Amokdrohung
War es ernst gemeint oder nicht?

Kommt es nach der Amok-Drohung an der Realschule Oftringen zu einem Strafverfahren? Die Aargauer Jugendanwaltschaft hält sich bedeckt.

Merken
Drucken
Teilen
Amoklauf

Amoklauf

Aargauer Zeitung

Die Aargauer Jugendanwaltschaft ist nach der Amok-Drohung an der Realschule Oftringen in einer verzwickten Situation. Drei Tage nach der Verhaftung des 15-jährigen Schülers, der für nächsten Montag ein «Unglück» angekündigt hatte, scheint zwar nach den Recherchen der MZ vieles darauf hinzudeuten, dass vom ihm keine tatsächliche Gefahr ausging. So wurden bei ihm etwa keine Waffen gefunden. Doch die Jugendanwaltschaft kann vorerst so oder so keinen entwarnenden Schlussstrich unter den Fall ziehen. Denn: «Wir dürfen und wollen nichts dazu sagen», erklärt der geschäftsführende Jugendanwalt Hans Melliger.

Dies zum einen, weil Jugendstrafverfahren generell nicht öffentlich sind. Und ein solches wurde im Fall von Oftringen tatsächlich eröffnet. Zum anderen sei nach der Intervention bewusst beabsichtigt gewesen, keine Details zum Fall zu kommunizieren, um keine Nachahmer auf den Plan zu rufen. Der Nachahmungseffekt, der hier wirke, werde unterschätzt, erklärt Melliger die unheilvolle Wirkung von Medienberichten über Fälle von Amok-Drohungen.

Klärung braucht Zeit und Ruhe

Laut Melliger haben Schule und Polizei mit der schnellen und konsequenten Intervention am Mittwoch völlig richtig gehandelt. Zwar bestehe bei solchen Drohungen wohl in den meisten Fällen mit grosser Wahrscheinlichkeit keine echte Gefahr der Umsetzung. Ein kleines Quäntchen Unsicherheit bleibe jedoch immer. Deshalb müsse man einen solchen Fall auch immer klären. Und genau das geschehe jetzt. Im Rahmen eines Jugendstrafverfahrens werde untersucht, was hinter den Drohungen stecke, welche Ursachen das Ganze gehabt habe und was mit dem Knaben weiter geschehen soll. Doch das brauche Zeit und Ruhe. (alf)