Weg ist zu weit für die Kundschaft

Im Dorfladen in Niederwil werden Unterschriften gegen das Halteverbot auf dem Dorfplatz gesammelt. Den Kunden sei der Weg bis zu den Parkplätzen unterhalb des Schulhauses zu weit, sagt Ladeninhaberin Marianne Müller.

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Solothurner Zeitung

Rahel Meier

Marianne Müller war eine derjenigen, die im Sommer 2006 gegen die Neugestaltung des Dorfplatzes In Niederwil Einsprache erhoben hatte (siehe Kasten). Wie die anderen Einsprecher auch, hat sie sich aber mit dem Gemeinderat geeinigt und eine Vereinbarung unterschrieben, mit der gleichzeitig auch die Parkplatzsituation für ihren Laden geregelt wurde. Wieso also jetzt die Unterschriftensammlung? «Die Kundschaft hat mich dazu ermuntert, etwas zu tun», erklärt Marianne Müller. Direkt vor ihrem Laden könnten vier Autos parkieren. Aber das reiche nicht. «Die Leute sind nicht bereit, bis zum Parkplatz unterhalb des Schulhauses zu laufen, wenn sie schnell Gipfeli, Zigaretten oder etwas zu trinken kaufen möchten», erklärt sie. «Tu etwas, sonst fahren wir halt künftig einfach durch» hätten die Kunden gesagt. Sie sei aber auf diese Laufkundschaft angewiesen. Und sie sieht nicht ein, wieso es nicht möglich sein soll, auf dem Dorfplatz kurz anzuhalten. «Platz hat es da genug», meint sie.

Marianne Müller sammelt nicht nur Unterschriften, sie will auch einen Anwalt beiziehen, der ihr raten kann, wie sie am besten vorgeht. Bereits sind rund 400 Unterschriften beisammen. «Ich habe einen grossen Kundenkreis. Die Unterschriften sind von Leuten aus einem grösseren Umkreis.»

Wegen der Schulkinder

Dieter Fux hat die Neugestaltung des Dorfplatzes als Gemeinderat und Ressortleiter Bau begleitet. «Das ganze Projekt wurde realisiert zum Schutz der Schulkinder», erklärt er die Motivation des «alten» Gemeinderates für die Umgestaltung. Viele Kinder müssten auf ihrem Schulweg den Platz überqueren. «Mit darauf parkierten Autos ist es aber unübersichtlich und die Sicherheit ist nicht gewährleistet. Unser Ziel war von Anfang an, den Dorfplatz autofrei zu machen.» Einen Fussgängerstreifen über die Hauptstrasse genehmigte der Kanton nicht, wohl aber eine Bemalung, die auf die Schulkinder hinweist.

Einsprachen ernst genommen

Im Sommer 2006 wurde das Bauprojekt aufgelegt. Dagegen gab es mehrere Einsprachen. «Der Gemeinderat hat die Einsprache von Marianne Müller, die Angst um die Ladenexistenz hatte, ernst genommen», sagt Dieter Fux. Der Gemeinderat sei mehrmals mit der Einsprecherin und deren damaligem Anwalt zusammengesessen um eine akzeptable Lösung zu suchen. Im Februar 2008 wurde eine Vereinbarung unterschrieben. Diese wurde mehrmals abgeändert -auf Wunsch der Einsprecherin und des Anwaltes. «Mit der Unterschrift hat sich Frau Müller verpflichtet ihre Einsprache zurückzuziehen», so Dieter Fux. Der im übrigen auch noch auf den Ausbau des Ladens im Jahr 2000 aufmerksam macht. In der Baubewilligung dafür sei festgelegt worden, dass Marianne Müller als Besitzerin des Gebäudes, in dem der «Rebstock» und der Laden untergebracht sind, innert nützlicher Frist eine genügende Anzahl Parkplätze nachweisen müsse.

Update

Im Jahr 2005 wurde das Projekt Neugestaltung Dorfplatz in Niederwil gestartet. An der Budgetgemeindeversammlung wurde der Kredit von rund 150 000 Franken gesprochen. Im Sommer 2006 wurde das Bauprojekt aufgelegt. Es gab fünf Einsprachen dagegen. In verschiedenen Einspracheverhandlungen einigte sich der Gemeinderat mit den Einsprechern. Im Herbst 2008 wurde der Dorfplatz neu gestaltet. Zusätzlich wurde der Parkplatz südlich des Schulhauses vergrössert. Seit drei Wochen steht ein Halteverbot auf dem Dorfplatz. (rm)

Mit der Neugestaltung des Dorfplatzes wurde gleichzeitig der bestehende Parkplatz südlich des Schulhauses vergrössert. Marianne Müller hat dort vier Parkplätze gemietet, die explizit für die Kundschaft des Ladens und des Restaurantes zur Verfügung stehen, und bezahlt seit dem 1. Januar 2009 Miete. So genannte Dauerparkierer würden auf dem Platz nicht mehr geduldet. Deshalb sei die Parkzeit auf drei Stunden beschränkt. Seien abends oder am Wochenende mehr Plätze belegt, beispielsweise durch Gäste des Restaurant, dann störe sich aber niemand daran. «Wir sind schliesslich als Niederwiler auf das Restaurant und den Laden angewiesen. Wir kaufen ja auch selbst dort ein», meint Dieter Fux.

Halteverbot durchsetzen

Stein des Anstosses ist aber vor allem das Halteverbot auf dem Dorfplatz, das vor rund drei Wochen aufgestellt wurde und im «Azeiger» von gestern offiziell publiziert ist. Der Friedensrichter sei vom Gemeinderat angewiesen worden, das Halteverbot durchzusetzen, wie Gemeindepräsident Jürg Tucci bestätigt. «Zuerst wird freundlich mit einem Brief über die neue Situation informiert und auf den Parkplatz unterhalb des Schulhauses verwiesen.» In einer zweiten Phase würden dann später aber auch Bussen ausgesprochen.

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