Wasser
Was sich im Thaler Untergrund alles tut

Rund 700 Quellen sind derzeit im Thal bekannt. Wie kommt das Wasser dorthin, und woher stammt es? Auf einer Exkursion war darüber viel Verblüffendes zu erfahren.

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Schwängimatt

Schwängimatt

Solothurner Zeitung

Alois Winiger

«Wer über den Thaler Untergrund etwas erfahren will, geht am besten in die Höhe», meinte Michael Bur von der Interessengemeinschaft Naturschutz Thal zu Beginn der Exkursion. Und so hatten sich denn rund 20 Personen auf der Schwängimatt oberhalb Laupersdorf eingefunden. Wasser war vorerst keines zu sehen, dafür Illustrationen über den Aufbau, beziehungsweise das Innenleben der ersten Jurakette.

«Ohne sich ein Stück weit der Geologie anzunehmen, kann man den Weg des Wassers nicht nachvollziehen», erklärte nun der Hydrogeologe und Exkursionsleiter Thilo Herold (Laupersdorf). Denn die verschiedenen Gesteinsschichten, aus denen der Jura gefaltet worden ist, verlaufen nicht gleichmässig, teilweise wirke es richtig chaotisch. Folgedessen könne das Wasser nicht einfach von irgendwo her direkt hinunterlaufen zu einer Quelle, sondern nehme Wege, die erst nach längeren Forschungen definiert werden konnten.

Probleme mit braunen Bällchen

Und wie geht das vor sich? «Man gibt an erhöhter Stelle dem Wasser Farbstoff hinzu, und dann heisst es warten bis das gefärbte Wasser in einer Quelle weiter unten oder auch in einem Fliessgewässer sichtbar wird», erklärte Herold. «Ob der Resultate kommen auch wir Hydrogeologen manchmal ins Staunen.»

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass das Wasser vom Weissenstein zum einen in Matzendorf und zum andern vorne in der Balsthaler Klus austritt? Bis dorthin hat das Wasser einen 16 Kilometer langen Weg zurückgelegt und war 22 Tage lang unterwegs.

«Diese Entdeckung war übrigens noch mit einer unangenehmen Überraschung verbunden», fügte Herold an. Beim Versickern kam nicht nur sauberes Wasser hinein, sondern auch solches aus der Kläranlage beim Kurhaus, «und das war angereichert mit so kleinen braunen Bällchen.» Der Fall sei aber mittlerweile geklärt - im wahrsten Sinn des Wortes.

Überraschungen gabs auch, als in einer Thaler Gemeinde nach Wasser gesucht wurde. Ein Rutengänger war nach mehreren Versuchen doch noch fündig geworden. «Allerdings konnte man ihm später nachweisen, dass er zwar Grundwasser gefunden hatte, dass aber das Wasser hauptsächlich von der nahen Dünnern stammte.»

Gute und schlechte Wirkung

Derzeit seien rund 700 Quellen im Thal bekannt, fuhr Thilo Herold weiter. Manch eine davon habe eine schlechte Qualität, dafür gebe es aber auch interessante Quellen mit guter Trinkwasserqualität. Zu einer davon, nahe dem Bergrestaurant Schwängimatt, waren die Teilnehmer der Exkursion unterdessen gewandert.

«Diese Quelle vermag den Bedarf des Restaurants und des Bauernbetriebs zu decken», sagte Herold. Ein randvoller Brunnentrog wies darauf hin, dass auch das Vieh auf der Weide nicht zu kurz kommt.

Auf dem Weg hinunter ins Industrieareal Klus konnte Herold anhand der stark ausgeprägten und daher gut sichtbaren Felsformationen und Gesteinsschichten erläutern, wie das Gebirge entstanden ist. Aber auch, wie es sich verändert, oder wie sich die obersten Schichten verhalten, wenn sie vom Wasser unterspült werden und abrutschen.

Noch immer sichtbar ist eine Schneise an der Westflanke der Klus, verursacht 1982 durch eine massive Rutschung. Viele Kubikmeter Gestein und Erde waren bis ins Gelände des damaligen Eisenwerks Klus hineingerutscht. Etwa zwei Hektaren Wald wurden zerstört. Aufgeforstet wurde die Fläche nicht, sie ist mittlerweile von Jungwuchs bedeckt.

Nach Erdöl gesucht

Am letzten Halt bei einer der grössten Karstquellen des Thals, dem Gärbiweiher in der Klus, löste Thilo Herold noch ein Rätsel auf, das er eingangs bei der Exkursion aufgegeben hatte: «Gibts im Thal Erdöl?» Die Exkursionsteilnehmer reagierten mit Kopfschütteln oder zumindest mit skeptischen Blicken.

Doch in der Tat, betonte Herold, hatte die seinerzeitige Swisspetrol in den 1970er-Jahren hierzulande nach Öl gesucht - aber keines gefunden. «Es hätte mich auch gewundert», meinte Herold. «Aber wer weiss: Vielleicht werden sich erst in einigen Millionen Jahren auch hier erdölhaltige Schichten bilden.»

Weitere Exkursionen zu verschiedensten Themen werden laufend angeboten, Informationen unter www.naturparkthal.ch

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