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Warmer Rhein lässt Basler Behörden nicht kalt

Deutsche Studie zeigt auf: Die Wassertemperatur im Rhein ist heute drei Grad höher als vor 100 Jahren. Das beschäftigt auch das Basler Umweltamt.

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Schweiz am Sonntag

Deutsche Umweltschützer schlagen Alarm. Der Rhein ist zu warm. Gemäss einer Studie der Umweltorganisation BUND hat die Einleitung von Kühl- und Abwässern die durchschnittliche Temperatur des Rheins in den letzten 100 Jahren deutlich erhöht. Kraftwerke, Industriebetriebe und Kläranlagen würden Abwärme im Umfang von mehreren 10 000 Megawatt in den Rhein leiten. Spitzenreiter sei dabei das französische Atomkraftwerk Fessenheim mit rund 4000 Megawatt.

Folge: Die Wassertemperatur des Rheins liege heute um rund drei Grad höher als zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Davon sei eine Temperaturerhöhung um etwa ein Grad auf den Klimawandel zurückzuführen. An einigen Stellen seien Spitzentemperaturen von bis zu 28 Grad Celsius gemessen worden.

«Die erhöhten Wassertemperaturen sind natürlich auch bei uns ein Thema», sagt Dominik Keller. Wie der stellvertretende Leiter des Basler Amts für Umwelt und Energie ausführt, seien die Gründe dieselben wie in Deutschland. Einerseits würden die AKW Mühleberg und Beznau mit ihrem Kühlwasser für Temperatursteigerungen sorgen, andererseits auch die chemische Industrie in Basel.

«Gerade in heissen Sommermonaten, wenn der Rheinpegel tief steht, kann dies zum Problem werden», sagt Keller. Mit der Chemie seien daher Vereinbarungen getroffen worden. «Als kurzfristige Massnahme muss sie während ganz heisser Sommerperioden statt des Rheinwassers kühleres Grundwasser nutzen.» Mittelfristig seien zudem die Kühlprozesse zu optimieren.

Die erhöhten Wassertemperaturen könnten für die Tier- und Pflanzenwelt drastische Folgen haben, warnt die Umweltorganisation BUND. Lachse und Meerforellen stellen beispielsweise bei Temperaturen von 23 bis 25 Grad Celsius ihr Wanderverhalten ein. Deshalb sei auch die Wiederansiedelung von Lachsen gefährdet. «Die Zahl der Tage, an denen die Wassertemperatur 23 und 25 Grad übersteigt, nimmt in den letzten Jahren deutlich zu», heisst es in der Studie in Bezug auf eine niederländische Untersuchung.

Der BUND fordert nun eine Reduktion der Wärmeeinleitungen und einen Wärmelastplan für den Rhein. Bereits seit 38 Jahren gebe es keine Aktualisierung eines amtlichen Wärmelastplans für den Rhein mehr, bemängelt die Organisation. (db)

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