Was hat Angelo Botti falsch gemacht?

Der frühere Lehrer in Merenschwand ist mit seiner Klage gegen die Schulpflege vor Bundesgericht unterlegen. Allerdings stört Botti etwas: «Die Frage, was ich falsch gemacht haben soll, ist nicht beantwortet.» Das Bundesgericht hat nur nach formalen Kriterien entschieden.

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Was hat Angelo Botti falsch gemacht?

Was hat Angelo Botti falsch gemacht?

Eddy Schambron

«Verrückt: Was ich gemacht habe und weshalb ich entlassen wurde, kommt heute vor die Gemeindeversammlung», sagt Angelo Botti: «Prävention gegen Mobbing unter Jugendlichen, Leistungsverweigerung und Formen der physischen und psychischen Gewalt.» Nach sechs Jahren Tätigkeit an der Sekundarschule Merenschwand beendete die damalige Schulpflege am 31. Juli das Arbeitsverhältnis als Klassenlehrer im Vollpensum. Die Schulpflege erklärte, durch die ausserschulischen Aktivitäten von Botti sei die Schule immer wieder in ein negatives Licht gerückt worden.

Der in Obfelden lebende, heute 60-jährige Angelo Botti hatte sich ausserschulisch stark für die Schülerladenkette Quick and Top engagiert und auch einen Schülerladen in Muri initiiert. Ausserdem setzte er sich im Verein Miteinander gegen Gewalt ein und gründete die Nachfolgeorganisation You&Me 4 Fairness, führte Sorgenbriefkästen in Schulhäusern ein und betrieb eine Homepage, welche als Hilfestellung für Schülerinnen und Schüler gedacht war, die unter Gewalt und Mobbing an den Schulen leiden.

Rein formale Beurteilung

Angelo Botti, der seit zwei Jahren in Bonstetten unterrichtet «und vielleicht gerade wegen meiner ausserschulischen Aktivitäten zur Jugendprävention angestellt wurde», versteht immer noch nicht, weshalb er in Merenschwand entlassen wurde. «Jetzt gibt es eine Vorlage Schulsozialarbeit an der Gemeindeversammlung, die genau die Problematik aufnimmt, auf die ich bereits vor Jahren hinwies.» Und er fragt sich: «Was habe ich falsch gemacht, dass ich die Leute nicht von der Notwendigkeit der Prävention überzeugen konnte?»

Deshalb ist er auch vom Bundesgerichtsentscheid enttäuscht. Das Urteil, das der AZ vorliegt, geht nur auf formaler Ebene auf den Konflikt ein. «Seine (Bottis) rein appellatorische Kritik genügt somit den Anforderungen an eine Beschwerde nicht», heisst es unter anderem. Botti hatte wegen Amtsmissbrauch, übler Nachrede und Verletzung des Amtsgeheimnisses gegen die Kündigung geklagt.

Die Bestätigung

Die Vorlage «Schulsozialarbeit» an der heutigen Gemeindeversammlung in Merenschwand sei letztlich die Bestätigung, «dass ich mit meiner Einschätzung der Situation und mit meinem Engagement vor vier und mehr Jahren richtig lag», sagt Botti heute. «Ich hatte recht und dies bringt nun vielleicht endlich Hilfe für die längst betroffenen Jugendlichen.» Auch wenn Botti, seit 40 Jahren Lehrer, seine Enttäuschung nicht verbirgt, betont er, «dass es für mich keinen Grund gibt, Trübsal zu blasen». Vielmehr wird er in drei Wochen seinen Beruf als Sek-Lehrer an den Nagel hängen, obwohl er in Bonstetten «meine Intentionen ausleben kann».

Er will sich hauptberuflich der Prävention gegen Mobbing und Jugendgewalt widmen in Zusammenarbeit mit seinem Zwillingsbruder Dario Botti. Letzterer glaubt, dass «Angelo der Zeit voraus war und andere in Merenschwand einfach nicht wahrhaben wollten, was heute auf Schulen und Lehrkräfte zukommt». Kinder seien ein Spiegelbild der Gesellschaft, letztlich hätten sie und die damalige Schulpflege verloren. «Mit Verdrängen und Schönreden lassen sich eben keine Jugendprobleme lösen.»

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