1. Die Geschichte hinter dem Bild

  

Vergangene Woche weilt der Bundespräsident Alain Berset in New York. Am Mittwoch nutzt er eine Pause zwischen zahlreichen bilateralen Treffen mit anderen Staatsoberhäuptern, um ein bisschen frische Luft zu schnappen. Er setzt sich auf einen Randstein vor dem UNO-Hauptquartier, studiert seine Akten und macht Notizen dazu. Der Keystone-Fotograf Peter Klaunzer hält die Szene fest. So weit, so simpel.

2. Das Bild schafft den Sprung nach Afrika

Rasch findet das Foto den Weg in die sozialen Netzwerke. Und trifft bei den Usern aus Afrika einen Nerv. Rasch entwickelt sich eine erstaunliche Dynamik – die am Ende in Fake News endet.

3. Zunächst wird das Bild nüchtern beschrieben

4. Dann wird Bersets Bescheidenheit herausgestrichen

5. Berset wird mit den grossspurigen afrikanischen Politikern verglichen

6. Es entstehen erste Memes

7. Kenianische Medien nehmen das virale Bild auf

8. Fake News – Bersets Bescheidenheit nimmt immer grössere Ausmasse an

Ein Twitter-User schreibt, Berset habe die Nächte in einer kleinen Wohnung verbracht, welche er für sich und seine Delegation gemietet habe. Die Mahlzeiten habe der Bundespräsident selber gekocht.

Ein anderer Twitter-User behauptet zusätzlich, Berset sei zu Fuss zum UNO-Hauptquartier gelaufen.

9. So war es wirklich

Eine Rückfrage beim Generalsekretariat von Bersets Innendepartement wird mit bürokratischer Nüchternheit beantwortet. «Es trifft nicht zu, dass Bundespräsident Berset während seines Besuchs in New York in einer kleinen Wohnung übernachtet und seine eigenen Mahlzeiten gekocht hat», teilt Pressesprecher Markus Binder mit. Berset habe wie üblich in einem Hotel gewohnt. Die Mahlzeiten habe er dort oder im Rahmen von Arbeitstreffen mit anderen Regierungsvertretern eingenommen.

Doch immerhin kam er bei der Wahl der Transportmittel den Traumvorstellungen seiner afrikanischen Fans schon ziemlich nahe. Am Tag nach dem berühmt gewordenen Schnappschuss vor der UNO in New York hielt er an der Universität von Philadelphia eine Rede. Die Strecke legte er im Zug zurück. Die Zeitung «The Star» aus dem kenianischen Nairobi schrieb darüber anerkennend: «He used a train to Philadelphia for a discussion on direct democracy.»