«Wäre eigentlich kein Kletter-Wetter»

Wie fällt man einen reifen Baum, ohne das Zukunftsholz ringsum zu zerstören? Die Anteilhaber der Holzkorporation Unteraffoltern wurden am Samstagmorgen Zeugen einer spektakulären Demonstration in luftiger Höhe.

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Holzmann

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Anzeiger aus dem Bezirk Affoltern

In strömendem Regen begrüsste Toni Bortoluzzi, Präsident der Holzkorporation Unteraffoltern, die Anteilhaber vor der korporationseigenen Waldhütte. «Für die Leute, die im Wald arbeiten, scheint die Sonne auch nicht immer», so der SVP-Nationalrat. Unter den rund 50 wetterfesten Gästen sind auch die Kantonsräte Lisette Müller und Jakob Schneebeli - letzterer ebenfalls im Vorstand der Holzkorporation - sowie die Affoltemer Gemeinderätin Doris Schneebeli.

Im Gänsemarsch durchs Unterholz

Nach einer kurzen Einführung über Sicherheitskonzept und Notfall-Organisation machte sich Forstwart Karl Wüthrich bereit, seinem Publikum etwas zu bieten. Im Gänsemarsch führt er es durchs nasse Unterholz zu einer 120-jährigen Esche mit weiter Krone. «Heute wäre eigentlich kein Kletter-Wetter», so Wüthrich. Trotzdem macht er sich - gewappnet mit Kettensäge, Klettergurten und Baumsteigeisen - daran, den mächtigen Baum zu erklimmen.

In der Krone angekommen, richtet sich der Forstwart ein und schon bald hört man seine Kettensäge dröhnen. Er nehme immer eine möglichst kleine Säge, denn bei seiner Arbeit sei jedes Kilogramm ein Kilogramm zu viel, hatte Wüthrich seinen interessierten Zuhörern vor dem Aufstieg noch erzählt. Dann fährt die Säge ins Holz. Wenig später hört man es knacken, die letzten Fasern sind gerissen und knapp zwei Sekunden später donnert der erste Ast zu Boden. Der zweite fällt dann nicht mehr so leicht und der Forstwart muss tiefer in die Trickkiste greifen. In sicherer Entfernung auf einer Anhöhe verfolgen die Anteilhaber sein Vorgehen.

Verjüngung statt Kahlschlag

Seit rund zehn Jahren lädt die Holzkorporation Unteraffoltern statt einer Herbstversammlung zu einer Begehung, damit die Anteilhaber hautnah erleben können, was im Wald passiert. Die moderne Forstbewirtschaftung zieht einem Kahlschlag eine kontinuierliche Verjüngung vor. «Reife» Bäume werden gefällt und das Zukunftsholz ringsum soll möglichst unbeschadet stehen bleiben. Nach einer guten Stunde ist die Krone komplett «gebodigt» und mit einem Jauchzer seilt sich Kari Wüthrich wieder ab. «Der Aufwand lohnt sich», erklärt Förster Ueli Müller. Rund 500 Franken pro Kubik seien durchaus drin.

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