Muriel Mercier

Überrascht war nicht nur Mathias Hagemann, der ehemalige Verleger der «Basler Zeitung» («BaZ»), als er gestern von der Absetzung «seines» langjährigen Chefredaktors Matthias Geering erfuhr. «Es tut mir persönlich leid für Geering. Er hat in den letzten Jahren, in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit, einen guten Job gemacht.» Ein Wechsel in der Chefredaktion sei zudem ein wichtiger und schwieriger Schritt und nicht ohne Risiko. Nachfolger von Geering wird Markus Somm, stellvertretender Chefredaktor bei der «Weltwoche». Den Stuhl des stellvertretenden Chefredaktors bei der «BaZ» nimmt weiterhin Urs Buess ein. Zu einem möglichen politischen Kurswechsel wollte sich Matthias Hagemann nicht äussern.

Dies ganz im Gegensatz zur SP. Die grösste Basler Partei meldete sich nach Bekanntgabe des Leitungswechsels sogleich in einer Mitteilung. Die SP sei «besorgt über die künftige journalistische Ausrichtung der ‹Basler Zeitung›. Mit der Einsetzung des als rechtskonservativ bekannten ‹Weltwoche›-Journalisten Markus Somm zum neuen Chefredaktor scheinen die ‹BaZ›-Besitzer definitiv das Ende der traditionell liberalen und weltoffenen Haltung der ‹Basler Zeitung› einläuten zu wollen.»

«Verdienen mehr Wahrnehmunung»

Just mit dem Wort «liberal» aber beschrieb sich der 45-jährige Somm, als er gestern an der Medienkonferenz über sich und seine Vorhaben bei der «Basler Zeitung» erzählte. «Ich schreibe sehr gerne und leidenschaftlich.» Das gemeinsame Ziel mit Verleger Martin Wagner ist es, «aus der ‹Basler Zeitung› eine Erfolgsgeschichte zu machen. Die ‹BaZ› soll als eine der auffälligsten nationalen Zeitungen in der Schweiz betrachtet werden.» An der «BaZ» solle niemand vorbeikommen. «Wir wollen, dass auch die ‹BaZ› bei den Leuten auf der anderen Seite des Jura im Gespräch ist.»

Verleger Martin Wagner fasste zusammen: «Wir wollen nach vorne. Wir verdienen mehr Wahrnehmung.» Er ist überzeugt: «Mit gutem Journalismus überleben wir den Kampf gegen den digitalen Journalismus.» Dass Wagner zum jetzigen Zeitpunkt die «BaZ»-Spitze auswechselt, kommt aber überraschend, denn: Noch am 8. Juli hatte er gegenüber dem Medienportal www.persoenlich.com Gerüchte dementiert, er stehe im Kontakt mit Markus Somm als neuem «BaZ»-Chefredaktor. Wagner setzt grosse Erwartungen in «seinen» neuen Chefredaktor. «Ich erwarte, dass Markus Somm rasch seinen eigenen Basler Bezug herstellen kann. Und ich erwarte, dass der Chefredaktor mehr schreibt als bisher.»

Mit einem Aufschrei wegen der journalistischen Herkunft des neuen Chefredaktors taten neben der SP auch die Jungsozialisten ihren Unmut kund. «Wir sind entsetzt», heisst es in ihrer Mitteilung. «Wir trauen dem Blocher-Biografen nicht und fürchten um die objektive Medienberichterstattung im linksliberalen Basel.» Im gegenüberliegenden politischen Spektrum wiederum herrscht Gelassenheit: SVP-Präsident Sebastian Frehner kommentiert den Wechsel am Basler Medienhimmel lakonisch. «Wir haben keine besonderen Erwartungen an Markus Somm. Wir sind froh, wenn unsere Partei anständig und objektiv behandelt wird.»

Von einem Anhaften des rechten «Weltwoche»-Images geht der neue «BaZ»-Chef nicht aus. «Ich weiss, dass Basel-Stadt ein rot-grüner Kanton ist. Diese Situation ist für mich nicht neu, denn auch Zürich ist rot-grün. Aber die wichtigste Funktion eines Journalisten ist es doch, kritisch zu sein. Man muss eine Meinung haben und gute Argumente liefern.»

Basler Regierung gibt sich zufrieden

Die Basler Regierung nehme mit Wohlwollen zur Kenntnis, dass «BaZ»-Verleger Martin Wagner Änderungen vornehme, um die regionale Zeitung auch auf der anderen Seite des Jura bekannt zu machen, sagte Regierungssprecher Marco Greiner. Die Regierung habe Verständnis für personelle Veränderungen. «Aber ich will nicht konkret die neue Besetzung der Chefredaktion kommentieren.»

Die beiden per sofort entlassenen Chefredaktionsmitglieder Matthias Geering und Raphael Suter waren bis gestern Abend für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Fest steht laut Wagner, dass personell kein weiterer Abbau anstehe.