Bojan Stula

Nicht weniger als 16 Kunstrasen-Fussballplätze zählt der Baselbieter Sportamtleiter Thomas Beugger auf Kantonsgebiet. Weitere Projekte in Lausen und Ettingen sind angekündigt, in Bubendorf wurde soeben Spatenstich gefeiert.

Um die 1,3 Millionen Franken kostet der Bau eines Kunstrasenfelds neuester Generation, wobei es um die Finanzierung vielerorts ein politisches Tauziehen gegeben hat.

Die meisten Gemeinden und ihre Stimmbürgerschaft entschlossen sich schliesslich zur Investition, weil die Kunstrasenfelder nicht nur die Trainingsmöglichkeiten der lokalen Fussballklubs bei schlechtem Wetter massiv verbessern, sondern auch die Aussicht bieten, dank einer langen Lebensdauer hohe Unterhaltskosten einzusparen und sich so irgendwann zu amortisieren. Mit einer Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren bewerben Hersteller von modernen Kunstrasen ihre Produkte.

Doch diese Rechnung wird wohl ins Auge gehen. «Ein intensiv genutzter Kunstrasen hält im Schnitt rund zehn Jahre», sagt Eric Hardman, Leiter Sportanlagen beim basel-städtischen Erziehungsdepartement. Und er kann einige Beispiele aufzählen, bei denen Kunstrasenflächen nicht einmal dieses Alter erreichten.

«Bekannt ist der Fall mit den unverfüllten Kunststoffrasenplatten der Marke XL-Turf. Diese waren bereits nach kurzer Zeit unbrauchbar, die Firma ging pleite, und die Benützer standen vor einem finanziellen Scherbenhaufen.» Unabhängig von schlecht gebauten Kunstrasenfeldern hält Hardman die von Herstellern propagierte Lebensdauer von 15 bis 20 Jahren für «reines Marketing».

Hardman weiss, wovon er spricht. In einem Nachdiplomkurs hat er den Sportanlagenbau studiert und über den Kostennutzen von Kunst- und Naturrasen seine Diplomarbeit geschrieben. Bei allen bisherigen Projekten mit Kunstrasen auf Stadtboden war er der federführende Verantwortliche.

«Niemand sonst in der Region hat sich so intensiv mit der Materie Kunstrasen auseinandergesetzt wie Eric Hardman», zollt Sportamtleiter Beugger seinem Kollegen aus der Stadt höchste Anerkennung.

Was Hardman zu sagen hat, dürften die Fussballvereine nicht gerne hören - und die Gemeindebehörden noch weniger: «All jene Gemeinden, die sich einen Kunstrasen geleistet haben, laufen in eine Finanzierungsfalle hinein, und keiner will es wahrhaben.»

Bei intensiv genutzten Kunstrasen stehen nach fünf bis sechs Jahren Reparaturen im Bereich des Strafraums und des Elfmeterpunkts an. Spätestens nach 10 bis maximal 12 Jahren ist der Kunstrasen stumpf geworden und muss ersetzt werden.

Das Problem dabei ist, dass nicht die kickenden Fussballer für den grössten Teil der Abnützung verantwortlich sind, sondern Umwelteinflüsse. «Vereinfacht gesagt macht die UV-Strahlung der Sonne den Kunststoff spröde», erläutert Hardman. Dagegen haben selbst die jüngsten Entwicklungen im Bereich des Kunststoffrasens noch kein Rezept gefunden.

«Die vollständige UV-resistente Kunstrasenfaser ist schlicht noch nicht erfunden worden», weiss Hardman, der regelmässig Sportfachmessen nach Neuheiten im Kunstrasen-Bereich absucht. Was das konkret für jene Gemeinden bedeutet, die ein Kunstrasenfeld ihr eigen nennen, hat Hardman schnell vorgerechnet. «Eigentlich müsste jede Gemeinde jährlich Rückstellungen in der Höhe von 50 000 bis 70 000 Franken tätigen, um den Kunstrasenteppich bei Zeiten ersetzen zu können.»

Das ist in der Tat dicke Post an die Adresse der stolzen Kunstrasen-Besitzer. Besonders für die kleinen, finanzschwächeren Gemeinden, für die bereits der Bau der Felder eine erhebliche Investition darstellte und meist mit einem politischen Kraftakt verbunden war.

Etwas gelassener sieht es René Jenny, der Liegenschaftsverantwortliche der Grossgemeinde Allschwil. «Wenn unser Kunstrasen eine Lebensdauer von 12 Jahren erreicht, sind wir damit schon sehr zufrieden.» Und selbst wenn diese Lebensdauer nicht erreicht werden sollte, glaubt Jenny nicht, dass die Finanzierung des Ersatz-Plastikrasens ein allzu grosses Problem darstellen würde.

«Die Abnützung des Kunstrasens passiert ja nicht über Nacht, sondern zeichnet sich ab. Dann kann man auch die Kosten für den Ersatzrasenteppich rechtzeitig budgetieren.» Richtig aber sei, dass man den Zustand des Kunstrasens stets im Auge behalten müsse.

Sportamtleiter Thomas Beugger weist drauf hin, dass bei einem Ersatz die ursprünglichen Baukosten für das Fundament, die Umzäunung oder die Beleuchtung ja nicht nochmals geleistet werden müssten, sondern lediglich die Kosten für den neuen Rasenplastik und die Füllung.

«Vom Sportamt aus haben wir die Gemeinden stets auf eine Lebensdauer von 12 bis 15 Jahren hingewiesen. Ich denke, dass sich die Gemeinden wohl bewusst sind, dass sich die Lebensdauer ihrer Kunstrasenfelder auch unter 15 Jahren belaufen könnte», fügt Beugger an.

Für Hardman steht aus langjähriger Erfahrung fest, dass Kunstrasenplätze zwar eine sehr gute Trainingsergänzung bei schlechtem Wetter darstellen, nie aber einen professionell gepflegten, konventionellen Rasenplatz ersetzen können. «Es gibt keine problematischen Naturrasenflächen, nur eine mehr oder weniger intelligente Art und Weise, diese zu bauen und zu benützen», lautet sein Credo.

Wirklich notwendig und finanziell sinnvoll ist ein Kunstrasenplatz aus seiner Sicht nur an jenen Orten, wo ein Fussballplatz buchstäblich rund um die Uhr benützt wird. Erst wenn ein Kunstrasen mehr als 1300 Stunden pro Jahr bespielt wird, ist er rein rechnerisch wirtschaftlicher als ein professionell gepflegter Naturrasenspielplatz. Dies hat Hardman in seiner Diplomarbeit akribisch errechnet. Doch die Erfahrung hat gezeigt: Auf solche Stundenwerte kommt kaum je ein regionaler Kunstrasenplatz.