FIlmprojekt

Wem gehört der öffentliche Raum?

Gesprächspartner: Einwohnerratspräsident Michael Häusermann im Interview mit Sekundarschüler Mirko. Foto: RS

Filmprojekt Lenzburg

Gesprächspartner: Einwohnerratspräsident Michael Häusermann im Interview mit Sekundarschüler Mirko. Foto: RS

Ein Filmprojekt der Lenzburger Jugend setzt sich mit der Nutzung der öffentlichen Plätze und dem Konfliktpotenzial, das sie in sich bergen, auseinander.

Ruth Steiner

Es seien halt schon etwas gar «hohe Tiere», das mache sie im Moment etwas nervös, gestehen Tamara und Mirko. In Kürze stellt sich den beiden Sekundarschülern mit Einwohnerratspräsident Michael Häusermann und Stadtammann Hans Huber die Spitze der Lenzburger Stadtbehörde vor laufender Kamera zum Interview. Der Respekt der beiden jungen Leute ist verständlich. Weder Politiker befragen noch in ein Mikrofon sprechen beziehungsweise hinter der Videokamera stehen, sind Teil ihres Schulalltages. Tamara und Mirko gehören zu rund einem Dutzend junger Leute, die sich freiwillig am Projekt Lenzburg 9-99 beteiligen. In einer Filmproduktion setzen sie sich mit der Nutzung der öffentlichen Räume in der Stadt Lenzburg auseinander.

«Hängen» als Freizeitbeschäftigung?

Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den exponierten Orten, wie beispielsweise dem Mülimärt, wo die herumhängende Jugend seit geraumer Zeit für Anwohner und Öffentlichkeit ein grosses Ärgernis darstellt. Ein rund dreiviertelstündiger Streifen leuchtet das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln aus und führt den Dialog mit den betroffenen Parteien, Schul- und politischen Behörden als auch der jungen Generation, welche den eigenen Freiraum fordert, sich an den derzeit belegten Orten aber unerwünscht fühlt.

Was versteht der höchste Lenzburger unter «hängen»? Welche Probleme sieht er auf den öffentlichen Plätzen? Kann allein die Jugend für das weit verbreitete Littering verantwortlich gemacht werden? Einwohnerratspräsident Häusermann steht Interviewer Mirko auf der Gasse vor dem Rathaus geduldig Red und Antwort. Kollegin Tamara ist derweil für die Kameraführung zuständig und darauf bedacht, die beiden ins rechte Licht zu rücken. Ins Gespräch vertieft, lassen sie sich weder von neugierigen Passanten noch von Personen, die ins Rathaus drängen, beirren. Nach einer halben Stunde ist der Dreh im Kasten. Allgemeines Aufatmen. Es ist alles reibungslos verlaufen.

Öffentliche Filmpremiere am 14. September

Das Filmprojekt Lenzburg 9–99 wird im Auftrag der Stadtbehörde von People- talk, einem Verein zur Dialogförderung im Gemeinwesen, in Zusammenarbeit mit der Sozialarbeit und Schulsozialarbeit realisiert. In verschiedenen Workshops wurden die Filminhalte vorgängig erarbeitet und nun an sieben Drehtagen produziert. Anschliessend erfolgen Filmschnitt und Vertonung. Den Sound zum Werk komponiert eine Punkband aus Niederlenz. Die Filmpremiere, zu der die interessierte Öffentlichkeit eingeladen ist, findet am 14. September 2010 im katholischen Pfarreizentrum statt. Dort kann in Erfahrung gebracht werden, wie sich der Einwohnerratspräsident den Fragen seines jungen Gesprächspartners stellte, was Lenzburgs Spitzenpolitiker unter einem friedlichen Nebeneinander von Jung und Alt auf den gemeinschaftlichen Plätzen verstehen und wie sie sich gegenüber dem Wunsch der Jugend nach selbst gestaltetem und verwaltetem öffentlichem Raum verhalten.

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