Unwetter 2009
Wenn das Wetter verrückt spielt

Entwurzelte Bäume, überflutete Keller und Tiefgaragen – die Einsatzkräfte in den Regionen Oberaargau und Burgdorf sowie im Kanton Solothurn hatten alle Hände voll zu tun.

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Unwetter Sommer 2009

Unwetter Sommer 2009

Solothurner Zeitung
Gurtenfestival Auf dem Gurten: Wer ein echter Fan ist, lässt sich durch den Matsch nicht die Laune verderben.

Gurtenfestival Auf dem Gurten: Wer ein echter Fan ist, lässt sich durch den Matsch nicht die Laune verderben.

Solothurner Zeitung

Jürg Rettenmund, Marisa Cordeiro, Elisabeth Seifert

Bei der Kantonspolizei Bern gingen in der Nacht auf Freitag nach der Gewitterfront über 60 Unwettermeldungen ein. Betroffen waren auch der Oberaargau und der Raum Burgdorf, mit einem Schwerpunkt im Raum Bätterkinden, Utzenstorf und Fraubrunnen.

So stand etwa die Feuerwehr Untere Emme, laut Kommandant Adrian Rothenbühler, während gut drei Stunden mit rund 20 Feuerwehrleuten in Einsatz. «Ein grosser Ast hatte die Ortsdurchfahrt Kräiligen-Bätterkinden versperrte», sagt Rothenbühler. Weiter seien vor allem die Waldstrassen Richtung Gerlafingen, Obergerlafingen und die Verbindungsstrasse Zielebach-Wiler von heruntergefallenen Ästen und umgestürzten Bäumen betroffen gewesen.

Im Utzenstorfer Schachen fielen den heftigen Böhen zudem Dachziegel zum Opfer. «Als wir vor Ort waren, hatten die Liegenschaftsbesitzer die Situation aber bereits selber unter Kontrolle gebracht», sagt der stellvertretende Kommandant Peter Tabone.

Schlimmer als im Januar

Die Feuerwehr Fraubrunnen rückte um 3 Uhr mit zirka 25 Leuten aus. Wie Kommandant Rolf König sagt, seien die Schäden diesmal schlimmer als beim Unwetter vom Januar 2009 gewesen. «Damals vielen eher kleine Bäume oder Wipfeln dem Sturm zum Opfer. In der Nacht auf Freitag dagegen waren es relativ grosse Bäume, die mehrere Hauptstrassen versperrten.»

Bis ca. 4 Uhr waren folgende Hauptstrassen nicht befahrbar: Jegenstorf-Fraubrunnen, Fraubrunnen-Aefligen und Fraubrunnen-Schalunen. Weiter mussten diverse Nebenstrassen und Bäche vom Holz befreit und Keller ausgepumpt werden.

Rütscheler Premiere abgesagt

Für die Nacht auf heute meldeten die Meteorologen erneut ergiebige Niederschläge. Ein Opfer wurden die Rütscheler Singlüt mit ihrem Freilichtspiel «Polenliebchen»: Nachdem die Vorpremiere am Donnerstag noch vor der Gewitterfront bei schönstem Sommerwetter durchgeführt werden konnte, musste die Premiere am Freitag abgesagt werden. (jr)

Einzelne Meldungen zogen sich vom Raum Untere Emme über den Raum Kirchberg über Heimiswil bis nach Affoltern (Häusernmoos) hin. Im Oberaargau wurden Schäden in Bollodingen, Graben, Walliswil bei Bipp und Huttwil gemeldet.

Gurtenfestival wappnet sich

Im Seeland war die Gemeinde Lyss mit 12 Unwettermeldungen besonders betroffen. Mit den Dimensionen im Hochwassersommer, wo Lyss gleich dreimal schwer getroffen wurde, haben die aktuellen Unwetterschäden allerdings nichts gemein, wie Thomas Peter, Bereichsleiter Sicherheit der Gemeindeverwaltung erklärte.

Es hätten vor allem viele Äste und einzelne Bäume weggeräumt werden müssen, dazu sei in einzelnen Keller Wasser eingedrungen. Der Lyssbach stieg zwar an, hielt sich aber gemäss Peter «schön ruhig».

Keinen Schaden richtete das Wasser auch am Gurtenfestival an, wie Mediensprecher Micha Günter erklärte. Für weiteren Regen sei man vorbereitet: Am Boden wurden viele Bodenplatten verlegt, Zeltbauten und Bühnen seien gut verstrebt und gesichert. Unvermeidlich seien allerdings «Schlammschlachten».

150 Liter Öl sind ausgelaufen

Auch im Kanton Solothurn hatten die Einsatzkräfte alle Hände voll zu tun. Zwischen 2.30 Uhr und 9.30 Uhr sind auf der Alarmzentrale der Kantonspolizei laut Mediensprecher Peter Schluep 70 Meldungen eingegangen - die meisten davon aus dem Raum Wasseramt und dem Bucheggberg.

Zwecks Aufräumarbeiten waren verschiedene Strassen in den frühen Morgenstunden kurzzeitig gesperrt, etwa zwischen Derendingen und Luterbach, oder zwischen Nennigkofen und Lüterkofen sowie die Strasse nach Steinhof hinauf.

In Gossliwil haben die heftigen Windböen eine Buche entwurzelt, welche den Schopf der dortigen Waldhütte praktisch vollständig zerstört hat. In Mitleidenschaft gezogen wurde gemäss Gemeindeschreiber Konrad Stuber zudem ein angrenzender Raum.

Dieser war von der Bürgergemeinde gegen den Willen des Kantons für Anlässe unterschiedlicher Art ausgebaut worden. Keinen Schaden genommen haben allerdings, so der Gemeindeschreiber, die besonders umstrittenen neu eingbauten Fenster und sanitären Einrichtungen.

In der Region Kestenholz stieg aufgrund starker Regenfäller der Pegel in der Kanalisation derart rasant an, dass mehrere Schachtdeckel aus ihrer Position gehoben und verschoben worden sind.

Einer von diesen wurde einem Sattelschlepper zum Verhängnis, der um 4.30 Uhr die Neue Strasse in Kestenholz hinunterfuhr. Der Schachtdeckel brachte den Laster zum Stillstand und riss ein Leck in den Dieseltank, aus dem in der Folge etwa 150 Liter Oel ausliefen. Der Sachschaden beträgt etwa 10 000 Franken.

Sicherheitsholzerei sei dank

Neben den Feuerwehren, die Keller und Tiefgaragen auspumpten sowie Bäume wegräumten, standen zahlreiche Werkhofmitarbeiter den ganzen Tag im Einsatz. Das Kreisbauamt I in Zuchwil etwa rückte mit 25 Mann und drei Wischmaschinen aus, welche die am Schlimmsten betroffenen Strassen von Dreck und Ästen zu befreiten.

«Der Schaden durch umgestürzte Bäume hat sich aber trotz allem in Grenzen gehalten,» meinte Walter Kissling, Chef im Kreisbauamt I. Und zwar dank der Sicherheitsholzerei. Kissling: «Seit einige Jahren bereits fällen wir in Zusammenarbeit mit den Forstämtern entlang der Strassen alte und beschädigte Bäume.»

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