Postauto
Welche Farbe für die Postautos im Aargau?

Für ein einheitliches Bild aller A-Welle-Busse müssen die schönen gelben Postautos Farbe lassen. Doch von den 180 im Aargau sind erst 30 weiss gespritzt. Bis 2020 verschwindet die gelbe Farbe – ohne das Fricktal.

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Aargauer Zeitung

Hans Lüthi

Für rote Köpfe sorgt die Farbe der öffentlichen Busse schon lange. Vor allem der dreiste Streich des Aargaus, die gelben Postautos optisch auszumerzen, ging vielen unter die Haut. Warum sollte man dieses Markenzeichen Schweizerischer Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und Sicherheit mit einem Schlag aufs Spiel setzen, das sich in den Köpfen eingeprägt hat wie das Bild des Matterhorns? Verursacher des Farbtanzes um die weissen Busse ist die Abteilung Verkehr im Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU). «Wir wollen den Wildwuchs auslichten und den hoffnungslos überforderten Fahrgästen helfen», argumentierte der Leiter der Sektion öffentlicher Verkehr, Walter Zimmermann, bei der Einführung. Er hat das BVU verlassen, die Farbwelle zieht ihre Kreise - allerdings recht zögerlich.

«Eine einmalige Chance nutzen»

Für den Kanton ging es darum, den Tarifverbund A-Welle optisch in den Köpfen zu verankern und die «einmalige Chance zu nutzen», dies mit der nötigen Erneuerung der Flotte umzusetzen. Denn: Der Regionalbus Zofingen bekam mit dem Wechsel zum neuen Betreiber SBB/BDWM lauter neue Busse, die Regionalbetriebe Baden-Wettingen (RVBW) schafften viele topmoderne Busse an und spritzten sie wunschgemäss. Bei der auf Hochtouren laufenden Erneuerung ziehen auch die Aargauer Privatbahnen Bremgarten-Dietikon-Bahn (BDWM) und Wynental-Suhrental-Bahn (WSB) mit. Natürlich konnten sie sich den Wünschen des Kantons nicht widersetzen, nach dem Motto: «Wer zahlt, befiehlt». Denn der Besteller der Leistungen definiert das Angebot. So weit wie der Aargau geht allerdings kein anderer Kanton: «Es ist einmalig in der Schweiz, dass ein Tarifverbund sogar das Farbbild bestimmt», sagt Patrick Zingg, stellvertretender Leiter von Postauto Nordschweiz.

Erst 30 von 180 Postautos weiss

Wegen des unnötigen Aufwandes werden die Fahrzeuge nicht umgefärbt, sondern erst beim Kauf eines neuen Postautos mit dem A-Welle-Design versehen. Bei den Busbetrieben geht das schneller, weil sie jeweils ganze Tranchen durch modernere Fahrzeuge ersetzen. «Bei uns dauert es etwas länger, die Postautos sind rund eine Million Kilometer und in der Regel 14 Jahre auf der Strasse», so Zingg. Damit erklärt sich auch der zögerliche Farbwechsel von den gelben Postautos auf das Einheitsweiss: «Von den 180 Postautos im Aargau sind erst 30 weiss, wir wollen keine teuren Umspritzungen machen, darum dauert es bis 2020», erklärt der gelbe öV-Spezialist.

Ohne Fricktal und Kanton Solothurn

Aus der angestrebten Einheit wird allerdings nichts: Das Fricktal liegt im Tarifverbund Nordwestschweiz, seine immerhin 40 gelben Postautos behalten die geliebte Farbe. Selbst der Kantonshauptstadt bleiben wenige gelbe Postautos erhalten: Die in Frick stationierten Fahrzeuge für die Kurse vom Bahnhof Aarau über das Benkerjoch und über die Staffelegg. Einen weiteren Zacken aus dem Gesamtbild brechen die Solothurner, obwohl der halbe Kanton zur A-Welle gehört. Auch die Busbetriebe Olten-Gösgen-Gäu (BOGG) behalten ihre eigene Farbe. «Im Kanton Solothurn bleiben alle Postautos gelb», stellt Zingg nüchtern fest.

Zu Beginn zeigten sich die Busbetriebe Aarau nach ihrem Umspritzen auf AAR bus + bahn über den neuen Wechsel wenig begeistert. Inzwischen haben sie ältere Fahrzeuge umgespritzt, ebenso wie der Regionalbus Lenzburg. Den Einheitsbrei ganz in weiss wollten die Erfinder seinerzeit verhindern - durch einen eigenen Farbstreifen unter der blau-rot-schwarzen Welle im Bereich der Räder.

Eigene Farbe wird kaum genutzt

Nur die RVBW nutzen diese Chance mit ihrer schönen, roten Farbe über dem Hinterrad. Das Postauto Nordschweiz will das Gelb entweder richtig oder lieber gar nicht einsetzen, bei den andern ist die Hausfarbe ohnehin weiss. «Das neue Design schafft Identität», glaubt Alexander Häne von der Aargauer öV-Sektion. Das Postauto sei halt mit vielen Emotionen verbunden, der Wechsel habe zu Kritik und Lob geführt. Für den Fahrgast sei die Linien-Nummer ohnehin viel wichtiger als die Fahrzeug-Farbe.

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