Lenzburg

Wenn es wärmer wird

Warme Sommer: In Zukunft muss das Augenmerk vermehrt auf eine optimale Beschattung gelegt werden.

Wärme

Warme Sommer: In Zukunft muss das Augenmerk vermehrt auf eine optimale Beschattung gelegt werden.

Das Klima wird wärmer, Hitzesommer wie 2003 werden in kürzeren Abständen folgen. Dadurch werden die Raumtemperaturen ansteigen, kein Schaden fürs Haus, aber unangenehm für den Menschen. Gute Beschattung schafft Abhilfe.

Beatrice Strässle

Geräumig, gross und vor allem hell, mit viel Fensterflächen. So stellt man sich im Allgemeinen heute modernes Wohnen vor. Doch diese Bauweise kann zukünftig ein Risiko für das Wohlbefinden sein, wenn man sich nicht gleichzeitig um eine optimale Beschattung kümmert.

«Natürlich sieht ein Haus mit viel Glas sehr chic aus, aber Fachleute wissen, dass dies in Zukunft für die Bewohner unangenehm werden kann», erwähnt Hans D. Halter, Energieberater des Kantons und zuständig für verschiedene Gemeinden des Bezirks Lenzburg.

Bauten werden für 50 Jahre und mehr geplant. Nach glaubhaften Prognosen steigt innerhalb der nächsten 50 Jahre das Thermometer im Mittel um zwei bis drei Grad Celsius. Das werden Werte sein, wie man sie beispielsweise in Turin kennt.

Die zusätzliche Erwärmung wird im Sommer stärker sein als im Winter, und der erwartete Temperaturanstieg wird die Nachttemperaturen stärker betreffen. Das bedeutet, dass die Bauten in der Nacht nicht mehr auskühlen können. Fazit: Es wird immer wärmer und unangenehmer im Haus. «Die überhitzten Häuser nehmen zwar selber wenig Schaden, aber die Lebensqualität der Bewohner sinkt erheblich», folgert Halter.

Was tun?

«Vielleicht müsste ein Umdenken stattfinden. Wir müssten darauf zurückkommen, dass die Fenster höchstens 50 % der Fassade ausmachen sollten. Aber spätestens hier gehen die Bestrebungen mancher Architekten und die Wünsche der Bauherrschaft zu stark auseinander», hält Halter fest.

Eine gute Beschattungsmöglichkeit wird immer wichtiger. Dabei soll der Sonnenschutz immer auf der Aussenseite der Fenster liegen. Nur so kann ein genügender Schutz gewährleistet werden. Der Schutz soll auch bei mittleren Windgeschwindigkeiten wirksam und möglich sein, denn gerade bei mässigem Wind ist der Himmel bei uns oft wolkenfrei.

Auch beispielsweise Pergolen oder Bäume können bei Einfamilienhäusern vor zu viel Sonne schützen. Das Blattwerk ist im Winter weg, die Sonne kann ungehindert ins Haus scheinen und für die nötige Helle und Wärme sorgen. Im Sommer bringt das Grün wohltuenden Schatten. Energie abweisende Fenster verringern zwar die Erwärmung in der warmen Jahreszeit, während der Heizperiode ist der Energiegewinn durch die Fenster jedoch wesentlich geschmälert.

Während man sich bei Neubauten von Anfang an mit dem Klimawandel baulich auseinandersetzen kann, ist das bei bestehenden Bauten etwas schwieriger. Eine aussenliegende Wärmedämmung schützt im Sommer vor allzu hohen Raumtemperaturen. Vor allem in der Übergangzeit, bei stark unterschiedlichen Aussentemperaturen, ist die stabilisierende Baumasse (das Gewicht) wichtig.

Grünes Dach

Das Dach ist schwieriger für den Sommer fit zu machen. Ein bestehender Dachstuhl ist nicht auf ein grösseres Mehrgewicht ausgelegt. Hier kann nicht Masse zur Temperaturstabilisierung dazugebaut werden. Wer schon in heissen Sommern direkt unter dem Dach schlafen musste, weiss wie heiss, es unter Umständen in diesen Räumen werden kann. Eine überstarke Wärmedämmung (40 cm) kann aus diesem Grund energetisch sinnvoll sein, denn Kühlen braucht weitaus mehr Energie als Heizen.

Können Dach und Fassade begrünt werden, ist das eine durchaus zu prüfende Zusatzmassnahme. Auf Wärme reflektierende Hartplätze um das Haus sollte nach Möglichkeit verzichtet werden. «Dieses Szenario ist keine Schwarzmalerei, die heisseren Sommer werden mit Bestimmtheit kommen. Und wer sich bis dahin nicht um einen guten Wärmeschutz gekümmert hat, wird wohl den Sommer im Keller verbringen», schliesst Hans D. Halter.

Die Dienste der Energieberater des Kantons stehen der Bevölkerung übrigens kostenlos zur Verfügung, Kontakte sind unter www.energie.ag.ch angegeben.

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