert sind: Die neunjährige Andrea, die unter die Räder eines Traktors gerät; Guido der Pilzsammler, der abstürzt; vier verirrte Snowboarder, die mit dem Nachtsichtgerät gesucht werden. Alles Unfälle, bei denen die Rega zum Einsatz kam.

Was machen die Rettungssanitäter, Ärzte und Piloten, wenn kein Alarm losgeht? Der Helikopter wird aufgetankt, Sachen werden ausgetauscht und Instrumente geputzt. «Wir waschen, kochen, essen, trinken und schlafen hier», sagt Oesch. «Hast du denn deine Familie noch nie gesehen?», fragt ein Kind erstaunt. Wenn er frei habe, sehe er sie alle, wird es vom Rettungssanitäter beruhigt.

Nach dem Film geht es hinunter in die grosse Halle des Hangars. Dort wartet der Arzt Sebastian Wüthrich bereits auf die Kinder. Er sucht Freiwillige als Verletzte, Pilot und Hilfsärzte, um eine Rettung nachzuspielen. Marianne darf die Verletzte spielen, sie hat eine Kopfverletzung und liegt auf einem Hochbett. Die «Hilfsärzte» dürfen abhören, ob sie noch atmet, fragen sie, wie sie heisst und wo sie Schmerzen hat.

Mithilfe von Wüthrich und Oesch wird Marianne auf einer Trage transportiert. Sie erhält einen Halskragen, damit sie den Hals nicht bewegt, und der Bauch wird zusätzlich befestigt. Und dann geht es mithilfe des Krans zusammen mit dem angeseilten Arzt Wüthrich in die Höhe - quasi wie in der Realität.

Der zehnjährige Pascal aus Thunstetten steht daneben und beobachtet das Schauspiel. Möchte er nicht viel lieber an Mariannes Stelle sein? «Ich kenne das. Ich war schon mehrere Male Figurant, weil mein Vater in der Feuerwehr ist», sagt er. Er ist daher noch unentschieden, ob er Pilot oder Feuerwehrmann werden will.

Tobias aus Thunstetten möchte gern einmal in einem Helikopter mitfliegen, aber Pilot will er nicht werden: «Lieber Banker, weil ich in der Schule in der Mathematik am besten bin», sagt der Zehnjährige. Inzwischen hat Marianne, die «Verletzte», wieder festen Boden unter den Füssen. «Es hat Spass gemacht, und ich hatte gar keine Angst in der Luft», sagt sie stolz.

Die Kinder haben an diesem Nachmittag Glück. Der Alarm ist nicht losgegangen, und der Heli steht noch immer vor dem Hangar. Deshalb geht es nach dem «Rettungseinsatz» zum Herzstück der Rega Basis Bern; zum Eurocopter, der zu den modernsten Helis gehört, da er viel Platz für die Versorgung der Patienten bietet. 13 dieser Helikopter stehen in der ganzen Schweiz an 13 verschiedenen Standorten. Ein Eurocopter kostet zusammen mit der Innenausstattung rund 8,5 Millionen Franken.

Zur Inneneinrichtung gehört auch die Winde, die maximal 270 Kilogramm transportieren kann. Vom Beatmungsgerät bis zur Medikamentenkiste zeigt Daniel Oesch, was der Helikopter alles zu bieten hat. Nur gestartet wird dieser - zum Bedauern vieler Kinder - nicht.

«Das ist euer Heli, der fliegt auch ins Spital Langenthal», sagt Oesch. Während eines Flugs von Belpmoos nach Langenthal vergingen gerade mal acht Minuten. Das Ziel der Rega sei es, innerhalb einer Viertelstunde überall in der Schweiz zu sein. «Wenn ihr uns das nächste Mal seht, könnt ihr winken, vielleicht winken wir zurück» - die Ferienpass-Kinder sind begeistert von dieser Vorstellung.

Die vielen Eindrücke machen die Kinder jedoch müde. Ein paar Glückliche, die die Rückfahrt nach Langenthal noch nicht angetreten haben, können schliesslich dann doch noch miterleben, wie der Helikopter abhebt, um zu einem Einsatz zu fliegen.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1