Walkerin wurde fahrlässig zu Tode gefahren

Das Bezirksgericht Lenzburg hat einen 29-jährigen Autofahrer wegen fahrlässiger Tötung zur einer bedingten Geldstrafe von 9750 Franken und einer Busse von 1000 Franken verurteilt.

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Der tragische Unfall, für den sich der Mann zu verantworten hatte, geschah vor mehr als zwei Jahren auf der Hendschikerstrasse in Lenzburg. Dort rammte der Mann am 21. Februar 2007 eine 51-jährige Walkerin, als diese mit einer Gruppe von vier weiteren Sportlern die unbeleuchtete Ausserortsstrecke zwischen Restaurant Horner und Gewerbeschule in der Dunkelheit des frühen Abends von links nach rechts überquerte. Der Lastwagenchauffeur, der damals mit einem Privatauto von Lenzburg in Richtung Hendschiken unterwegs war, fuhr ungebremst auf die Frau auf. Er hatte sie erst gesehen, als es schon zu spät war. Die Frau war sofort tot.

Zu schnell und zu wenig aufmerksam

Der Staatsanwalt hatte die Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung gefordert. Denn gemäss einem Gutachten war der Autofahrer mit 80 bis 85 km/h unterwegs gewesen. Das sei bei völliger Dunkelheit mit Abblendlicht klar zu schnell, um den Grundsatz, auf Sichtweite anhalten zu können, noch zu erfüllen. Gleichzeitig warf der Staatsanwalt dem Autofahrer aber auch mangelnde Aufmerksamkeit vor. Denn die Walker-Gruppe war zum Teil mit Reflektoren ausgestattet gewesen. Diese hätte der Mann schon aus 60 Metern Distanz sehen müssen, so der Staatsanwalt. Im Lichtkegel der Scheinwerfer sei die Walkerin aber spätestens aus 40 Metern erkennbar gewesen.

Dennoch habe der Angeklagte überhaupt nicht gebremst. Der Strafantrag der Staatsanwaltschaft für den nicht vorbestraften, beim Unfall weder alkoholisierten noch durch ein Handy abgelenkten Mann sah eine bedingte Geldstrafe von 18 000 Franken und eine Busse von 1000 Franken vor. Das Verschulden wurde dabei als gering beurteilt. Der Anwalt der Zivilkläger sprach dem Angeklagten dagegen ein schweres Verschulden zu.

Auch Walker waren zuwenig aufmerksam

Der Verteidiger forderte einen Freispruch. Denn die heutige Fahrzeugtechnik erlaube es durchaus mit 80 km/h noch auf Sichtweite des Abblendlichts anzuhalten. Ausserdem beleuchtete der Verteidiger das Verhalten der Walker-Gruppe kritisch. Anstatt am Strassenrand zu halten und geschlossen als Gruppe über die Strasse zu gehen, seien die Sportler gestaffelt mit Abständen von mehreren Metern über die Strasse gegangen ohne sich richtig abzusichern.

Drei Personen befanden sich tatsächlich schon auf der rechten Strassenseite, als die 51-jährige Frau als zweitletzte der Gruppe vom Auto erfasst wurde. Sein Mandant habe keine Chance gehabt, diese Kollision zu vermeiden. Denn die Frau sei ihm plötzlich aus dem nicht einsehbaren linken Strassenbereich vors Auto gelaufen, so der Verteidiger.

Das überzeugte eine Mehrheit des Gerichts aber nicht. Laut Gerichtspräsidentin Eva Lüscher hätte das Auto des Angeklagten aufgrund der geprüften Bremsleistung bei 80 km/h einen Anhalteweg von 60 Metern benötigt. Also sei der Angeklagte bei einer Sichtweite von 50 Metern klar zu schnell unterwegs gewesen. «Wäre er 70 km/h gefahren, hätte er halten können», so Lüscher. Ausserdem gehe das Gericht als Erkenntnis aus einem Augenschein davon aus, dass der Autofahrer die Frau trotz eines tatsächlich auch vorhandenen Selbstverschuldens des Opfers früher hätte sehen müssen, wenn er genügend aufmerksam gewesen wäre.