Inkwilersee

Wenn das Wasser mehr Luft braucht

Wassersauger: Die Pumpe soll helfen, das ökologische Gleichgewicht des Inkwilersees zu sichern. (Bild: Felix Gerber)

Inkwilersee

Wassersauger: Die Pumpe soll helfen, das ökologische Gleichgewicht des Inkwilersees zu sichern. (Bild: Felix Gerber)

Seit sein Umland trockengelegt wurde, um Agrarland zu gewinnen, entwickelte sich der Inkwilersee zu einem ökologischen Sorgenkind. Die Kantone Solothurn und Bern kämpfen nun darum, das fragile Gleichgewicht aufrechtzuerhalten. Getestet wird eine Pumpe, die Schlamm aus dem See absaugt.

Gaudenz Oetterli

Den Inkwilersee als braune Suppe zu bezeichnen, geht ein wenig weit. Im Vergleich zur glasklaren Aare muss ein Schwimmer zurzeit aber nicht lange überlegen, welches der beiden Gewässer er sich für seine Tätigkeit aussucht. Auch der Taucher, der sich gestern in den See im äusseren Wasseramt wagte, hatte alles andere als eine klare Sicht: «Es ist mehr ein Tasten als ein Sehen.»

Der Taucher ist im Auftrag der Kantone Solothurn und Bern in den Inkwilersee gestiegen. Gleich neben der grossen Pumpanlage auf der Südseite des Sees. Dort wird nämlich in der nächsten Zeit ein Verfahren getestet, mit dem der Sauerstoffgehalt des Wassers erhöht werden kann. Mit einer Pumpe sollen an gewissen Stellen des Sees Sedimente abgesaugt werden.

Diese meist organischen Ablagerungen - wie abgestorbene Algen - entziehen dem Wasser bei ihrer Zersetzung wichtigen Sauerstoff. Und da der Inkwilersee übermineralisiert ist, im Sommer also sehr viele Algen wachsen, läuft er bei Wetterumsturz jeweils Gefahr, «zu kippen». Und dem Sauerstoffmangel fallen dann die Fische zum Opfer.

Testlauf für die «Abpump-Methode»

Genau dies passierte vor rund einem Monat. «Die Fische bewegten sich alle zum See-Zufluss auf der Westseite, wo das Wasser sauerstoffhaltiger ist. Da haben wir gemerkt, dass der See am ‹Kippen› ist», erklärt Daniel Schrag vom Amt für Umwelt. Sofort halfen Feuerwehr und Militär mit mehreren Pumpen, das Wasser umzuwälzen und wieder mit Sauerstoff anzureichern.

Nach dieser Soforthilfe hat sich Schrag als Projektleiter der Sanierungsmassnahmen Inkwilersee daran gemacht, längerfristige Schritte einzuleiten, die das ökologische Gleichgewicht des Sees stabilisieren sollen. Zu Testzwecken wurde nun eine Pumpe und ein Röhrensystem installiert.

In Ufernähe wird der feine Schlamm vom Grund des Sees abgesaugt. Über die Röhren wird das Wasser dann an die Ostseite gepumpt, zum Abfluss des Sees. Dort wird es dem natürlichen Kreislauf zurückgegeben. «Ist der Versuch erfolgreich und sprechen die beiden Kantone das dafür notwendige Geld, werden wir die Sanierungs-Methode anwenden.»

Die Algen - Segen und Fluch zugleich

Angefangen haben die Probleme mit dem Sauerstoffgehalt des Inkwilersees vor 40 Jahren. «Früher war der See Teil einer Moorlandschaft, die bis fast nach Subingen reichte. Aber Ende der 60er-Jahre wurde diese mit Drainagen trockengelegt, um Land für die Landwirtschaft zu gewinnen», so Schrag.

Mit der zunehmenden Überdüngung des Wassers wuchsen im See immer mehr Algen. Solange diese Leben, Sonne haben und Photosynthese betreiben, stellen sie kein Problem dar. Erst wenn sie absterben und den Sauerstoff selber verbrauchen, gefährden sie das Gleichgewicht im See.

Um zu verhindern, dass der See künftig wieder «kippt», hat das Amt für Umwelt bereits Massnahmen umgesetzt: «Der Zufluss ist seit kurzem gleichzeitig ein Auffangbecken. So kommen weniger Ablagerungen in den See, was die fortschreitende Verlandung verlangsamt.»

Zudem habe man den Inkwilersee rundherum entholzt. So soll vor allem verhindert werden, dass im Herbst mit Blättern weiteres organisches Material ins Wasser gelangt, welches wiederum Sauerstoff «frisst».

(Vorerst) ohne Bio-Katalysator

Nicht angewendet wird hingegen die so genannte Plocher-Methode, wie zum Beispiel beim Bellacher Weiher. Bei dieser Variante wird einem Gewässer ein Bio-Katalysator beigefügt, der die Selbstreinigung fördern soll. «Wir wollen den Inkwilersee stabilisieren, ohne dass wir ihm Stoffe beigeben», erklärt Schrag.

Ob sich der Inkwilersee mit den Massnahmen stabilisiert, wird sich zeigen. «Momentan geht es dem See gut. Auch der zusätzliche «Springbrunnen im See» wäre eigentlich nicht mehr nötig. Vorerst können Ökologen und Fische also aufatmen.

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