Bootsdrama

Wann wird der Todeskapitän endlich Verantwortung übernehmen?

Je länger die Suche jedoch dauert, desto unwahrscheinlicher scheint die Ergreifung des Flüchtigen. Die Spuren verwischen, der Alltag kehrt zurück, das Gewissen des Todeskapitäns ruht.

Je länger die Suche jedoch dauert, desto unwahrscheinlicher scheint die Ergreifung des Flüchtigen. Die Spuren verwischen, der Alltag kehrt zurück, das Gewissen des Todeskapitäns ruht.

Täglich berichten die Medien über das tragische Schicksal der 24-jährigen Aarburgerin, die im Bielersee ihr Leben lassen musste. Sie schildern die Momente des Todes, die abgetrennten Beine, die verhallten Hilfeschreie. Der öffentliche Druck auf den Todeskapitän nimmt gewaltig zu. Wird der Flüchtige bald kapitulieren? Es ist zu bezweifeln.

Sven Zaugg

Psychologen, Kriminalfahnder und allerlei Experten geben sich optimistisch; der Täter würde früher oder später gefunden, tönt es von allen Seiten. Dabei ist Skepsis angebracht. Die von der Berner Kantonspolizei eingesetzte Sonderkommission (SoKo) hat in den letzten Tagen weder einen Teilerfolg vermelden können, noch lässt sie sich in die Karten blicken. Rund 30 Polizisten befassen sich einzig und allein mit dem Bootsdrama, heisst es.

«Wir können keine Details zu einzelnen Hinweisen und den Ermittlungen kommunizieren», sagt der Berner Polizeisprecher Michael Fichter gegenüber a-z.ch. Man gehe weit über hundert Hinweisen aus der Bevölkerung nach, «diese betreffen das gesuchte Boot, aber auch Personen, die sich darin befunden haben könnten». Den Vorwurf, die Kapo Bern habe nach dem Unfall zu spät reagiert, weist Fichter weit von sich. «Kurz nach dem Unglück haben wir die Fahndung nach den Flüchtigen mit einem Grossaufgebot lanciert.»

Alles bleibt im Dunkeln

Je länger die Suche jedoch dauert, desto unwahrscheinlicher scheint die Ergreifung des Flüchtigen. Die Spuren verwischen, der Alltag kehrt zurück, das Gewissen des Todeskapitäns ruht. Eine Frage brennt indesssen unter den Nägeln: Was geht in diesem Menschen vor? Denn er weiss: Ich habe die junge Frau auf dem Gewissen. Laut Experten ist es unmöglich, dass die Bootsinsassen nichts vom Unfall mitbekommen haben. Selbst der Berner Polizeidirektor Hans Jürg-Käser sagte vor drei Tagen: «Gleich als ich davon gehört habe, ist mir durch den Kopf gegangen, dass man nicht ein Schlauchboot überfahren kann, ohne es zu merken.» Der Flüchtige ist sich also bewusst, was er angerichtet hat.

Möglicherweise wird er aber nie gefunden. Wird dies Realität, bliebe alles im Dunkeln und die mutmassliche fahrlässige Tötung würde nie gesühnt. Es könnte jedoch auch sein, dass der Flüchtige bereits eine Vertrauensperson eingeweiht und seine Tat gestanden hat, wie der Forensiker Josef Sachs kürzlich gegenüber der Nachrichtensendung 10vor10 erklärte. Denn der öffentliche Druck nimmt gewaltig zu - von Tag zu Tag. Dabei spielt das vom «Blick» ausgesetzte Kopfgeld in der Höhe von 20 000 Franken keine unwesentliche Rolle. Die ganze Schweiz sucht den Täter.

Bilder, die aufwühlen

Und wie gehen die Begleiter des flüchtigen Kapitäns mit dem Tod der 24-Jährigen Aargauerin um? Werden sie bald ihr eisernes Schweigen brechen? Täglich berichten die Medien über das tragische Schicksal des jungen Aarburger Paares, schildern die Momente des Todes, die abgetrennten Beine, die verhallten Hilfeschreie, die vergebliche Reanimation, den geplatzten Traum einer Hochzeit in Barcelona. Bilder die aufwühlen.

«Am Anfang denkt jeder nur an sich», sagt Sachs, später jedoch beginne sich der Täter mit dem Vorgefallenen auseinander zu setzen, ringe mit sich, ziehe Konsequenzen. Das schlechte Gewissen, so Sachs, habe sich in der Gruppe verteilt und laste so auf mehreren Schultern. Doch wann wird die Gruppe unter dieser enormen Last zusammenbrechen?

Eine Frage bleibt: In welchem Stadium der Verarbeitung befindet sich der Todeskapitän und die Insassen des Bootes. Es ist anzunehmen, dass sie mit sich gerungen haben, jedoch zum Schluss kamen, ihre Zukunft sei ihnen wichtiger, ändern könne man nun ohnehin nichts mehr. Ansonsten hätten sie die Verantwortung für den grausigen Tod der jungen Aarburgerin schon lange übernommen.

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