Mörikofer

Was macht eigentlich Alt-Regierungsrätin Stéphanie Mörikofer?

«Zum Glück werden immer mehr Menschen gesund alt»

«Zum Glück werden immer mehr Menschen gesund alt»

Der politische Aargau musste sich 1993 daran gewöhnen, dass mit der Freisinnigen Stéphanie Mörikofer erstmals eine Frau im Regierungsrat sitzt. Bis 1999 leitete sie das Gesundheits- und danach bis 2001 das Finanzdepartement. Dass die sachbezogene, aber auch kämpferische Magistratin im November 2000 nicht wiedergewählt wurde, war eine perfekte Überraschung.

Peter Rombach

«Ich warte auf den Moment, in dem es mir langweilig wird», schmunzelt sie. Heute fühlt sich die promovierte Biochemikerin Stéphanie Mörikofer (67) befreit von der Last, im politischen Geschäft aktiv mitwirken zu müssen. Seit 1973 gehört sie der FDP an und absolvierte in der Partei die klassische «Ochsentour» in unterschiedlichsten Funktionen.

Der Weg führte sie schliesslich 1985 in den Grossen Rat des Kantons Aargau und acht Jahre später in den Regierungsrat. «Ich bin unfreiwillig ausgeschieden; das schmerzt schon, wenn man auf diese Art den blauen Brief bekommt», gesteht die ehemalige Regierungsrätin, wohl wissend, dass Zeit auch Wunden heilt. «Das Negative verschwindet in der Versenkung, man darf sich nur nicht hängen lassen.»

Noch kein Rückzug ins Private

Die Familie, mit der sie seit 1976 in Kaiseraugst wohnt, gab ihr in schwierigen Phasen immer wieder Rückenstärkung. Irgendwann erfolgt sicher der absolute Rückzug ins Private, aber Stéphanie Mörikofer lässt (noch) keine Eile erkennen. Seit 2002 ist sie Präsidentin des Spitex-Verbandes Schweiz – der Dachorganisation von 26 Kantonalverbänden gehören total 600 Spitexorganisationen an. «Als ich das Amt übernahm, waren es noch rund 900», skizziert sie den Trend zu Fusionen und spricht von einer «riesigen Aufgabe», Menschen zu pflegen und zu betreuen.

Allein die Mitwirkung im Gesetzgebungsprozess für die Pflegefinanzierung empfindet die Präsidentin als «unglaublich spannend». Ihr ist bewusst, dass angesichts der demografischen Entwicklung viele Veränderungen auf die Spitex zukommen. «Wir müssen viel vorausdenken, Arbeits-
instrumente ausarbeiten, die Bedürfnisabklärung flächendeckend einführen, also Methoden festlegen, die es uns ermöglichen, die bedarfsgerechte Pflege und Betreuung zu erfassen, damit wirklich nur die notwendigen Leistungen erbracht werden.» Das Credo, wirtschaftlich zu arbeiten, sei es durch Leistungspläne oder straffe Organisation, tritt deutlich zutage.

«Wenn sich jemand sozialen Aufgaben widmet, ist die öffentliche Anerkennung viel grösser als in einem Regierungsamt», geniesst Mörikofer ihre hohe Akzeptanz in der Spitex, redet allerdings auch Klartext: «Kleine Einheiten können kaum überleben, über kurz oder lang wird es wohl eine Spitex Unteres Fricktal geben.» Neue Aufgaben sieht sie auf die Organisation zukommen, wenn 2012 die Fallpauschale kommt und Patienten früher aus Spitälern heimkommen. «Die Dienstleistungen nehmen zu und erfordern auch höhere Qualifikationen des Personals.»

Routine erscheint uninteressant

Wer einen Lebensgrundsatz von Stéphanie Mörikofer bewusst registriert, kann ausrechnen, dass sie sich gelegentlich auch vom verantwortungsvollen Spitex-Amt lösen wird. «Nach acht bis zehn Jahren habe ich immer wieder etwas anderes gemacht. Wenn etwas zur Routine wird, interessiert es mich nicht mehr.».

So wirkt sie seit kurzem in der Alterskommission Kaiseraugst mit, wo derzeit ein Konzept für betreutes Wohnen im Alter entwickelt wird. «Da kann ich meine Erfahrungen ins konkrete Beispiel einbringen», freut sie sich und erwähnt, dass momentan eine Umfrage zu möglichen Wohnformen im Alter in Kaiseraugst vorbereitet wird. «Ich halte es für wichtig, im Alter auch gesundheitliche Prävention zu betreiben, um Selbstständigkeit zu behalten.»

Mörikofer empfiehlt, Wohnformen mit guter Betreuung zu finden, um die Lücke zwischen Spitex und Pflegeheim zu füllen. Dass Handlungsbedarf besteht, macht sie nur an wenigen Zahlen fest: Unter den bereits über 5000 Einwohnern von Kaiseraugst gehören rund 20 Prozent der Gruppe 60 plus an. «Zum Glück werden immer mehr Menschen gesund alt.»

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