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Weniger verletzte Schulkinder

Kein Spielzeug: Wer sein Kickboard für den Schulweg benutzt, muss sich vor Unfällen in Acht nehmen. (Bild: Maddalena Tommazoli Huber)

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Kein Spielzeug: Wer sein Kickboard für den Schulweg benutzt, muss sich vor Unfällen in Acht nehmen. (Bild: Maddalena Tommazoli Huber)

Kickboards sind der Hit, und alle fahren mit. Zwar nimmt die Anzahl Unfälle ab – die Schulen mussten aber Regeln aufstellen und Trotti-Ständer bauen.

Patrick Furrer

Kickboards, Trottis oder «Scooter» haben in der Region und der Schweiz einen festen Platz gefunden. «Es ist zwar kein Boom mehr», erklärt Inline-Instruktor René Lauper-Perotti. «Aber vor einem, zwei Jahren hat es wieder stark angezogen», ist der Kickboard-Experte überzeugt, der jährlich gegen 8000 Kindern das Fahren mit den so genannten fäG (fahrzeugähnlichen Geräten) beibringt, wozu auch Inline-Skates, Rollbretter oder Rollschuhe gehören. Besonders beliebt sind die Dinger bei Primarschülern der 2. bis 5. Klasse und neu auch bei Kindergärtlern. Laupers Kurse werden unter anderem vom Touring Club (TCS) und der Beratungsstelle für

Unfallverhütung (BfU) gesponsert.

38 Prozent weniger Unfälle

Aber bedeuten mehr Kickboards auch mehr Unfälle? Aufgrund mangelnder Daten ist dies schwer abzuschätzen. Urs Eggenschwiler, Polizeisprecher der Kantonspolizei Solothurn, schätzt immerhin, dass sich die Lage eher etwas verbessert habe.

Im Solothurnischen wurden dieses Jahr bisher 8 Unfälle mit fahrzeugähnlichen Geräten gemeldet, im Kanton Bern 27. Berechnungen zufolge* sind im Kanton Solothurn letztes Jahr 2 Personen mit einem Kickboard verunfallt, im Jahr davor noch 6. In den Oberaargauer Amtsbezirken Aarwangen und Wangen ging die Anzahl gemeldeter Unfälle ebenfalls tendenziell zurück: 2008 und 2007 kam es zu jeweils einem Unfall mit dem Trotti, 2006 waren es noch 4. In der gesamtschweizerischen Statistik zeigt sich: Seit den Spitzenjahren 2003 und 2004 sind die gemeldeten Unfälle um rund 38 Prozent zurückgegangen, von 117 auf 72.

Kickboard-Fahrer sind allzu oft ohne Schutzausrüstung unterwegs, sind unvorsichtig. Wie tragisch das enden kann, zeigte sich letzten Monat in Rüttenen, als ein 6-jähriger Junge nach dem Zusammenstoss mit einem Auto seinen Verletzungen erlag. Auch in der Nähe von Biel, Fribourg, Safenwil und Solothurn kam es in den letzten zwölf Monaten zu Kickboard-Unfällen, glücklicherweise ohne Todesopfer.

Schulen erstellen Vorschriften

Trotz alledem fahren junge Mädchen und Knaben wieder mehr auf Kickboards ab, das hippe Gefährt macht ihnen Freude. Weniger erfreut zeigen sich allerdings die Schulen. Einer grossen Umfrage der Grenchner Schulen zufolge benutzen 11 Prozent der Kinder ein Trottinett-ähnliches Gefährt für ihren Schulweg.

Um der wachsenden Menge entgegen zu halten, wurden Regeln aufgestellt - so etwa in der Pausenordnung, der Hausordnung oder gar den vom Gemeinderat bewilligten Schulordnungen. Vereinfacht gesagt gilt grundsätzlich: Für den Schulweg verantwortlich sind die Eltern, während der Unterrichtszeit die Lehrerinnen und Lehrer.

In Bellach, Lommiswil und Selzach beispielsweise sind die Zweiräder auf dem Pausen- und Sportplatz verboten. In Oensingen entscheidet gemäss Schulordnung der Klassenlehrer darüber, ob die Kinder für den Weg zum Schwimmunterricht das Kickboard benutzen würfen. In Dulliken wurden Verhaltensregeln erstellt, und in Kappel sind Kickboards gemäss Vorgaben erst ab der dritten Klasse erlaubt. Im Schulhausinnern sind sie ungern gesehen, so auch in Langenthal, wie Schulleiter Rolf Baer erklärt: «Wir mussten reagieren. Sonst überfüllen uns die Kinder die Garderoben und Gänge mit ihren Boards.» Deshalb wurden bei den Veloständern im Langenthaler Schulzentrum Hard diesen Frühling extra Halterungen für Kickboards & Co. eingebaut. «Bis zu einem Drittel einer Primarschulklasse kommt jeweils mit einem Kickboard zum Unterricht», weiss Baer. Um dem Chaos im Schulhaus Einhalt zu gebieten, wurde diese Massnahme auch im Zuchwiler Pisonischulhaus getroffen. So wurden letztes und dieses Jahr Extraständer für Zweiradflitzer installiert.

Präventive Arbeit zeigt Wirkung

Andere Schulen nehmens lockerer: So können die Primarschüler in Selzach ihre Boards zwar unter der Schulhaustreppe deponieren, extra Ständer gibt es nicht. «Wir wollen Kickboards ja nicht extra fördern», erklärt Schulleiter Christoph Goldenberger.

Polizist René Wenk, Verkehrsinstruktor im Amtsbezirk Aarwangen, ist ebenfalls «kein Freund dieser Geräte». Trotz weniger Unfallmeldungen bleibe das Gefahrenpotenzial bestehen. «Die leichteren Fälle werden gar nicht gemeldet», ergänzt er. Dabei seien Kickboards immer ein Thema, speziell in grösseren Ortschaften mit längeren Schulwegen; Langenthal, Aarwangen, Herzogenbuchsee oder Niederbipp.

Dass die Unfallzahlen rückläufig sind, könnte sich Wenk mit der wachsenden Sensibilisierung erklären. So auch Inline-Instruktor René Lauper Perotti. «Das heisst nichts anderes, als dass die präventive Arbeit funktioniert», freut er sich. Eine ähnliche Entwicklung habe man bereits bei Inline-Skates beobachtet, wo sich Kurse später in der Unfallstatistik positiv niedergeschlagen habe. Doch noch sei die Arbeit nicht zu Ende..»Jeder einzelne Unfall ist einer zu viel», ist man sich einig.

* basierend auf Daten der Kantonspolizeikorps SO, BE und ZH sowie des Bundesamtes für Statistik und des Bundesamtes für Strassen

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