Andreas Bannwart

«Diese SMS hat sehr wehgetan», sagt Schulleiterin Martina Brühl. Sie arbeitet seit 16 Jahren als Lehrerin an der Schule Stetten, die letzten 5 Jahre zudem als Schulleiterin. «Vor allem der Weg stört mich, dass man nicht die Lehrperson oder die Schulleitung kontaktiert hat.»

Auch den Lehrpersonen sei es «sauer aufgestossen». Die Schulleiterin wie auch Claudia Kalbermatter, Präsidentin der Schulpflege Stetten, sehen die SMS trotz der Verunglimpfung der Schule als Signal, die Eltern noch verständlicher zu informieren.

Die Schulleiterin verteidigt sich

Wer den Stundenplan der 3./4. Klasse von Annabell Strütt anschaut, zählt tatsächlich 7 Lehrkräfte. Schulkinder hätten längst nicht mehr nur eine oder zwei Lehrpersonen, sagt Astrid Eichenberger. Sie ist Verantwortliche für die Studiengänge Primarstufe an den Standorten Zofingen, Solothurn und Liestal der Pädagogischen Hochschule (PH).

Für ein Kind können verschiedene Lehrkräfte ein Vorteil sein, weil es sich mit jeder Lehrkraft unterschiedlich verträgt. «Wenn 3 oder 4 Lehrpersonen miteinander reden, schaut etwas dabei heraus.» Sieben Lehrpersonen für eine Klasse findet Eichenberger aber viel. Dass das gegenseitige Absprechen zum Wohl des Kindes eine Herausforderung ist, bleibe den Eltern oft verborgen.

Wäre es nicht einfacher, eine bis zwei Bezugspersonen zu haben? «Das wäre toll», sagt Kalbermatter. «Aber es ist nicht umsetzbar.» Zum einen erhält die Schule Stetten aufgrund der einzelnen Klassengrössen nicht für alle Klassen ein 100%-Pensum zugesprochen.

So viele Teilzeit-Lehrer

Einen weiteren Grund sieht Kalbermatter im gesellschaftlichen Wandel: «Wie in anderen Berufen möchten viele Lehrkräfte nur 80% oder 60% arbeiten.» Zudem gäbe es mehr Lehrerinnen als Lehrer. So werde es schwer, eine gute Mischung an Lehrkräften zu finden. Eichenberger stützt diese Ansicht und ergänzt: «Lieber mehrere einzelne Lehrkräfte, dafür fachkundige.»

Lehrkräfte sind verschieden ausgebildet. «Studierende an der PH FHNW dürfen nachher Deutsch, Mathematik und Mensch & Umwelt unterrichten», sagt Eichenberger. «Zudem müssen sie sich zwischen Englisch und Französisch entscheiden.» Weiter wählen sie aus den Fächern Musik, Bildnerisches Gestalten sowie Sport und Bewegung zwei Fächer aus.

Was heisst das für die 3./4. Klasse von Strütt? «Da Frau Strütt keine Ausbildung in Englisch und Realien (Mensch und Umwelt) hat, entfallen diese Lektionen auf zwei andere Lehrkräfte», erklärt Brühl. Die Fächer Werken, Textiles Werken, Ethik und Musik werden von drei weiteren Lehrkräften mit entsprechender Ausbildung unterrichtet.

Damit haben die Schulkinder von Annabell Strütt 16 Lektionen bei ihr als Klassenlehrerin sowie 13 Lektionen bei anderen Lehrpersonen. Dazu kommen bei Bedarf Logopädie, Deutsch als Zweitsprache (DAZ) sowie Heilpädagogik.

Gute Noten für Stetten

Kalbermatter fragt sich kritisch, ob diese Strategie ihren Zweck gegenüber den Kindern erfüllt, und kommt zum Schluss: «Ja, es geht – mit der besonderen Schulkultur in Stetten.» Damit meint sie das enge Zusammenarbeiten aller Lehrkräfte vom Kindergarten bis zur Oberstufe. «Dies gewährleistet, dass die Kinder gut betreut und begleitet sind.» Schulpflege-Kollegen im Kanton bewunderten, dass die Schule Stetten so gut funktioniere.

Ein Berater in der Qualitätsentwicklung der PH FHNW: «Der Unterricht sowie der Weg dorthin sind sehr gut.» Diese SMS zeige, dass sich die Schule Stetten so mitteilen müsse, dass die Eltern diese Hintergründe verstehen oder sich melden.