Wegen Emmi: Chösi Schöftland gibt auf

Die Käsereigenossenschaft Schöftland-Holziken löst sich auf – das Chäsigebäude wird verkauft. 170 Jahre lang haben Landwirte aus der Region ihre Milch in die Chäsi Schöftland geliefert. Spätestens im September ist Schluss damit: Die Sammelstelle wird geschlossen, die Milch vom Milchverabeiter Emmi vom Hof abgeholt.

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Ära geht nach 170 Jahren zu Ende

Ära geht nach 170 Jahren zu Ende

barbara vogt

In guten Zeiten brachten 50 Lieferanten ihre Milch in die Schöftler Chäsi. Doch ist dieses Bild längst verblasst, der Käser vor vielen Jahren weggezogen und der Chäsiladen in eine Imbissbude umfunktioniert worden. Geblieben ist die Sammelstelle: Heute liefern noch sieben Mitglieder – je zwei aus Schöftland, Holziken und Schlossrued, eines aus Unterkulm sowie ein Gastlieferant aus Schlossrued – 1,2 Millionen Liter Milch ab. Das sei nicht viel weniger als in den letzten Jahren, stellt der Präsident der Käsereigenossenschaft Schöftland-Holziken, Hans Müller, fest. «Nur liefern die Landwirte mehr Milch als früher ab.»

Jetzt löst sich die Käsereigenossenschaft nach 170 Jahren auf. Damit wird die Milchsammelstelle geschlossen und das Chäsigebäude verkauft. «Wir sind eine der ältesten Genossenschaften im Aargau», sagt Müller. Die Auflösung weckt beim 42-jährigen Landwirt aus Schöftland Erinnerungen: «Zuerst trat ich der Landwirtschaftlichen Genossenschaft bei, dann wurde diese aufgelöst. Und jetzt wird auch die Milchgenossenschaft aufgehoben.»

Spätestens Ende September wird die Milchannahmestelle geschlossen und durch die Hofabfuhr ersetzt. Die Landwirte können aber bereits ab Mai ihre Milch von ihrem Hof abholen lassen. Laut Hans Müller geht man heute Dienstag, zusammen mit dem Milchverarbeiter Emmi, von Hof zu Hof und redet über die Installationen der Tanks. «Hofabfuhren sind eine Zeiterscheinung», findet der Genossenschaftspräsident. «Den Landwirten ist die zum Teil lange Fahrt zur Milchannahmestelle zweimal im Tag zu viel. Das ist nicht wirtschaftlich.»

Gemeinde zeigt Interesse an Chäsi

Der Liquidationsüberschuss wird ausschliesslich auf die Mitglieder aufgeteilt. So bestimmt die abgegebene Milchmenge der letzten fünf Jahre den Verteilschlüssel des Überschusses. Für die Bauern war es immer wichtig, eine einvernehmliche Lösung für alle Betroffenen zu finden. «Wir wollten keinen endlosen Streit», betont der Präsident. Die Chäsi-Liegenschaft wird auf ihren Wert geschätzt, Interessenten sind bereits vorhanden. Das Objekt umfasst eine 51⁄2-Zimmer-Wohnung, die Räumlichkeiten der Milchannahmestelle und des Verkaufsladens sowie einen grossen Keller.

Auch die Gemeinde Schöftland zeigt seit längerem grosses Interesse an der Chäsi. Verständlich: Das Gebäude steht nahe bei den Schulanlagen und bei der Bibliothek und könnte in ferner Zukunft als Schulraum genutzt werden.