Pandemie

Wegen Pandemie kein Abendmahl

«Beten nützt immer»: Michael Lepke, Gemeindeleiter der katholischen Kirche Nussbaumen.

Wegen Pandemie kein Abendmahl

«Beten nützt immer»: Michael Lepke, Gemeindeleiter der katholischen Kirche Nussbaumen.

Das Abendmahl gibt es in der reformierten Kirche Baden nicht mehr. Grund: die drohende Grippe-Welle. Währenddessen haben die Katholiken in Nussbaumen Gottvertrauen.

Maja Sommerhalder

Gegen die Schweinegrippe hilft nicht nur Beten. Das sagen sich wohl die Römisch-Katholische, die Reformierte und die Christkatholische Landeskirche des Kantons Aargau. Vergangene Woche schickten sie an sämtliche Kirchgemeinden, Pfarreien und Seelsorgenden einen Pandemievorsorgeplan (siehe Kasten).

Der Reformierten Kirchgemeinde Baden reichen aber die Papierberge allein nicht. Momentan kämpft man hier vor allem mit penibler Hygiene gegen die drohende Pandemie: Stadtpfarrer Stefan Blumer zieht einen Desinfektionsspray aus der Tasche: «Den benutze ich nach Gesprächen - natürlich ganz diskret. Ich möchte keine Panik schüren.» Offensichtlicher werden die Massnahmen in den Messen selbst. Ab sofort wird beim Abendmahl auf das Brot und auf den Gemeinschaftskelch verzichtet, ausser es wird dringend gewünscht - etwa wenn jemand im Sterben liegt. «Aber dann nur mit grösster Vorsicht.»

Eine Kirchenbank bleibt leer

Bei der Taufe nimmt Pfarrer Blumer die Kinder nicht mehr auf seinen Arm: «Sie bleiben bei der Mutter.» Zudem treffen in den nächsten Tagen Schutzmasken, Einweghandschuhe und Desinfektionsmittel für den Ernstfall ein. Ernst gilt es dann, wenn die Pandemie ausbricht. Diese wird auf den Herbst erwartet. «Wir richten uns dann nach den Empfehlungen der Landeskirchen und des Bundesamtes für Gesundheit», so Blumer.

Mit Maske zum Krankenbesuch

Die Reformierte Landeskirche hat schon viele Details geregelt, wie Kirchenschreiber Ruedi Wernli bestätigt: «Ich schreibe zurzeit ein Merkblatt, das in sämtlichen Gotteshäusern aufgehängt wird.» Dort steht, wie sich die Kirchengänger im Pandemiefall verhalten sollen. Wichtiges Thema sei eine Distanz von 1,5 Metern während der Messen: «Es soll immer eine Stuhl- oder Bankreihe zwischen den Gläubigen leer gelassen werden. Zudem darf man nicht allzu nahe nebeneinander sitzen.» Um Körperkontakt zu vermeiden, wird es eine Sitzordnung geben: «Gläubige, die zuerst die Kirche betreten, sollten sich in die vorderen Bankreihen setzen.» Die Letzten werden hinten platziert. Sie müssen das Gotteshaus dafür zuerst verlassen.

Der Pfarrer sei nicht gefährdet: «Er hat genug Abstand. Ich empfehle aber, das Abendmahl nur mit Handschuhen zu verteilen.» Jetzt schon auf das Brot zu verzichten, sei nicht nötig. Schutzmasken hingegen sollen während der Messen nicht eingesetzt werden: «Das kann ich mir wirklich nicht vorstellen.» Noch ist unklar, ob die Gottesdienste ausfallen, wenn die Behörden das Versammlungsverbot empfehlen: «Das hängt davon ab, ob das Schweinegrippe-Virus mutiert oder nicht.» Normalerweise kämen nicht allzu viele Leute in die Kirche. «Dann kann auch die nötige Distanz problem-
los eingehalten werden.» Bestattungen dürfen bei einer Pandemie nur noch im kleinsten Kreis stattfinden - wenn nötig mit genügender Distanz.

Katholiken bleiben gelassen

So konkret ist es bei der römisch-katholischen Kirche noch nicht, wie Giuseppe Gracia, Kommunikationsbeauftragter des Bistums Basel, bestätigt: «Die schweizerische Bischofskonferenz wird im September Anweisungen geben.»
Auch Michael Lepke, Gemeindeleiter der Römisch-Katholischen Kirche Nussbaumen, wartet erst mal ab: «Vielleicht werde ich künftig auf das Weihwasser verzichten.» Seine Hände wäscht er sowieso seit Jahren etwa 20-mal pro Tag: «Ich schüttle vielen Menschen die Hand.» Das mache er auch weiterhin. Bei seinen Gottesdiensten geben sich die Gläubigen nach wie vor die Hand zum Friedensgruss.

Auch Hostien werden verteilt: «Wenn ich auf diese Gesten verzichten müsste, würde ich die Messe lieber ausfallen lassen», so Lepke. Unvorstellbar wären auch Gottesdienste mit Handschuhen und Schutzmasken. Bei Kranken- und Hausbesuchen würde er diese aber tragen. Auf diese Dienstleistung wollen die Landeskirchen auch bei einer Pandemie nicht verzichten. Angst vor der Schweinegrippe hat er nicht: «Wir Christen bringen eine gewisse Gelassenheit mit. Es bringt ja nichts, in Panik auszubrechen.» Beten sei jedoch erlaubt: «Natürlich, das nützt immer.»

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