Nicolas Kucera

Es ist kurz vor 5 Uhr abends und alle lachen. Für heute ist die kleine Gruppe, bestehend aus der Weininger Winzerfamilie Haug und Freiwilligen, fertig mit dem Wümmen und Helfer Sepp Limacher hat soeben einen «Wümmerwitz» zum Besten gegeben. Man plaudert über die gute Ernte und das schöne Wetter. Dann gibt Ruth Haug bekannt, an welchen Reben am nächsten Morgen mit dem Wümmen begonnen wird.

«Ich mache nun schon seit 50 Jahren beim Wümmet mit», meint Anneröse Haug. Dabei merkt man es den vorwiegend älteren Helfern an diesem Abend gar nicht an, dass sie schon seit 11 Uhr im steilen Rebhang stehen. Mit Ausnahme einer Pause fürs Mittagessen und einer kurzen Kaffeepause um 15 Uhr haben die rüstigen Freiwilligen nun den ganzen Tag Trauben gelesen. Insgesamt drei Mal haben sie sich an diesen Tag von oben nach unten durch die Rebreihen gearbeitet. Trotz der physischen Anstrengung ist der Wümmet für die Anwesenden eigentlich mehr gesellschaftliches Ereignis als Arbeit. Es werden Neuigkeiten ausgetauscht und Geschichten erzählt.

Dass wümmen allerdings nicht immer so angenehm ist wie an diesem sonnigen und warmen Herbsttag, wissen die Helfer aus eigener Erfahrung. «Vor vielen Jahren hatten wir einmal sogar feinen Schnee auf den Trauben», erzählt Ruth Haug. Bei Regen werde allerdings nicht gewümmet, weil der Wein sonst durch das Regenwasser verdünnt würde.

Für die freiwilligen Helfer ist die Arbeit an diesem Nachmittag vorbei. Das gilt nicht für die Familie Haug, denn bis aus der Traube Wein wird, ist es noch ein weiter Weg. Dazu muss die Ernte zunächst in die Trotte gebracht werden.

Auf dem Bauernhof angekommen, müssen die Früchte sogleich verarbeitet werden, damit sie nicht zu faulen beginnen. Zu diesem Zweck werden die Trauben mit Hilfe der Weinmühle vom Stiel getrennt und in die Weinpresse weitergeleitet. Dort wird sodann der Saft aus den zerdrückten Trauben gepresst und über einen Weinschlauch in einen der Tanks im unteren Geschoss geleitet. Unter Beihilfe von Gelatine setzt sich in diesem das Fruchtmark über Nacht.

Am nächsten Morgen wird der stark geklärte Traubensaft in einen neuen Tank gepumpt und mit Weinhefe versehen. Damit beginnt der eigentliche Gärprozess. Je nach Temperatur dauert dieser Prozess zwischen fünf und zehn Tagen. Anschliessend wird der Saft erneut in neue Tanks abgefüllt und bei rund 20 Grad Celsius gelagert.

Schon jetzt ist klar: Der diesjährige Jahrgang wird einer der ganz grossen werden. «Das Wetter war schon lange nicht mehr so gut wie dieses Jahr. Der Zuckergehalt ist deshalb circa zehn Grad über dem Zehnjahresdurchschnitt», sagt Ruth Haug. Zu Hause macht ihr Mann die Probe aufs Exempel. Von einem halbvollen Tank zapft er ein Glas frisch gepressten Traubensaft ab und misst den Zuckergehalt: 97 Grad Oechsle ist das Resultat - ein sehr hoher Wert.

Grund für den hohen Zuckergehalt der diesjährigen Ernte ist das Wetter der vergangenen Monate. Die Abwechslung von Regen und Sonnenschein des diesjährigen Sommers sowie ein sehr warmer und sonniger September waren optimal für den Reifeprozess der Trauben. Dies schlägt sich sowohl in der Qualität wie auch in der Menge nieder. Acht Tonnen Trauben hat die Familie Haug in diesem Jahr bereits gewonnen. Bei einer Ausbeutung von 75 Prozent entspricht dies 6000 Liter Wein. Dabei wurde erst die Hälfte der 2,7 Hektaren Rebberge im Besitz der Familie abgeerntet.

Bis es zu einer solchen Ernte kommt, ist es allerdings ein langer und oft beschwerlicher Weg. So dauert es im Gegensatz zu anderen Nutzpflanzen nach dem Anbau von neuen Reben zunächst volle drei Jahre, bevor man mit einer ersten Ernte rechnen kann. Ausserdem erfordern Reben das ganze Jahr über viel Pflege und sind sehr witterungsabhängig. Dies beginnt bereits in den ersten Monaten des Jahres, wenn die Reben zurechtgeschnitten werden. Entscheidende Hürden sind sodann das Wetter während der Blütezeit im Juni und während dem Wümmet im September. Deshalb können bereits wenige schlechte Tage den Ertrag einer ganzen Ernte beeinträchtigen.

Solcherlei Sorgen sind dieses Jahr allerdings nicht nötig. Es ist daher kein Wunder, dass die Stimmung beim Wümmet so ausgelassen ist. Manch einer freut sich insgeheim wohl schon auf einen edlen Tropfen Wein des Jahrgangs 2009.