Wenn das Leben zu viel ist

Sie hätten noch das ganze Leben vor sich — und genau das kann ihnen zu viel werden: Suizid ist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen die häufigste Todesursache. Das neue Aargauer Suizidpräventionsprojekt «Achterbahn — ein Stück über Leben» will Jugendlichen Mut machen. Und den Erwachsenen.

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Suizidprävention Aargau

Suizidprävention Aargau

von Fränzi Zulauf

Suizidgedanken gehören zum Erwachsenwerden. Auch wenn nur die wenigsten Jugendlichen bis zum Äussersten gehen. Manche aber tun es, wie der erst 13-jährige Lorenz aus Eiken (siehe Kasten). Manchmal erscheint der Tod als einziger Ausweg. Für betroffene Familien, Freunde und Lehrpersonen bleibt der grosse Schmerz, das Nichtverstehen können, die Frage nach dem Warum.

Suizidprävention

Für dieses Projekt arbeitet die Pädagogische Hochschule FHNW ( Beratungsstelle Gesundheitsbildung und Prävention sowie Beratungsstelle Schultheater) mit dem Suizid-Netz Aargau zusammen.
- Anspielstück «Achterbahn - ein Stück über Leben» Auskünfte und Buchungen: stephanie.chassaing@fhnw.ch
- Unterrichts- und Interventionshilfe «Zwischen Lebenslust und Lebensfrust»: dominique.hoegger@fhnw.ch
www.fhnw.ch/ph/iwb/lebenslust
- Leitfaden «Suizidgefahr: Was kann ich tun?»: www.suizid-netz-aargau.ch

«Achterbahn - ein Stück über Leben» heisst das Anspielstück, mit dem die Theaterpädagogen Norina Nobashari und Erich Slamanig ins Schulzimmer von 8. und 9. Klassen kommen (oder in die Jugendgruppe, den Konfirmandenunterricht, etc.). Die Profis von der Beratungsstelle Theaterpädagogik der Pädagogischen Hochschule FHNW spielen die Kick-off Geschichte «Achterbahn» (Regie Regina Wurster): Ein Geschwisterpaar macht einen Ausflug in den Europapark. Der Bruder ist voller Energie und lebenslustig, die Schwester aber ist ihren Stimmungsschwankungen ausgesetzt.

Die Geschwister erleben auch im übertragenen Sinne «eine Fahrt auf der Achterbahn». Nach dem einführenden Theaterstück arbeiten die Schauspielerin und der Schauspieler mit der Klasse theaterpädagogisch weiter, die Jugendlichen werden ins Geschehen eingebunden. Fragen nach dem Sinn des Lebens, das Gespräch über Probleme, das Hin- und Wegschauen stehen im Zentrum. Aber auch Suizid und Suizidgedanken werden angesprochen. Die Jugendlichen erhalten so auf spielerische und altersgerechte Art und Weise Zugang zum Thema Suizid und erfahren: «Ich kann etwas tun, wenn es mir oder meinem Kollegen schlecht geht. Aber es braucht Mut.»

Das Thema Suizid stellt indessen auch für Lehrpersonen eine Herausforderung dar. Soll man, darf man darüber reden? Oder bringt das die Jugendlichen erst auf verhängnisvolle Ideen? Der Verein Suizid-Netz Aargau vertritt klar die Auffassung: Ja, soll darüber sprechen; man soll hinschauen, hinhören, nachfragen. Für Lehrpersonen wurde deshalb die Unterrichts- und Interventionshilfe «Zwischen Lebenslust und Lebensfrust» entwickelt, die ergänzend zum Stück oder auch unabhängig davon eingesetzt werden kann.

Der Leitfaden «Suizidgefahr: Was kann ich tun?» enthält die wichtigsten Hinweise im Umgang mit suizidalen Jugendlichen. Schliesslich werden am Institut Weiterbildung und Beratung FHNW Weiterbildungskurse angeboten.