Was geschah an der Chilbi?

Wegen Schändung an Teamangehörigen musste sich ein ehemaliger Trainer des Unihockey Clubs Trimbach vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen verantworten. Die Vorfälle von 1998 flogen erst Jahre später auf, nachdem die Polizei seine heimlich gedrehten Filme entdeckt hatte.

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Chilbi

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Solothurner Zeitung

Jürg Salvisberg

Welche strafbaren Handlungen unter die Verjährungsfrist fallen, ist erst dem heute publik werdenden Urteil zu entnehmen. Sollte das Amtsgericht Olten-Gösgen unter dem Vorsitz von Barbara Hunkeler zum Schluss kommen, dass gewisse Delikte im strafrechtlichen Sinne nicht mehr ins Gewicht fallen können, so liegt die Verantwortung dafür nur zum Teil bei den Justizbehörden. Denn nur dank der Aktion «Falcon» gegen Kinderpornografie kam der Stein im Oktober 2004 gegen den Trainer des Unihockey Clubs (UHC) Trimbach überhaupt ins Rollen. Als die Polizisten beim Computerfreak neben dubiosen heruntergeladenen Dateien auch selbst gedrehte Videos entdeckten, kamen Ermittlungen wegen Verletzung des Geheim- und Privatbereichs durch Aufnahmegeräte, mehrfacher Pornografie und Schändung in Gange.

Offener Interpretationsspielraum

Eigentlicher Teil der Anklageschrift waren die vom Jahr 2000 bis 2004 in der Garderobe und unter der Dusche gedrehten Videos. Betroffen davon waren 40 Akteure der ersten Trimbacher UHC-Mannschaft, ein rundes Dutzend davon hatte gegen den Trainer Strafanzeige eingereicht (wir berichteten).

Der ausserordentliche Staatsanwalt Lukas Büttiker, der den abgewählten Martin Zeltner vertrat, warf dem Angeklagten Schändung in drei Fällen vor. Bei den ersten zwei mutmasslichen Vergehen lieferte der frühere Präsident des Trimbacher Unihockeyvereins die Beweise gleich selber mit teils klaren, teils verwackelten Filmaufnahmen. Interpretationsspielraum bot auch die Anklageschrift Zeltners, die trotz der Aufnahmen offen liess, ob der Beschuldigte den Penis der beiden Geschädigten bloss berührt oder manipuliert hatte.

Dass er als 30-Jähriger in einem Trainingslager an der Lenk im Zweierzimmer den schlafenden Co-Leiter (20) im Genitalbereich berührt hatte, stellte der ruhig wirkende Angeklagte gegenüber Richterin Hunkeler nicht in Abrede. Das Abstreifen der Pyjamahosen sei jedoch nicht in direkter sexueller Absicht erfolgt. Auf Nachfrage von Amtsrichter Arnold Uebelhart verneinte er gar einen Erregungszustand im Moment der Filmaufnahmen.
Heimliche homosexuelle Neigung

Der zweite Vorfall betraf einen 18-jährigen Spieler des Aktivteams, mit dem er während der Ferien in Ovronnaz ein Zimmer geteilt hatte. Der frühere Coach betonte, dass er keine Nähe oder Beziehung zu seinen Opfern gesucht habe. Vielmehr habe er günstige Gelegenheiten genützt, um ohne deren Wissen Aufnahmen zu machen. Der spätere Genuss der Bilder in den eigenen vier Wänden war dem Vernehmen nach seine Form, um seine vor aller Welt verheimlichte homosexuelle Neigung auszuleben und Befriedigung zu erleben. Dass der Gründer des UHC Trimbach nicht bloss günstige Momente nutzte, sondern unter Alkoholeinfluss bewusst herbeiführte, legt der dritte vorgeworfene sexuelle Übergriff nahe, der dem dritten Opfer im Unterschied zu den Vorgängern sofort bewusst wurde. Als der Beschuldigte 1998 an der Kappeler Chilbi vor Ort mit zwei Kollegen in einem Zimmer zwecks Übernachtung und Ausnüchterung «strandete», soll er sich in der Erinnerung des damals 17-jährigen Opfers gleich zweifach vergangen haben.

Pornografie unbestritten

Während für die Anklage unsittliche Berührungen im Sinne einer Schändung vorliegen, hält Verteidiger Daniel von Arx diese für eine blosse Vorstellung, die erst nach dem Auffliegen der Affäre 2004 entstanden sei. Das am Prozess anwesende Opfer sagte hingegen gegenüber dieser Zeitung, dass er es 1998 nur gewagt habe, den Vorfall seinen Eltern und einem Kollegen zu erzählen. Das gegen ihn einsetzende Mobbing des im Verein allmächtigen Trainers habe er nicht verstärken wollen.
Während von Arx bei der Schändung auf Freispruch und beim Filmen auf Verjährung plädierte, war auch für ihn der Tatbestand der mehrfachen Pornografie erwiesen. Dafür schlug er eine Strafe von
35 Taggeldern mit Ansätzen nach richterlichem Ermessen vor. Staatsanwalt Lukas Büttiker hatte zuvor 360 Tagessätze zu mindestens 120 Franken, wovon 90 unbedingt, gefordert.