Gleiche DNA
Wenn der Zwillingsbruder zum Problem wird

Die Fakten sind klar: Ein Vergewaltigungsopfer, eine detaillierte Täterbeschreibung und hinterlassene DNA-Spuren des Vergewaltigers. Ein einfacher Fall für die britische Polizei, denkt man, doch diese steht erstaunlicherweise vor einem Problem.

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Die beiden Männer haben dieselbe DNA. Das macht es den Ermittlern schwierig, den Täter zu finden.

Die beiden Männer haben dieselbe DNA. Das macht es den Ermittlern schwierig, den Täter zu finden.

Keystone

Es geschah am 5. November 2011. Eine Frau reichte Anzeige gegen Unbekannt ein, sie sei von einem jungen Mann vergewaltigt worden. Nachdem das Opfer den Täter detailliert beschrieben hatte, machte sich die britische Polizei auf die Suche. Diese verlief äusserst erfolgreich, denn nach kurzer Zeit spürten die Ermittler nicht nur einen, sondern gleich zwei Verdächtige auf: Aftab und Mohammed Asghar.

Dumm nur für die Polizisten, dass die beiden 22-Jährigen eineiige Zwillinge sind und folglich dieselbe DNA teilen. Aus diesem Grund müssen sich Aftab und Mohammed Asghar nun beide vor Gericht verantworten. Sandra Beck, die zuständige Staatsanwältin, erläutert den speziellen Fall: «Alle Hinweise deuten darauf hin, dass nur einer der beiden Männer an der Vergewaltigung beteiligt war. Wir können aber nicht sagen, welcher. Aus diesem Grund mussten wir beide Brüder anklagen.»

Bis zum voraussichtlichen Prozessbeginn anfangs Dezember wurden die Zwillinge auf Kaution freigelassen. Zudem sind sie verpflichtet, dreimal pro Woche auf dem Polizeiposten zu erscheinen und dürfen sich dem Vergewaltigungsopfer nicht nähern.

Kleiner Hoffnungsschimmer für die Ermittler: Wissenschaftler haben vor kurzer Zeit Beweise dafür gefunden, dass in der frühen fetalen Entwicklung minime Unterschiede auf zellulärer Ebene auftreten können. Bleibt nur zu hoffen, dass dank neuen Methoden in absehbarer Zeit ein Urteil im Fall der Zwillinge gefällt werden kann. (MST)

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