Der Bund will die Wanderweg-Signalisation vereinheitlichen. Der Kanton ist dazu verpflichtet. Doch das erforderliche Geld hat der Landrat gestrichen. Nun kommt es zum Konflikt.

Daniel Haller

«Wenn wir die Mittel für eine qualitativ gute Arbeit nicht bekommen, künden wir die Leistungsvereinbarung mit dem Kanton», erklärt Werner Madörin, Präsident Wanderwege beider Basel. Der Kanton Baselland könne dann die bisher von Wanderwege beider Basel erledigten Signalisations- und Unterhaltsarbeiten am Wanderwegnetz öffentlich ausschreiben. «Wir sind frustriert, dass wir unsere Arbeit nicht norm- und sachgerecht machen können, weil das Geld fehlt», begründet Madörin die Drohung. «Und uns schmerzt die mangelnde Wertschätzung durch den Kanton.»

Bereits dreimal habe der Verein versucht, eine Budget-Aufstockung für die Wanderweg-Signalisation zu erreichen. Vergebens. «Wenn nichts passiert, dann verlottert das Ganze. Dann ziehen wir uns als Verein zurück und konzentrieren uns auf das, was Freude macht, beispielsweise die Organisation von Wanderungen.»

Bund schreibt vor

Auslöser für das Begehren, statt 85000 Franken jährlich 120000 Franken für die Signalisation der Baselbieter Wanderwege aufzuwenden, ist der Bund. Mit der Norm «SN640829a» schreibt er bis 2026 die schweizweit einheitliche Signalisation von Wanderwegen vor. Dies sei jedoch nicht der einzige Grund, betont Madörin: «Das Baselbieter Wanderwegnetz mit 1400 Wegweiserstandorten ist in die Jahre gekommen. Vieles stimmt nicht mehr und bedarf einer grundsätzlichen Überarbeitung.» Dafür seien insgesamt 700000Franken erforderlich, als Jahres-Tranchen von rund 35000Franken.

Dies bestätigt Doris Capaul, Fachstelle Fuss- und Wanderwege: «Das Siedlungsgebiet hat sich ausgedehnt und viele ehemals unbefestigte Wege wurden asphaltiert.» Zudem sei es wichtig, die Wanderrouten mit dem öffentlichen Verkehr (öV) zu vernetzen. Das öV-Netz habe sich jedoch seit der ersten Beschilderung weiterentwickelt.

Landrat streicht weg

Ihr Fazit: Man müsse den Auftrag des Bundes umsetzen. «Das kostet halt auch etwas.» Die Bau- und Umweltschutzdirektion habe die dafür nötigen Mittel ins Budget aufgenommen. Doch der Landrat habe sie gestrichen.

Dort hat die SVP den Antrag gestellt, das Wanderweg-Budget auf den Stand von 2009 zurückzustutzen. In der Finanzkommission (Fiko) «wurde geltend gemacht, dass die Wanderwegbeschriftungen ersetzt werden könnten, wenn sie defekt sind – der Wanderer komme auch so zurecht», heisst es im Bericht der Fiko. Sie befürwortete die Streichung einstimmig. «Wenn eine Organisation, die Mittel beantragt, nicht lobbyiert und die Fiko-Mitglieder mit Informationen versorgt, entscheiden diese aus dem Bauch heraus», erklärt Fiko-Präsident Marc Joset (SP). So habe die Stimmung vorgeherrscht, dass auch die heutigen Wegweiser lesbar seien.

Dagegen verweist Madörin darauf, dass Wanderwege beider Basel den Unterhalt der Signalisation fast ehrenamtlich trägt: «Die Stundenentschädigung für jene, die Wanderwege ablaufen und die Wegweiser auf Sprayereien, Vandalismus und Beschädigungen kontrollieren und kleinere Reparaturen vornehmen, beträgt 15Franken. Die Leute aus der Baugruppe arbeiten für 35Franken pro Stunde.» Dies entspreche einem Drittel der kantonalen Ansätze.

Volkswirtschaftlich wichtig

Zudem vergleicht Madörin mit Ausgaben in anderen Kantonen: «Zürich lässt sich jährlich die Signalisation 145Franken je Kilometer kosten, der Aargau gibt 169Franken aus. Im Baselbiet ist es weniger als die Hälfte, nämlich 75Franken pro Kilometer und Jahr.» Auch habe er festgestellt, dass alle Wegweiser in der Umgebung von Interlaken bereits der neuen Norm des Bundes entsprechen. «Man kann zwar argumentieren, das Berner Oberland sei eine Tourismus-Destination. Aber auch das Baselbiet versucht, sich als Wanderregion zu profilieren.»

«Wandern ist ein wichtiger Punkt für Baselland Tourismus», bestätigt Geschäftsführer Oliver von Allmen. Auch Schweiz Tourismus setze aufs Wandern und den Megatrend «zurück zur Natur» und spreche nicht zuletzt das zahlungskräftige Bevölkerungssegment der Senioren an. «Wandern ist ein wertschöpfungstechnisch wichtiger Bereich.» Damit eine Wanderregion attraktiv sei, komme es nicht zuletzt auf eine qualitativ gute Signalisation der Routen an, die Wandernden genug Informationen liefert, um unterwegs spontan die Pläne ändern zu können.