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Wegen Wassermangel: Flusskraftwerke produzieren 40 Prozent weniger Strom

Aare bei Lauffohr: Neue Inseln tauchen aus dem Fluss, der Seitenarm hinten ist fast trocken. Das kleine Bild rechts zeigt die Aare Ende April 2009 an gleicher Stelle. (Walter Schwager)

Aare bei Lauffohr

Aare bei Lauffohr: Neue Inseln tauchen aus dem Fluss, der Seitenarm hinten ist fast trocken. Das kleine Bild rechts zeigt die Aare Ende April 2009 an gleicher Stelle. (Walter Schwager)

Die extrem tiefen Wasserpegel an der Aare, der Limmat, der Reuss und dem Rhein führen dazu, dass die Kraftwerke auf Sparflamme laufen. Die Produktion ist um 40 Prozent zurückgegangen.

Hans Lüthi

Der Rhein bringt es momentan auf 723 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, gerade mal die Hälfte im Vergleich zum Vorjahr. Die Aare in Brugg kommt auf 184, die Reuss in Mellingen auf 104, die Limmat in Baden auf 88 Kubikmeter Flusswasser je Sekunde. Grund führt die tiefen Pegelstände: In den ersten vier Monaten fiel nur die halbe Regenmenge, verglichen mit dem Referenzwert von 1961 bis 1990.

Das Niederschlagsmanko hat sich im April deutlich akzentuiert, mit vielerorts nur 10 bis 25 Prozent des üblichen Regens. An der Messstation Buchs-Suhr wären das laut Meteotest Schweiz im April 79,0 Millimeter. Wirklich geregnet hat es aber bisher nur 22,9 Millimeter, die wenigen Tropfen dieser Woche schon eingerechnet.

Schneeschmelze füllt Seen

Selbst die im Hochgebirge eben erst begonnen Schneeschmelze - am Alpen-Hauptkamm liegen noch 1,5 bis über 2 Meter - wird die Aargauer Flüsse nicht so schnell füllen. Unser Eindruck vom strengen Winter täusche, in den Bergen liege weniger Schnee als üblich, sagt Stephan Suter von der Sektion Gewässernutzung in der Abteilung Landschaft und Gewässer. Mehr als drei Viertel der Schweizer Fläche von 41285 Quadratkilometern werden zwar via den Aargau entwässert, aber wenn der Schnee in den nächsten Wochen stark schmilzt, kommt das Wasser nicht direkt zu uns.

Suter liefert die Erklärung: «Alle unsere Flüsse sind reguliert, die Reuss durch den Vierwaldstättersee, die Aare durch den Bielersee, der Rhein durch den Bodensee.» Genau diese Seen leiden ebenfalls unter starkem Wassermangel, der Pegel des Bielersees in Ligerz steht derzeit bei tiefen 429.36 Metern über Meer, der Bodensee in Berlingen bei 394,96 und der Vierwaldstättersee in Luzern bei 433,58 Metern. Mit anderen Worten: Wenn mehr Wasser aus den Bergen kommt, wird das in den Seen gespeichert.

Wenig Strom aus Wasserkraft

Schlimm ist die Lage (noch) nicht, ohne tüchtige Bewässerung kommen aber die Gemüsefelder vieler Bauern kaum über die Runde. «Die Wasserentnahme für solche Zwecke ist noch überall erlaubt», sagt der für die Nutzung zuständige Peter Berner. Viel konkreter trifft es natürlich die zahlreichen Kraftwerke an Aare, Limmat, Reuss und Rhein. Ein Teil der Turbinen steht still oder bringt nur die halbe Energie auf den Generator. Das Kraftwerk Ryburg-Schwörstadt bei Rheinfelden muss mit 600 bis 700 statt der optimal möglichen 1600 Kubikmeter Wasser auskommen. «Statt der maximal 116 Megawatt Leistung kommen wir jetzt auf nur 64 Megawatt», sagt Paul Schweizer im Kommandoraum. Lange wird das 111 Jahre alte Kraftwerk mit dem markanten Maschinenhaus am rechten Ufer nicht mehr richtig produzieren: Im Mai beginnt der Aufstau für das neue Flusskraftwerk, welches dem historischen Bau das Wasser buchstäblich abgräbt.

40 Prozent weniger Strom

«Wir haben rund 40 Prozent weniger Stromproduktion an Aare und Reuss», bilanziert Mediensprechern Anahid Rickmann von der Axpo. Deren Hydroabteilung sorgt für den Betrieb zahlreicher Wasserkraftwerke, auch im Aargau, an der Aare vom Rüchlig in Aarau bis nach Klingnau. Im Kraftwerk Bremgarten-Zufikon laufe derzeit nur eine von vier Turbinen. Fragt sich jetzt, ob dem mageren Stromjahr 2009 gleich das nächste folgt. Denn die 28 Flusskraftwerke kamen letztes Jahr nur auf 87 bis 92 Prozent der üblichen Menge Strom.

Wie das Wetter 2010 wird, weiss niemand, nur soviel: «Am Samstag und Sonntag wird es sicher richtig regnen», sagen die Prognostiker überzeugt. Schön für die Flüsse - aber muss es unbedingt am Wochenende sein?

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