Sabine Kuster

Das Urteil ist ernüchternd: «Das traditionelle Biobad, das im Jahr 2000 eröffnet wurde und seither aus badewasserhygienischer Sicht ein Problemfall ist, erzielte auch in den diesjährigen Kontrollen keinen befriedigenden Befund.»

Dies schreibt das kantonale Amt für Verbraucherschutz im Jahresbericht 2009. Gemeint ist die Bibersteiner Badi. Von insgesamt 8 Proben war die Wasserqualität 5-mal ungenügend. Erneut sei oft der Toleranzwert für Pseudomonas aeruginosa überschritten worden, einem Keim, der Augen- und Ohrenentzündungen hervorrufen kann.

Wasser von ungenügender Qualität

«Leider ist davon auszugehen, dass den Badegästen nur an wenigen Badetagen Wasser mit der gewünschten hygienischen Qualität angeboten wird», heisst es weiter. Die Schlussfolgerung des Amtes: «Nachdem verschiedene betriebliche Massnahmen in den letzten Jahren keine entscheidenden Verbesserungen erbrachten, müssen möglicherweise grundlegendere Änderungen einbezogen werden.»

Von diesen geforderten «grundlegenden Änderungen» wusste die Gemeinde Biberstein jedoch bislang nichts. Die Kontaktaufnahme stehe aber auf ihrer Agenda, sagt Irina Nüesch, Sektionsleiterin für Trink- und Badewasser.

Nicht gesundheitsgefährdend

Die Massnahmen hätten für die Saison 2010 ohnehin nicht mehr umgesetzt werden können. Und Nüesch erklärt: «Die Gäste kriegen in Biberstein an den Spitzentagen zwar nicht die Wasserqualität, die ihnen zusteht, aber ihre Gesundheit ist nicht gefährdet.» Eine Sperrung des Bades ist nicht angebracht. Dennoch: Auch die Bibersteiner Badi muss sich an die Bäderverordnung halten und ist verpflichtet, Massnahmen zur Wasserverbesserung zu treffen.

Dass die Wasserproben mehrheitlich ungenügend waren, weiss der Bademeister. Dem Gemeindeschreiber und dem zuständigen Gemeinderat René Bircher ist auch klar, warum: «Die Badi ist für maximal 300 Gäste angelegt», sagt Gemeindeschreiber Stephan Kopp, «doch am Wochenende hatten wir an Spitzentagen schon 600 Badegäste.» Gemeinderat René Bircher: «Vor dem Biobad hatten wir in Biberstein maximal 150 Gäste, wir haben bei der Projektierung nicht mit einer solchen Zunahme gerechnet.»

Gäste ablehnen?

Eine Besucherbeschränkung sei aber nicht durchführbar: «Wir können Gäste mit einem Saisonabonnement nicht wegweisen, genauso wenig die Bibersteiner, die das Bad finanzieren.» Auch das Abweisen von Auswärtigen sei schwierig: «Wenn einer extra aus dem Appenzellischen anreist, um das Biobad zu besuchen, können wir ihn doch nicht heimschicken», findet Bircher.

Es gibt noch zwei Möglichkeiten, um das Wasser sauber zu halten. Erstens: sauberere Badegäste. Über grosse Hinweistafeln hätte der Gemeinderat auch schon diskutiert, sagt Bircher, denn wenn alle Gäste vorher auf die Toilette gehen und duschen würden, wäre das Problem schon fast gelöst. Zweitens: Erweiterung bzw. Sanierung des Klärteiches. Die bislang vorgenommenen Veränderungen brachten wenig. «Wir sind am Ausprobieren, doch es gab bisher keine fundierten wissenschaftlichen Anweisungen», sagt Gemeindeschreiber Kopp.

Doch nun gibt es diese Ratschläge: Österreich hat eine Norm für Naturbäder herausgegeben mit konkreten Ideen für die Sanierung von bestehenden Bädern. Laut Irina Nüesch werde da beispielsweise zu einem Kies- und Sandfilter geraten, der von einem Film mit Mikroorganismen durchzogen ist.

2000 gebaut

In Biberstein filtern Seerosen und andere Pflanzen die Nährstoffe aus dem Wasser. Doch deren Blätter müssen, wenn die Blüten welken, eingesammelt werden, damit das Wasser nicht wieder genährt wird. Die Biobadi war, als sie im Jahr 2000 gebaut wurde, die erste in der Schweiz. Das ist heute ihr Handicap. Biobäder wie jene in Winterthur, Greifensee oder Breitenbach SO sind effizienter.

Das Wasser in Biberstein wird an Tagen mit besonders vielen Gästen und hohen Wassertemperaturen auch diesen Sommer den Hygienevorschriften nicht genügen - oder nach einer Schlechtwetterzeit, wenn Enten ihre Spuren hinterlassen haben. Die Badi kann nur profitieren, falls dies einige Gäste abschreckt.