Waffensammler, aber kein Waffennarr

Kurt Huwyler mit einem restaurierten kantonalen Stutzer. (Bilder Werner Schneiter)

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Kurt Huwyler mit einem restaurierten kantonalen Stutzer. (Bilder Werner Schneiter)

Er bezeichnet sich als Waffensammler, nicht als Waffennarr: Mit Leidenschaft restauriert und sammelt Kurt Huwyler aus Ebertswil vorwiegend alte Armeewaffen – darunter zwei Duellierpistolen aus Beständen des ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak.

Kurt Huwyler bedauert, dass der historische Stellenwert von alten Waffen in der Schweiz verloren gegangen ist. «Was früher Kulturgut gewesen ist, wird heute zum Teil vernichtet», sagt er in Anspielung auf die jüngste Schredderaktion der Kantonspolizei Zürich, mit der in seinen Augen Tausende von wertvollen Stücken zu simplem Alteisen «degradiert» worden sind. «Schade, diese Aktion. Besser wäre, wenn die Polizei resoluter gegen illegalen Waffenbesitz vorgehen würde», fügt Kurt Huwyler bei. Für ihn sind alte Waffen ein Stück Kulturgut - nicht einfach Schiesseisen und Tötungsinstrumente. Er selber sieht sich nicht als Schützen oder gar als Waffennarr, sondern als einer der die technische Seite der Waffen in den Vordergrund stellt.

Fasziniert von Material und Technik

Und die hat Kurt Huwyler in den Bann gezogen, bildete vor rund 35 Jahren quasi den Auslöser, sich mit Waffen zu beschäftigen. «Ich reparierte damals das über 200-jährige Gewehr eines Kollegen - und war sogleich fasziniert von Technik und Material, davon, dass in diesem Fall die einfachsten Hilfsmittel genügten», sagt der gelernte Werkzeugmacher mit Technikumabschluss - ein Beruf, der geradezu prädestiniert ist, um sich mit Waffen zu befassen.

So mutierte Kurt Huwyler zum leidenschaftlichen Sammler und Restaurator. Während vieler Jahre präsidierte er den Waffensammlerclub Zentralschweiz. Viermal flog er über den Atlantik und besuchte Waffenbörsen in New York, Los Angeles, Miami und Montreal. «Dort habe ich Dutzende von alten Schweizer Armeewaffen gefunden», verblüfft er den Chronisten. Anfänglich konzentrierte sich Huwyler auf Waffensysteme, dann auf Schweizer Armeewaffen. Er beschaffte sich kiloweise einschlägige Literatur.

Mit alten Rezepten in den Originalzustand bringen

Kurt Huwyler arbeitet in einem externen, gesicherten Raum - immer mit dem gleichen Ziel: die alte Waffe in den Originalzustand zurückzuversetzen. Und das heisst zum Beispiel: Brünieren mit alten Rezepten. Den Lauf wieder das Pflaumenbraun zu geben, Rostnarben entfernen, das Metall mit Originalbeschichtung schützen. Die Arbeit an Metall, Holz und Leder zieht ihn in den Bann. Und mit Stolz erzählt Kurt Huwyler von einem Geschäftsfreund, der vom ägyptischen Staatspräsidenten Hosni Mubarak zwei Duellierpistolen geschenkt bekam und diese restaurieren durfte. «Das war eine besondere Herausforderung. Die Waffen sind mit Eisen, Silber, Edelsteinen und Elfenbein bestückt. Für das Restaurieren musste ich mir Apparaturen aus der Medizintechnik anschaffen.»

Vom Steinschloss- bis zum Vetterligewehr

Die Krux: Für viele alte Waffen ist keine Munition mehr erhältlich. «Schon deshalb macht ja eine solche Schredderaktion der Polizei keinen Sinn. Ältere Waffen und Säbel vernichten - das ist doch eine Sünde», fügt Kurt Huwyler bei.

Derweil schweift der Blick an die Wand. Dort hängen unter anderem Steinschloss-, Perkussion-, Milbank-Amsler-, Beabody und Vetterli-Gewehre. Kurt Huwylers älteste Waffen stammen aus dem Jahr 1770. Einen Teil hat er sich auf Auktionen erstanden, den anderen durch gute Beziehungen und Freundschaften - auch zu Professoren. Die haben ihm erlaubt, in den Rechtsmedizin-Instituten von Zürich, Basel und Bern Waffen zu restaurieren, zuzuordnen und wieder zu platzieren. «Ich durfte ganze Sammlungen restaurieren, darunter auch die Handschellen des Mörders Deubelbeiss», sagt Kurt Huwyler.

Seine persönliche Sammlung umfasst inzwischen rund 100 Stück. «Alle, die ich aus meinem Freundeskreis erhalten oder erworben habe, sind unverkäuflich», fügt Kurt Huwyler bei. Und dass sie unvergängliche Schätze bleiben, dafür sorgt er weiterhin mit Leidenschaft und Akribie.

Personen, die ihre Waffen - Pistolen, Revolver, Gewehre - nicht schreddern lassen wollen, können diese bei Kurt Huwyler abgeben, Telefon 044 764 00 33.

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