Dialog: Krach um den Ensembleschutz
Wenn eine Aussenisolation und ein grösserer Balkon für Krach sorgen

Wie weit dürfen bauliche Veränderungen in einer Ensembleschutzzone gehen? Diese heikle Frage sorgt im Aarauer Scheibenschachen wieder einmal für rote Köpfe und für Vorwürfe an den Stadtrat.

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Krach um den Ensembleschutz

Krach um den Ensembleschutz

Hermann Rauber

In der Bau- und Nutzungsordnung der Stadt Aarau erscheint im Paragraf 35 der Begriff der Ensembleschutzzone. Diese dient der «Erhaltung und sachgemässen Erneuerung geschichtlich, architektonisch oder städtebaulich wertvoller Baugebiete, Orts- oder Strassenbilder», wie es wörtlich heisst.

Eine dieser Schutzzonen befindet sich im Scheibenschachen, und zwar mit der Herzbergsiedlung, einem typischen Arbeiterquartier. Obwohl sich der Stadtrat zusammen mit betroffenen Hausbesitzern und Interessenvertretern vor Jahren auf gemeinsame «Richtlinien» geeinigt hat, sorgt die konkrete Auslegung immer wieder für Ärger.

Baugesuche als Auslöser

Der jüngste Fall hat sich aus zwei Baugesuchen aus dem Scheibenschachen ergeben. Willy Sprenger, der ehemalige Präsident des Quartiervereins, spricht von einer «unnötigen Eigentumsbeschränkung», die «eine ordentliche Entwicklung verhindert». Sprenger apostrophiert die geltenden Schutzbestimmungen als «unnötig, willkürlich und nicht nachvollziehbar», zum Ärger vieler betroffener Anwohner.

Konkret geht es um die Erweiterung eines bestehenden Balkons über die gesamte Hausbreite, aber auch um Aussenisolationen. Weil der Ensembleschutz solche verbietet, könne das vom Kanton angebotene Förderprogramm «Energieeffizienz 2009 für Gebäudehüllen» von Bewohnerinnen und Bewohnern der Herzbergsiedlung gar nicht genutzt werden.

Streitpunkt ist zudem die maximal zulässige Grösse von Dachflächenfenstern, die einen Anschluss an das Förderprogramm der IBAarau («30 Sonnendächer Erdgas und Sonne») verhindere. Stadtschreiber Martin Gossweiler bestätigt ein entsprechendes Verfahren zwischen Willy Sprenger und dem Aarauer Stadtrat, das noch nicht beendet sei.

«Die Materie ist nicht einfach, stützt sie sich doch auf Leitplanken für das Bauen in der Praxis in solchen Schutzzonen», die einen gewissen «Ermessensspielraum» zuliessen. Laut Bauordnung legt der Stadtrat «die Erhaltenswürdigkeit» bestehender Bauten sowie bei Neu- oder Umbauten in der Ensembleschutzzone fest.

Immerhin hat der nämliche Ensembleschutz dafür gesorgt, dass der Stadtrat einen Grund hatte, die Bewilligung für eine Natelantenne am Aarmattweg zum zweiten Mal abzulehnen.

Vorgarten als Parkplatz?

Willy Sprenger würde sich «darüber freuen, wenn der Stadtrat möglichst schnell zeitgemässe Wohnsituationen auch den Bewohnern der Herzbergsiedlung gewährt», sagt er. Unverständlich ist für den ehemaligen Präsidenten des Quartiervereins auch der Umstand, dass der Stadtrat «teilweise» verhindert, dass die Hauseigentümer Parkplätze in den eigenen Vorgärten erstellen können.

Aktueller Anlass für solche Begehren ist das neue Aarauer Parkplatzreglement, das auf den kommenden 1. September hin gültig sein wird. Sprenger verlangt vom Aarauer Stadtrat nichts weniger als die «Aussetzung» von solchen «nicht nachvollziehbaren Bestimmungen».

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