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Warum der Beschuldigte im Fall Maddie noch nicht zum Mordverdacht befragt wurde

Im Fall des vor 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens Maddie ist der deutsche Mordverdächtige noch nicht vernommen worden.

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Fall Maddie (4.6.2020)
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Der Pool des "Ocean Clubs" im portugiesischen Praia da Luz, in dem die britische Familie McCann 2007 Urlaub machte. Nun steht ein 43 Jahre alter Deutscher unter Mordverdacht.
Die Eltern von Madeleine McCann: Kate und Gerry McCann bei einer Pressekonferenz in London im Jahr 2012. Sie gaben die Hoffnung nie auf.
Der Tatverdächtige wohnte damals in Praia da Luz nutzte zur tatkritischen Zeit einen dunkelfarbenen Jaguar XJR 6.
Die letzte bekannte Zulassung nach dem Tattag war von der Stadt Augsburg.
Auch dieser weiss-gelbe VW T3 Westfalia gehörte dem Tatverdächtigen, als er in Praia da Luz lebte.
Der Bus fuhr mit portugiesischer Zulassung.
In diesem Haus in Praia da Luz wohnte der Verdächtige. Er ist als Kinderschänder vorbestraft und verübte damals Einbrüche.
Ein Zimmer im Haus mit Kamin.
Ein Sofa im Zimmer.
In diesem Haus wurde laut Bunderskriminalpolizei Diebesgut gelagert.

Fall Maddie (4.6.2020)

Keystone

"Dieser Zeitpunkt ist für uns noch nicht gekommen", sagte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig der Deutschen Presse-Agentur. Eine Vernehmung erfolge häufig erst zum Abschluss der Ermittlungen, um dem Beschuldigten auch konkrete Vorhalte zu den Ergebnissen machen zu können, sagte Wolters.

In der vergangenen Woche hatten das deutsche Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig überraschend mitgeteilt, dass ein wegen anderer Delikte inhaftierter 43-jähriger Mann in dem Fall der verschwundenen Madeleine unter Mordverdacht steht. Zur gleichen Zeit hatte es in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst" einen erneuten Zeugenaufruf gegeben.

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. Der Verdächtige im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens «Maddie» verbüßt hier derzeit eine Haftstrafe. (Archiv)

Blick auf die Justizvollzugsanstalt Kiel. Der Verdächtige im Fall des vor gut 13 Jahren verschwundenen britischen Mädchens «Maddie» verbüßt hier derzeit eine Haftstrafe. (Archiv)

Keystone/dpa/Carsten Rehder

Das damals dreijährige Mädchen verschwand am 3. Mai 2007 aus einer Apartmentanlage im portugiesischen Praia da Luz, als die Eltern in einem nahe gelegenen Restaurant waren. Ermittler waren von einer Entführung ausgegangen. Zeitweise standen auch die Eltern selbst unter Verdacht. Die Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse führte zu zahlreichen Hinweisen und löste ein internationales Medienecho aus.

Schnell war klar, dass es sich bei dem Verdächtigen um einen Mann handelt, der derzeit im norddeutschen Kiel eine alte Haftstrafe wegen Drogenhandels absitzt. Zudem ist der Mann wegen sexueller Straftaten verurteilt worden. Am Mittwoch wurde bekannt, dass der 43-Jährige im Kieler Gefängnis zum Schutz vor möglichen Angriffen in einen anderen Trakt verlegt wurde.