Wenn 14 Singles flirten, bis es klingelt

«Wundernase» steht auf dem roten Kartonherzchen, das als Namensschild auf meinem T-Shirt klebt. Unter diesem Pseudonym werden später meine Flirtpartner beim Speedflirting ankreuzen, ob sie mich wiedersehen möchten oder nicht.

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Aargauer Zeitung

Irena Jurinak

speedflirting

Beim Speedflirting trifft man in einer Stunde sieben Singles. Man hat 7 Minuten Zeit, sein Gegenüber kennen zu lernen, danach wechselt der Gesprächspartner. Bei gegenseitigem Interesse erhält man am nächsten Bürotag via interne Telefonnummer oder E-Mail die Adresse seiner Favoriten.

Ich sitze also an einem Tischchen in der Opium Lounge in Aarau und warte auf meinen ersten Gesprächspartner. «Schlingel» setzt sich auf den Hocker mir gegenüber. Wir räuspern uns verlegen. «Oder soll ich mich hier rübersetzen?», fragt er und schon rutscht Schlingel auf den Sessel neben mir. Ich gebe zu, in einer Bar hätte ich ihn nicht angesprochen. In Gedanken kreuze ich auf dem Formular, das ich später abgeben soll, bei der Frage nach dem Wiedersehen bereits ein Nein an. Aber noch habe ich ja sieben Minuten vor mir, in welchen ich mein Gegenüber so gut wie möglich kennen lernen soll. Wir tauschen Eckdaten aus: Hobbys, Beruf, Wohnort, Reiseziele.

Bäumchen wechsle dich

Schon bimmelt der Veranstalter mit der Glocke. Die Männer rotieren einen Tisch weiter zur nächsten Dame. «Meck» ist von Anfang an mutiger und setzt sich direkt neben mich. Und beginnt zu reden. Wie ein Wasserfall. Ich komme gar nicht dazu, Zwischenfragen zu stellen. In Gedanken macht mein Kugelschreiber bereits das nächste Nein-Kreuzchen. Der Wasserfall redet und redet und das Glöckchen bimmelt. Mit «Kusi» führe ich ein anregendes Gespräch, er fragt nicht nur nach meinen Träumen, sondern will auch wissen, ob ich Bücher nur zum Spass lese oder etwas daraus ziehe. Auch ihn hätte ich in einer Bar nie angesprochen, dabei ist er ein interessanter Gesprächspartner. Trotzdem: Nein. Und dann merke, ich wie quälend lang sieben Minuten sein können. «Pete» und ich haben einfach keine gemeinsamen Gesprächsthemen.

Nicht mein Typ, zu klein, zu jung

Leider nein heisst es auch bei den folgenden Kandidaten. Der salsatanzende Tramführer aus Zürich ist trotz interessantem Hobby und Beruf äusserlich einfach nicht mein Typ. Der selbstständige Feng-Shui-Gärtner sieht zwar gut aus, ist aber zu jung. Und der Zürcher mit türkischen Wurzeln ist mindestens einen Kopf zu klein.

Dann setzt sich «Gromit» zu mir. Sehr clever der Mann, er liefert mit seinem Spitznamen auch gleich den Einstieg ins Gespräch. Wie gut, dass ich auch «Wallace & Gromit»-Fan bin und mich für Filme interessiere, genau wie er. Gromit ist auch der Erste, der sich traut, mit mir zu flirten und mich augenzwinkernd zu necken. Zum ersten Mal hätte das Glöckchen aus meiner Sicht später klingeln können. Bereits klingelt es zum letzten Mal, die Listen mit den alles entscheidenden Kreuzen werden eingesammelt.

Hinweis

www.speedflirting.ch
Nächstes Speedflirting am Mi, 24. Juni, 19.30, Opium Lounge, Aarau.

7 Minuten bis zur grossen Liebe

Danach sitzen die Schnellflirter noch ein bisschen zusammen und plaudern. «Kusi» findet, die Männer hätten heute mehr Glück gehabt als die Frauen. Er hat recht, ob «Cinderella», «Terry» oder «Mona», die Frauen in der Runde sind alle sehr attraktiv und interessant. Ich erinnere mich, dass wir in der Frauenrunde vor dem Flirten viel zu lachen hatten.

Und ihr Fazit? «Man lernt spannende Männer kennen, mit denen man sonst nicht ins Gespräch käme», findet «Soraya». Aber erkennt man in 7 Minuten, ob einem die grosse Liebe gegenübersitzt? Darauf wissen die Speedflirter keine Antwort. Ich auch nicht. Aber ich suche mir meine Flirtpartner doch lieber selber aus.

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