Kirche
Welche Konfession soll es sein?

Zu Beginn des 16. Jahrhunderts praktizierte der Kanton Solothurn die Religionsfreiheit so: Die Gemeinden konnten wählen, ob sie sich zum katholischen oder reformierten Glauben bekennen wollen.

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Gotteshäuser

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Solothurner Zeitung
Oensingen

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Anton Ris

Die Trennung der Konfessionen setzte zu Beginn des 16. Jahrhunderts ein. Den Anfang nahm sie in Zürich. Bern und Basel traten ebenfalls zum neuen Glauben über. In Solothurn musste die Obrigkeit bald feststellen, dass die neue Lehre auch bei vielen Untertanen Anklang fand. Durch die Verschärfung der konfessionellen Gegensätze im Land, wurde 1529 von Solothurn verlangt, klar Stellung zu nehmen. Es musste sich so nicht nur aussenpolitisch mit den reformierten Kräften, sondern auch im Innern immer mehr mit den neuen Ideen und ihren Verfechtern auseinander setzen. Der Rat entschied vorerst, jeder könne glauben, was christlich und recht sei und hoffte so, die Reformation fernhalten zu können. Dies gelang aber nicht, denn überall kamen die Solothurner, eingekreist von Bern und Basel, mit den Reformierten in Berührung.

Da entschloss sich die Regierung, am 3. Dezember 1529 in 47 solothurnischen Kirchgemeinden Abstimmungen durchzuführen; Wolfwil war dazu entweder nicht eingeladen worden oder wollte nicht teilnehmen. Drei Antworten waren möglich: Wir sind für den katholischen Glauben, den reformierten, oder wir überlassen die Entscheidung der Regierung.

Keine klaren Schlüsse

19 Gemeinden stimmten für den alten Glauben, darunter Kestenholz, und Oberbuchsiten. 15 entschieden sich für den neuen Glauben. Oensingen und Egerkingen liessen zusammen mit elf anderen Gemeinden die Regierung entscheiden. Aus diesen Antworten konnte die Obrigkeit keine klaren Schlüsse ziehen, daher setzte sie am 30. Dezember 1529 eine zweite Abstimmung an. 19 Gemeinden machten gar nicht mehr mit, deren 15 waren für den alten Glauben, 10 für den neuen, 2 überliessen den Entscheid der Regierung. Oensingen hatte sich zusammen mit vier weiteren Gemeinden anders entschieden als das erste Mal.

Bei beiden Abstimmungen waren katholisch gesinnten Gemeinden leicht in der Mehrzahl. So beschloss der Rat in Solothurn, dass in Stadt und Land wieder die alte Glaubensrichtung gelten solle. Innert acht Tagen mussten alle reformierten Prediger das Kantonsgebiet verlassen. Nur der Bucheggberg, wo der Stand Bern die Hochgerichtsbarkeit besass und deshalb auch den Glauben bestimmte, blieb reformiert.

Wirren gingen weiter

Aber die Reformationswirren waren nicht zu Ende: 1532 bekannten sich 15 weitere Gemeinden zum Protestantismus, zu ihnen gehörten Oberbuchsiten sowie Kestenholz. Dort besetzte ab 1530 ein reformierter Prädikant die Pfarrstelle, 1533 wurde er entlassen, sein Nachfolger sogar schon nach einigen Wochen. Zur selben Zeit wurde die Formung des Kantonsgebietes abgeschlossen. Eine weitere Vergrösserung des katholischen Solothurn liessen die reformierten Nachbarn Bern und Basel nicht zu. (Mitarbeit: wak)

Quellen: Haefliger, Jahrbuch für solothurnische Geschichte, 1943 und 1944; Wallner, Solothurn - eine schöne Geschichte, 1993; Studer, Kestenholz, seine Geschichte, sein Volk, 1989.