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Was taugt die Kultur beim Schweizer Fernsehen?

Kulturinteressierte beklagen die Oberflächlichkeit der Sendungen am Schweizer Fernsehen. Jetzt hofft die neue Kulturchefin Nathalie Wappler dank Radio-Know-how auf mehr Tiefgang bei der Fernseh-Kultur.

Von Sabine Altorfer und Marco Guetg
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Nicole Salathé. SF/Oscar Alessio

Nicole Salathé. SF/Oscar Alessio

SF/Oscar Alessio

Nur ab und zu finden Kulturinteressierte im Schweizer Fernsehen Sendungen, bei denen ihnen das Herz warm wird. Im ganzen Programm von SF 1 und SF 2 gibt es viereinhalb Sendungen, in denen über Kultur reflektiert wird: «Kulturplatz», «Literaturclub», «Sternstunde», «Box Office» und bei «Stars» die monatliche «Extra»-Sendung. Die «Sternstunden» verdienen ihren Namen, das Kulturmagazin «Kulturplatz» und die Filmsendung «Box Office» sind aber oft oberflächlich und kratzen nur an der Aktualität (siehe Analysen unten). Dazu sind die Quoten tief und vor allem die sinkenden Zuschauerzahlen beim Flaggschiff Kulturplatz alarmierend.

Die Sendezeiten signalisieren einen Teil des Problems: Mittwoch 22.50 Uhr, Dienstag 22.20 Uhr, Sonntag 11 Uhr, Donnerstag 22.45 Uhr und Sonntag 23 Uhr. Das sind Randzeiten. Und wer am Rand programmiert ist, kann nicht im Zentrum stehen.

Keine schlechten Sendezeiten

Die neue Kulturchefin Nathalie Wappler sieht das anders. «Kultur hat beim Schweizer Fernsehen eine gute Position, vor allem wenn ich mit dem Ausland vergleiche», sagt sie im Interview.

Doch sie sieht Verbesserungspotenzial und hat erkannt, dass das Radio das Fernsehen in Sachen Kultur klar schlägt. Sie hofft, «dass wir es mit dem Know-how des Radios schaffen, wirklich ein engagiertes Hintergrund-Kulturfernsehen zu machen».

Seit Januar wirtschaftet das Schweizer Fernsehen nicht mehr alleine. Unter dem Stichwort Konvergenz wurden Radio und Fernsehen zu SRF verheiratet. Die umstrittene Konvergenz soll im Bereich der Kultur zum erhofften Qualitätssprung verhelfen. «Wir haben schon damit begonnen», sagt Wappler. Radioleute bringen Kompetenz in die Fernsehsendungen.

Keine neuen Sendungen geplant

Pläne für neue Sendungen gibt es noch keine. Die Einführung der Konvergenz hat die Beteiligten bisher auf Trab gehalten. Die einzige Neuerung ist die etwas bessere Sendezeit für den «Kulturplatz» ab Spätsommer.

Aber auch wenn dank Konvergenz oder der Initiative von Nathalie Wappler neue Sendungen kreiert werden: Zur Prime Time werden wir sie nicht sehen. Denn der Quotendruck und der Unterhaltungsanspruch ans Fernsehen passen nicht zu Tiefgang und Reflexion. Am deutlichsten zeigt sich das in den Informationssendungen «Tagesschau» und «10 vor 10». Dort ist Kultur Garnitur. Immerhin hofft Nathalie Wappler, dass die Fachredaktion Kultur vermehrt Beiträge für «Tagesschau» und «10 vor 10» produzieren kann.

Kultur braucht ein kulturelles Umfeld. Die neue Kulturchefin Nathalie Wappler kann mit einzelnen Sendungen Zeichen setzen, aber Grundsätze werden auf einer höheren Stufe definiert. Und hier gibts einen Lichtblick: Der neue SRG-Direktor Roger de Weck kommt aus der Kultur.