Weil alle was vom Wasser wollen

Wo sollen die Gewässer im Kanton Bern genützt oder geschützt werden? Die Wasserstrategie soll die Antworten auf diese und andere Frage vereinfachen.

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Solothurner Zeitung

Johannes Reichen

Im Hotel Bern standen gestern Flaschen mit Bündner Wasser auf den Tischen, als Regierungsrätin Barbara Egger (SP) zu einer Medienkonferenz lud. Gesund ist aber auch das Berner Wasser; es gebe stets genügend Grund- und Quellwasser «in guter Qualität», sagte die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektorin.

Es ging gestern in Bern um die ersten Resultate zur kantonalen Wasserstrategie. Noch in diesem Jahr soll ein Mitwirkungverfahren durchgeführt werden, ehe der Regierungsrat im nächsten Frühling die Strategie verabschieden wird. In keinem anderen Kanton gebe es bisher ein ähnliches Instrument, sagte Egger.

«Der grösste Handlungsbedarf besteht klar bei der Frage, inwieweit die Gewässer weiter nutzbar gemacht werden können oder sollen», sagte Egger. Die Wasserkraft-Turbinen laufen derzeit auf Hochtouren. Wie der Bund fördert auch der Kanton Bern erneuerbare Energie. So etwa läuft gerade eine Vernehmlassung zu einer Änderung des Wassernutzungsgesetzes: Der Kanton will kleine Kraftwerke finanziell entlasten und die Konzessionsverfahren vereinfachen. Zwischen der Nutzung und dem Schutz des Wassers gebe es aber «echte Konflikte», sagte Egger. Die Wasserstrategie solle aufzeigen, wie diese Konflikte gelöst werden könnten.

Suche nach guten Lösungen

Bei der Erarbeitung dieser Strategie sind denn auch alle wichtigen Akteure in einer Begleitgruppe vertreten: Kraftwerkbetreiber, Wasserversorger und Abwasserentsorger, aber auch Vertreter von Umweltverbänden, Wirtschaft, Fischerei und Regionen. Natürlich gebe es Differenzen, sagte Egger, «aber alle sind gewillt, nach guten Lösungen zu suchen».

Eine wichtige Grundlage für gute Lösungen ist eine Karte, die in den letzten Monaten erstellt wurde. Sie bildet das Potenzial der Gewässer für die Energienutzung ab und zudem die Bedeutung für die Ökologie und die Fischerei. Am Ende sollen die Flussabschnitte in die Nutzungskategorien Gewässerökologie, Fischerei und Wasserkraft eingeteilt werden können. «Sie gibt auch Gesuchstellern einen ersten Hinweis zu den Realisierungschancen.»

Hohes Potenzial für Wasserkraft

Der Kanton Bern hat es, dank der Alpen und grosser Seen, gut. Die besten Voraussetzungen für die Wasserkraft gibt es im Berner Oberland. «Die Lage am Alpenkamm mit dem hohen Gefälle und grossen Niederschlagsmengen ergibt ein hohes Potenzial», sagt Heinz Habegger, Vorsteher des Amts für Wasser und Abfall. Und auch andernorts wird das Wasser gerne gentutzt; insgesamt 2500 Konzessionen für Wasserkraftwerke gibt es im Kanton. Darum sei auch das «Potenzial für Gefahrenherde» gross».

Neben der Karte soll auch eine neue Nachhaltigkeitsbeurteilung zur sinnvollen Wassernutzung beitragen. Bewertet werden darin die Auswirkungen eines Projekts auf die Umwelt, die Wirtschaft und die Gesellschaft. «Damit können einzelne Projekte innerhalb eines Konzessionsverfahrens beurteilt werden», sagte Habegger. Auch Vergleiche mehrerer Gesuche sind so besser möglich.

Die Qualität ist gut

In der Wasserstrategie geht es nicht nur um die Nutzung, sondern auch um das Trinkwasser und um die Wasserqualität. In den Seen, Flüssen und Bächen habe sich die Qualität des Wassers in den letzten Jahren stark verbessert, sagte Egger, was primär auf gute Reinigungsanlagen zurückzuführen sei. Noch aber sei der Anteil des Fremdwassers und die Nährstoffbelastung durch die Landwirtschaft zu hoch, sagte Habegger.

Handlungsbedarf besteht auch in der Wasserversorgung. In den Einzugsgebieten der Trinkwasserfassungen gebe es oft Konflikte, so mit dem Naturschutz, der Landwirtschaft oder dem Hochwasserschutz, sagte Egger.. Zudem müssten, um die Trinkwasserversorgung langfristig zu sichern, neue Schutzzonen ausgeschieden werden. Ein Nachteil sei auch, so Habegger, dass zuviele Trägerschaften für die Wasserversorgung zuständig seien.

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