Thailand
Warum man für Elefanten mexikanische Tischdecken anziehen und auf seine Schuhe achtgeben sollte

Die Patara Elefant Farm in Thailand gibt rund 60 Elefanten ein Zuhause. Wer auf einem reiten möchte, muss sein Tier zuerst kennenlernen.

Dominic Kobelt
Drucken
Teilen
Dieser kleine Elefant hat es auf meinen Schuh abgesehen.   
18 Bilder
Die meiste Zeit spielt er mit seinen Geschwistern.
Wegfahren? Geht jetzt nicht, der Elefant möchte mit dem Scheibenwischer spielen.    
Dodo kommt angelaufen.
Auf der «Patara Elefant Farm» haben die Elefanten viel Platz.
Wer kommt hier angerannt?
Patara Elefant Farm
Er hat aber noch nicht genug und weiss sich selbst zu helfen.
Um dieses Gewicht zu halten, muss man ja auch einiges an Grünfutter vertilgen.
Auch mit anderen Elefanten schliesse ich Bekanntschaft.
Becko geniesst es, gestreichelt zu werden.    
Mit einem Blatt werden die Elefanten "massiert".   
Danach werden sie mit Wasser gewaschen.    
Das Aufsteigen auf den Elefanten ist nicht ganz einfach.
Aber schliesslich gelingt es.
Zwei Personen können auf einem Elefanten reiten.
Der Ritt durch den Dschungel ist eindrücklich-    
Dodo badet im Fluss.    

Dieser kleine Elefant hat es auf meinen Schuh abgesehen.   

Dominic Kobelt

Ich muss mich etwas nach vorne beugen, um das Gleichgewicht halten zu können. Unter mir bewegt sich Dodo, knapp drei Meter gross und drei Tonnen schwer, leichtfüssig über den schmalen Trampelpfad durch den Urwald. Angst, dass ich runterfallen könnte, habe ich nicht. Der sanftmütige Koloss scheint auf mich aufzupassen.

Ich habe Dodo vor ein paar Stunden kennengelernt. Denn wer in der «Patara Elephant Farm» reiten möchte, kann sich nicht ohne Weiteres auf ein Tier setzten. Die westliche Kleidung tauschen wir gegen farbige Überzieher, die mich an die Tischdecken beim Mexikaner erinnern – die Dickhäuter können zu den Menschen rascher eine Beziehung aufbauen, wenn sie immer ähnlich aussehen, erklärt man uns.

Dann bekommt jedes Zweierteam einen Elefanten zugewiesen: «Wir schauen, dass sich die Charaktere der Tiere und diejenigen der Reiter ähneln», lässt uns ein Mitarbeiter wissen. Wir bekommen einen Korb voll Bananen und Zuckerrohr, und nähern uns Dodo. Von vorne, denn Elefanten mögen keine Überraschungen, wird uns gesagt. Dodo streckt den Rüssel aus und ich gebe ihm einen Leckerbissen, der sofort im Mund verschwindet. Beim zweiten Mal möchte er mehr.

Schliesslich liegen sechs Stück Zuckerrohr und drei Bananen auf dem Rüssel, bevor Dodo alles behutsam Richtung Mund balanciert. Kaum ist der Korb leer, verliert er das Interesse und läuft zum Feld hinunter, wo er mit Leichtigkeit die Pflanzen aus der Erde reisst und verschlingt. Mein erster Eindruck: Dodo ist etwas stur und ziemlich verfressen. Die Sache mit dem Charakter, sie scheint zu stimmen.

Jedes Team verbringt den Morgen mit seinem Elefanten, säubert ihn mit grossen Blättern vom Staub, was für die Tiere wie eine Massage ist, und wäscht ihn anschliessend mit einem Gartenschlauch.

Mit einem Blatt werden die Elefanten "massiert".   

Mit einem Blatt werden die Elefanten "massiert".   

Dominic Kobelt
Danach werden sie mit Wasser gewaschen.    

Danach werden sie mit Wasser gewaschen.    

Dominic Kobelt

Wir bekommen ausführliche Informationen zu den Elefanten. Einige der Tiere mussten früher im Zirkus leben, andere wurden auch verletzt in der Wildnis gefunden. So konnte ein Tier nicht mehr fressen, weil sein Darm verstopft war, und brauchte eine Operation. Viele von Elefanten sind Nachkommen dieser geretteten Tiere, wurden hier auf der «Patara Elefant Farm» geboren.

Man erklärt uns, wie die Gesundheit der Tiere überprüft wird: «Das Wichtigste ist der Kot der Tiere, daran erkennt man meistens, wenn sie krank sind», sagt einer der Betreuer. Wenn ein Tier Schmerzen hat, kann es ausserdem vorkommen, dass sich das Tier nicht mehr hinlegt, um zu schlafen, sondern sich nur an einen Baum lehnt. Um das zu erkennen, gibt es einen Trick: «Den Elefanten läuft immer etwas Augenflüssigkeit hinunter, oft werden wir gefragt, ob das Tränen sind, aber die Flüssigkeit dient dem Schutz. Wenn sich die Elefanten nachts hinlegen, verlaufen diese Spuren in eine andere Richtung, wie wenn sie stehen.» Und ein weiteres Anzeichen für einen gesunden Elefanten: Er schwitzt. Allerdings nicht wie ein Mensch, seine Schweissdrüsen sitzen nämlich zwischen den Zehen.

Sicherlich, man kann argumentieren, die Tiere seien nicht dazu gemacht, Menschen auf ihrem Rücken zu tragen. Andererseits sind sie hier in einem geschützten Raum, sie haben sehr viel Auslauf und medizinische Versorgung.

Mein persönlicher Eindruck: Den Tieren geht es gut. Jeder muss für sich selber entscheiden, ob eine solche Anlage unterstützenswert ist. Ich habe viele Begegnungen mit Elefanten gemacht, die ich nicht mehr vergessen werde. Etwa mit Elefantendame Becko, die sich neben mich stellt, als ich in einer Hütte am warten bin. Weil das Gelände neben dem Unterstand abfällt, ist sie mit ihrem Kopf auf Höhe meiner Brust. Sie drückt sich sanft an mich und ich streichle ihr über den Kopf. Minutenlang bleibt sie so stehen, und scheint es zu genissen.

Becko geniesst es, gestreichelt zu werden.    

Becko geniesst es, gestreichelt zu werden.    

zvg

Oder das Zusammentreffen mit dem Babyelefanten, kurz nach unserer Ankunft: Als ich ihm über den Kopf streichle, öffnet er mit seinem Rüssel geschickt meinen Schuhbendel, stellt sich auf den Rand des Schuhs und beginnt, mich wegzuschupsen. Seine Absicht ist klar: Er will mir den Schuh ausziehen. Als es mit sanftem Schupfen nicht klappen will, rammt er mich etwas fester in die Seite, worauf ein Betreuer angerannt kommt und mit ihm schimpft. Weh getan hat es nicht – ich lache und binde meinen Schuh wieder zu. «Er will nur spielen, aber er kann seine Kraft noch nicht einschätzen», sagt der Betreuer. Der Kleine hält ihn auf Trab. Mal zwängt er sich unter einer Absperrung durch, mal stellt er sich hinter ein Auto, das eigentlich rückwärts hinausfahren will, versperrt ihm den Weg, und beginnt mit dem Scheibenwischer zu spielen.

Dieser kleine Elefant hat es auf meinen Schuh abgesehen.   

Dieser kleine Elefant hat es auf meinen Schuh abgesehen.   

Dominic Kobelt
Wegfahren? Geht jetzt nicht, der Elefant möchte mit dem Scheibenwischer spielen.    

Wegfahren? Geht jetzt nicht, der Elefant möchte mit dem Scheibenwischer spielen.    

Dominic Kobelt

Besonders eindrücklich ist es aber, auf einem Elefanten zu reiten. In der «Patara Elefant Farm» wird ausschliesslich ohne Sattel geritten, nur ein Seil dient dazu, etwas Halt zu geben, damit man das Gleichgewicht besser halten kann. Das Aufsteigen ist deshalb nicht ganz einfach. Dodo hebt seinen Fuss an, sodass ich auf seine Ferse stehen kann. Dann hebt er mich hoch, meinen rechten Fuss stelle ich auf seinen Oberschenkel und schwinge das linke Bein über seinen Rücken:

Die Reise durch den Dschungel ist fantastisch. Man sagt uns, es daure etwa eine halbe bis zu einer Stunde. Wir sind schliesslich fünf Viertelstunden unterwegs, weil Dodo überall Blätter sieht, die er gerne fressen möchte. Die Betreuer lassen ihn machen. Sie rufen ihm, damit es nicht zu lange dauert, aber sie lassen ihn in seinem eigenen Tempo durch den Wald marschieren.

Der Ritt durch den Dschungel ist eindrücklich-    

Der Ritt durch den Dschungel ist eindrücklich-    

Dominic Kobelt

Viel zu kurz kommt es mir trotzdem vor. Wir sind am Fluss, wo wir verpflegt werden. Die Elefanten planschen im Wasser. Mit einer Bürste und einem Kessel ausgerüstet, sitzen wir auf Dodos Bauch und schrubben ihn. Es scheint ihm zu gefallen.

Dodo badet im Fluss.    

Dodo badet im Fluss.    

Pantara Elefant Farm

Der Ausflug auf die «Patara Elefant Farm» war Teil einer Pressereise. Diese wurde vom Thailändischen Fremdenverkehrsamt und Thai Airways ermöglicht. Den restlichen Reisebericht lesen Sie hier.

Aktuelle Nachrichten