Fahrplan

Wartehaus statt Schnellzughalt

Halt!: Es sind weiterhin hauptsächlich die «Bummler», welche Gelterkinden zuverlässig bedienen. Daniel Haller

Halt!

Halt!: Es sind weiterhin hauptsächlich die «Bummler», welche Gelterkinden zuverlässig bedienen. Daniel Haller

Kein Comeback des Flugzugs in Pratteln, keine Schnellzugverbindung von Gelterkinden nach Zürich, keine Verstärkungen am Morgen. Die SBB treten auf keinen der Baselbieter Vorschläge für den neuen Fahrplan ein.

Jürg Gohl

Nein, nein, nein. Drei Wünsche hatte die Baselbieter Regierung den SBB für den neuen Fahrplan mitgeteilt, alle drei Verbesserungsvorschläge wurden gestern abgeleht. Und so bleibt für die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion die ernüchternde Erkenntnis: «SBB will Zugverbindungen nicht ausbauen.»

So jedenfalls wurde gestern die Mitteilung überschrieben, dass die SBB auf den bevorstehenden Fahrplanwechsel den sogenanten «Flugzug» in Pratteln nicht wieder zu installieren gedenken. Der Schnellzughalt mit direkter Verbindung zum Flughafen Zürich war beim letzten Wechsel abgeschafft worden.

Auch die zweite Forderung aus dem Baselbiet, eine stündliche Direktverbindung von Gelterkinden nach Zürich und damit ein zweiter Schnellzughalt pro Stunde in der Oberbaselbieter Zentrumsgemeinde, fand bei den SBB keine Gnade. Und schliesslich wurde auch das dritte Anliegen des Kantons für den Fahrplanwechsel im Dezember vorerst auf das Abstellgleis geschoben:

Zusätzliche Züge in den morgendlichen Stosszeiten Richtung Basel, aber auch Richtung Aarau.
Diese gebündelten Baselbieter Forderungen hatte Regierungsrat Jörg Krähenbühl im Juli an die SBB gerichtet mit der Bitte um Verbesserungen. Die SBB sind auf keines dieser Anliegen eingetreten - «bedauerlicherweise», wie es in der entsprechenden Mitteilung von Krähenbühls Direktion heisst.

Zu dichtes Schienennetz

Die SBB begründen ihr dreifaches Nein mit fehlenden Schienenkapazitäten im Ergolztal und, damit verbunden, mit der hohen Auslastung des Schienennetzes. Aus diesem Grund lassen sich offenbar selbst marginale Verbesserungen nicht realisieren.

Nicht nur Krähenbühl reagierte gestern enttäuscht auf den Entscheid, sondern auch Markus Meisinger, Leiter der Abteilung öffentlicher Verkehr beim Amt für Raumplanung. Meisinger sprach von einem «Rückschlag für unsere Region», auch wenn in Liestal wohl niemand jubelnde Zustimmung von Seiten der Bahn erwartet hätte.

Natürlich ist auch dem Kantonsfachmann bewusst, dass es für den Zugverkehr eng ist auf der Ergolzachse, zumal sich auch noch der Güterverkehr durch dieses Tal zwängen muss. «Doch das darf nicht auf Kosten unserer Bevölkerung gehen», sagt Meisinger.

Die Lösung des Problems ist bekannt: Ein weiterer Jura-Durchstich, etwa durch den Wisenberg, würde die Kapazitäten erhöhen. Doch Meisinger ist überzeugt, dass punktuelle Verbesserungen, wie zum Beispiel die eben zurückgewiesenen drei Baselbieter Wünsche, bereits vorher umgesetzt werden könnten.

Und an die Adresse der SBB fügt er bereits an: «Keine Angst, wir melden uns bald mit unseren Anliegen für den Fahrplan 2011.» Und jede Begehrlichkeit von der Nordseite des Juras erhöht, auch wenn sie wieder einmal abgeschmettert wird, den Druck, mit dem Wisenberg-Projekt vorwärts zu machen.

Gelterkinden enttäuscht

Obwohl man in Gelterkinden mit dieser Absage eigentlich gerechnet hat, reagierte Gemeindepräsidentin Christine Mangold enttäuscht, als sie vom definitiven Nein erfuhr: «Wir wären als Wohngemeinde und Standort attraktiver, denn viele arbeiten im Raum Zürich und wohnen hier.»

Nun könnte der noch nicht abgesegnete Vorschlag, die Buslinie von Sissach nach Böckten neu bis nach Gelterkinden zu verlängern, zwischenzeitlich Linderung bringen. «Sicher, aber nur als Zwischenlösung», bremst sie. «Mit dem zweiten Schnellzughalt würden zudem die Zugführer nicht mehr so oft vergessen, bei uns wenigstens einmal zu halten.»

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