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Weder Chappeli noch Industrie hergeben

Pro und Kontra: Heinz Müller (SVP) und Thomas Furrer (SP) kreuzen die Klingen zur Ansiedlung des Raubtierparks.

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Pro und Kontra: Heinz Müller (SVP) und Thomas Furrer (SP) kreuzen die Klingen zur Ansiedlung des Raubtierparks.

Stricklers Raubtierpark bringt Arbeitsplätze nach Grenchen und Aufträge für das regionale Gewerbe, findet Initiant Heinz Müller. Der Park wäre ein Fremdkörper in der Industriestadt mit schlechter Wertschöpfung und hohem Risiko, argumentiert Thomas Furrer dagegen.

Daniela Deck

Wie würden Sie in einem Satz zusammenfassen, warum Grenchen Stricklers Raubtierpark ansiedeln soll - oder eben nicht?

Heinz Müller: Ein Raubtierpark ist eine Attraktivität, die Grenchen verdient hat, als Gegengewicht zur Industriestadt, das auch für die Freizeit etwas darstellen würde und ein Magnet weit über die Kantonsgrenzen hinaus wäre.

Thomas Furrer: Ein Raubtierpark Grenchen bringt nichts, ist hier fremd, so dass es sich lohnen würde, das Engagement in andere Projekte zu stecken, die mehr Wertschöpfung herausholen.

Haben Sie da ein Beispiel?

Furrer: Wirtschaftsfreundliche Projekte, wie die Verlängerung der Piste des Flughafens oder das Vaporama, das gern nach Grenchen zügeln würde.

Müller: Man soll das eine tun und das andere nicht lassen.

Angenommen, der Raubtierpark kommt. Würden Sie, Herr Furrer, ihn besuchen?

Furrer: Ich habe eine Familie mit Kindern. Ich weiss, dass jedes Kind gern Raubtiere hat. Wir waren auch schon in Subingen. Ich finde einfach, dass ein Raubtierpark fürs Image nichts bringt. Aber er braucht viel Land. Selbst wenn er rentiert, geht der Gewinn an Private. Man müsste darüber reden, ob das Land nicht für andere Nutzungen besser geeignet ist. Man steckt das Geld besser in Wohnungen. Wir sollten schauen, dass wir mehr Einwohner bekommen.

Müller: Bei einer attraktiven Wohnüberbauung bin ich voll dabei. Aber haben wir in Grenchen nicht eine der höchsten Leerwohnungsraten?

Grenchen achtet darauf, Boden nur für Projekte mit guter Wertschöpfung zu verbauen und nicht für Lagerhallen.

Müller: Der Park kann in einem Gebiet gebaut werden, das für die Industrie unattraktiv ist. Das ist absolut nicht mit einem Lagerhaus zu vergleichen. Das Projekt generiert Millionen, nur schon beim Bau. Dann generiert der Park Arbeitsplätze. Wir reden von rund 40, auch Teilzeitstellen, die für Frauen attraktiv sind. Dazu kommen Unterhaltsarbeiten. Das Gewerbe kann profitieren, die Hotellerie. Wir reden von einer Besucherzahl bis zu 70 000 Leute im Jahr. Diese Leute würden in der Region jährlich rund fünf Millionen ausgeben.

Furrer: Ich finde, 40 Arbeitsplätze auf der Riesenfläche ist keine gute Wertschöpfung. Das kann jedes KMU in einem Stockwerk eines normalen Gebäudes. Ich frage mich auch, wie das Gewerbe profitieren soll. Ich glaube nicht, dass Herr Strickler Fleisch bei Guex oder Neuhaus kaufen wird.

Müller: Ich lade Herrn Furrer ein, mit Strickler zu diskutieren, was dieser vorhat. Fleischeinkauf ist nicht die Hauptsache. Für den Unterhalt brauchts Spengler, Elektriker. Weiss man überhaupt, von wie viel Land wir reden? In den GRK-Unterlagen waren ganz falsche Zahlen.

40 000 bis 50 000 Quadratmeter.

Müller: Das ist genau der unattraktive «Bitz» bei der Autobahn - 300 mal 250 Meter. Das einzige Problem, und da gebe ich allen recht, wir nehmen das Land den Bauern weg. Dass das Projekt ins Chappeli oder die Industriezone kommen sollte, habe ich nie in Betracht gezogen. Dafür wäre ich nicht zu haben.

Furrer: Als Raumplaner weiss ich, dass das in der Landwirtschaftszone nicht möglich ist. Es braucht eine Spezialzone.

Was sagen denn die Bauern?

Müller: Sie werden Strickler wohl nicht gerade in die Ferien einladen. Aber man kann ihnen Ersatz anbieten.

Furrer: Damit sieht es in Grenchen schlecht aus. Uns fehlt der Boden.

Dann brauchts noch einen Parkplatz.

Furrer: Das Projekt setzt voll auf den Individualverkehr. Aber das geht heute nicht mehr. Der Kanton verlangt eine Erschliessung mit öffentlichem Verkehr.

Müller: Bis zu 70 000 Besucher brauchts keine Umweltverträglichkeitsprüfung. Die Leute kennen die Zahlen nicht und sagen irgendwas. Ein Beispiel: Strickler hat jetzt 40 000 Besucher. Das sind nachweisbar verkaufte Eintritte. Trotzdem wird behauptet, dass die Zahl nicht stimmt.

Furrer: Das wüsste ich gern genau.

Müller: Grenchen hat sich noch nie die Mühe gemacht, Strickler einzuladen. Die Bürgerlichen wollen das Projekt. Bei der SP hat man den Eindruck bekommen, was der Familie Banga nicht passt, darf man nicht vertreten.

Furrer: Das stimmt überhaupt nicht.

Müller: Das ist nicht das erste Mal so. Wir haben überregional über 230 Komiteemitglieder, jeden Tag werden es mehr. Um Himmelswillen, warum sperrt sich die Spitze der SP? Fünf andere Gemeinden reissen sich darum.

Furrer: Wenn ich schaue, wer in diesem Pro-Komitee ist, dann ist vielleicht ein Drittel aus Grenchen. Der Rest sind Auswärtige, von der SVP und Zugewandte. Aber will Grenchen den Raubtierpark? Ich behaupte, der kleinste Teil will ihn. Er hat keinen Bezug zu unserer Geschichte. Wir sind doch nicht eine Fun-und-Freizeitstadt. Letztlich ist das Projekt mit grossen Risiken behaftet.

Worin sehen Sie die Risiken?

Furrer: Ich habe noch nie etwas gehört von einem Investor. Ich weiss einfach, dass es ein One-Man-Betrieb ist. Was ist, wenn Strickler nicht mehr da ist? Gibts dann den Mysterypark von Grenchen?

Müller: Es gibt nicht nur das Komitee, sondern sogar eine Stiftung, in der namhafte Leute von Grenchen dabei sind. Leute, die nichts mit der SVP zu tun haben. Es gibt Investoren, die schon bei Stricklers Projekt in Fribourg investieren wollten. Das mit der One-Man-Show ist auch so ein Ammenmärchen. Sobald man weiss, wohin der Park kommt, wird ein ganzes Team aufgebaut. Eine Spezialistin aus Frankreich will schon nächstes Jahr in Subingen mit den Tieren arbeiten. Die Aufgabe des Parks ist, die Tiere zu beschäftigen, die in den Zoos sonst eingeschläfert worden wären.

Furrer: Ich habe gehört, der Standort müsse flach sein. Dann muss er in die Witi. Am besten kombinieren wir noch den Bootshafen damit.

Müller: Oder die Badi. Je mehr, je besser. Mir hat ein Familienvater gesagt, er sei gegen den Raubtierpark, weil ein Tiger ausbrechen und ein Kind töten könnte.

Furrer: Absolute Sicherheit gibts nicht.

Müller: Mit dieser Argumentation müsste man jeden Hund einsperren.

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