Wolfgang Wagmann

2007 waren die ersten Absichtserklärungen um eine neue WC-Anlage vorgelegen, und zwar waren diese auf Baurechtsverhandlungen zwischen der Stadt und der Rythalle AG zurückführen. Roger Saudan, VR-Präsident der Rythalle AG, zeigte beim gestrigen Eröffnungsapéro auf, dass die AG zuerst eine Anpassung des Vertrags brauchte, «denn das WC-Areal befand sich gar nicht in unserem Baurechtsperimeter.» Das war aber nur «ein Knüppel», den es in der Folge zu lösen galt, obwohl sich die beiden Partner im Grundsatz rasch einmal einig gewesen waren: Die Einwohnergemeinde und die Rythalle AG würden sich die Erstellungskosten je hälftig teilen, die Stadt jedoch als Betreiber auftreten. «Die Baugeschichte können Sie in den Fasnachtszeitungen nachlesen», meinte Saudan pointiert, «doch für einen Nettobeitrag von nur 150000 Franken erhält Solothurn nun eine so schöne WC-Anlage.» Hatte doch die Parking AG den faktischen Stadtanteil von 250000 Franken um 100000 Franken verringert – die Rythalle AG trägt die andere Hälfte der Baukosten von rund einer halben Million Franken.

Ein Vater und «viele Mütter»

Architekt Guido Kummer hatte tatsächlich einigen Kummer mit seinem Bauprojekt durchgemacht, «und ich habe lange dafür gekämpft». Denn ein Anbau an die geschützte Reithalle sei keineswegs einfach gewesen, nicht zuletzt, weil dieser prominent liegt: «Vom Baseltor her sieht man ihn ebenso wie oben vom St.-Ursen-Turm aus», erklärte der Architekt, warum er «nicht einfach eine Bedürfnisanstalt» habe realisieren können – und wollen. «Der Vater des Ganzen war ich immer, doch gab es einen Haufen Mütter und viele Geburtswehen», verwies er ebenfalls pointiert auf die zahlreichen Mitredner und -rednerinnen bei der Umsetzung des Projekts. Und noch eines gab Kummer zu bedenken: Eine solche Anlage angesichts des Kostendrucks zu realisieren, sei nicht einfach gewesen, «die fünf neuen Chromstahl-WC im Hauptbahnhof unten kamen ohne Baukosten allein schon auf 350000 Franken zu stehen».

Betreut muss sie sein

«Eine gute Lösung» sei der Neubau, befand auch Stadtschreiber Hansjörg Boll, doch brauche das WC «eine gewisse Frequenz.» Schon damals, als man einen Standort in der Altstadt evaluiert hatte, sei man darauf hingewiesen worden, dass nur eine betreute Anlage funktionieren könne. Diese Betreuung übernimmt die Wärchstatt Wyssestei. Leiter Peter Schnetz: «Täglich wird eine Person von uns während der ganzen Öffnungszeit präsent sein und unsere interne Reinigungsgruppe hält die Anlage sauber.»

Beim Besuch ist ein Franken auf freiwilliger Basis fällig; geöffnet ist das WC vom Montag bis Freitag jeweils von 10 bis 18.30 Uhr, donnerstags auch bis 21 Uhr und am Wochenende von 10 bis 16 Uhr. Zur HESO-Zeit hat die Wärchstatt Wyssestei Betriebsferien, und die Rythalle AG übernimmt selbst den Betrieb. Einig waren sich gestern aber alle: «Wir sind gespannt, wie das Ganze anläuft.»