Nicolas Kucera

Pünktlich um zehn Uhr morgens versammeln sich an der Bremgartnerstrasse 23 in Dietikon die Jugendlichen für den vom Jugendzentrum ausgeschriebenen Babysitterkurs. 13 Anmeldungen sind in den vergangenen Tagen insgesamt eingegangen. Dabei fällt sofort auf, dass sich nur Mädchen - alle zwischen 13 und 14 Jahre alt - für den zweitägigen Kurs eingetragen haben.

Obwohl es in den beiden Tagen einiges zu lernen gibt, ist der Kurs möglichst spielerisch gestaltet. So wird etwa die Entwicklung eines Kleinkindes mit Bildern veranschaulicht oder eine Puppe mit dem Gewicht eines Kleinkindes herumgereicht. Damit entsteht im Unterricht trotz Theorie eine lockere Atmosphäre. Immerhin «opfern» die Mädchen dafür zwei Ferientage. Sie sollen deshalb nicht das Gefühl erhalten, in der Schule zu sein.

Initiiert hat den Kurs Katja Schulz vom Jungendzentrum Dietikon. Selber lange Zeit als «Nanny» tätig, ist sie vom Nutzen eines solchen Kurses sowohl für die angehenden Babysitter wie auch für die Familien als potenzielle Arbeitgeber überzeugt. So falle es den Mädchen nach dem Kurs in der Regel einfacher, eine Stelle als Babysitter zu finden. Dadurch machen die Jugendlichen ihrer Meinung nach wichtige erste Berufserfahrungen und können «ihr Taschengeld aufbessern». Mit Kurskosten von 132 Franken sei der Kurs für Jugendliche zwar nicht gerade billig. Dank der Unterstützung der Stadt Dietikon habe man den Preis schliesslich jedoch auf 65 Franken senken können.

Ausbildung mit Zertifikat

Der Kurs dient zunächst einmal dazu, die Jugendlichen auf die Aufgaben eines Babysitters vorzubereiten. Dabei gliedert sich der Kurs in zwei Teile. In einem ersten Teil befassen sich die Mädchen mit der Theorie: Es werden unter anderem die Rechte und Pflichten eines Babysitters besprochen, die Entwicklungsschritte eines Kleinkindes analysiert und die Bedürfnisse von Kindern aufgelistet. «Was erwarten die Eltern von mir?», ist eine der Fragen, die im Kurs diskutiert werden. Dabei legt Kursleiterin Priska Alldis vom Roten Kreuz viel Wert darauf, dass die Mädchen neben ihren Pflichten auch ihre Rechte kennen. So wiederholt sie mehrere Male, dass man sich auch als Babysitter vom Arbeitgeber nicht alles gefallen lassen muss.

Im praktisch orientierten Teil am zweiten Kurstag lernen die Mädchen dann das eigentliche Handwerk eines Babysitters. Dazu gehört unter anderem, wie man einen Brei zubereitet, welche Temperatur die Milch im Schoppen haben sollte und wie man bei einem Kleinkind die Windeln wechselt.

Neben dem Ziel, die Mädchen auf die Aufgabe als Babysitter vorzubereiten, hat der Kurs einen weiteren Zweck. Man möchte den Teilnehmerinnen nämlich etwas in die Hand geben, das ihre Kompetenzen als Babysitter belegt. Aus diesem Grund erhält am Ende des Kurses jede der Anwesenden ein Zertifikat - vorausgesetzt man fehlt nicht mehr als maximal eine Stunde. Der Ausweis soll den Jugendlichen ermöglichen, auch bei fremden Familien als Babysitter eine gute Chance zu haben.

Auch für die Familien hat das Zertifikat seine Vorteile, wie Alldis erklärt: Für Mütter und Väter sei das Zertifikat ein Beleg dafür, dass der künftige Babysitter weiss, was zu tun ist.