Nummernschild

Voyeuristische Autofahrer haben im Aargau nichts zu lachen

Sexy Autolenkerin - Linda Fäh am Autosalon

Linda Fäh am Autosalon

Sexy Autolenkerin - Linda Fäh am Autosalon

Sie stehen im Stau - im Auto neben Ihnen eine attraktive Frau oder ein gut aussehender Mann. Da könnte man ja auf die Idee kommen und schnell mal per SMS eine Nummernschild-Abfrage starten und so Name und Adresse der spannenden Person erfragen. Aber Halt: Im Aargau wird daraus nix.

Sandra Kohler

«Genervt vom langsamen Fahrer vor Ihnen? Rufen Sie ihn einfach an!» oder «Auf der Suche nach einer Gesprächseröffnung für dieses gut aussehende Mädchen/diesen gut aussehenden Jungen? Finden Sie ihr/sein Auto und suchen Sie nach dem Namen», schreibt die Firma Carindex.ch auf ihrer Webseite. Carindex ist ein Programm für das iPhone, welches den sekundenschnellen Zugriff auf die Daten eines Fahrzeughalters von vielen Schweizer Autos ermöglicht.

Schnelle Abfrage via Internet und Handy

Aber auch ohne dieses Programm können im Zeitalter von Internet und Handy Autokennzeichen schnell abgefragt werden, denn zahlreiche Kantone haben das Register online gestellt.
So auch der Kanton Aargau. Seit Oktober 2005 können Interessierte bis zu fünf Abfragen am Tag starten. Früher gab es das dicke blaue Buch - den Autoindex - zum Nachschlagen. Die Herstellung wurde aber zu teuer und die Gewährleistung der Aktualität war schwierig. «Es entspricht dem Recht eines Bürgers, in dieses Verzeichnis einzusehen», sagt Johannes M. Baer, Leiter des Aargauer Strassenverkehrsamtes. Einige wenige Kantone gehen restriktiver mit den Daten um: Der Kanton Waadt verlangt die Anfragen in schriftlicher Form und eine Gebühr von 20 Franken. Ähnlich der Kanton Jura, welcher 7 Franken Gebühr verlangt und Antworten erst innerhalb 24 Stunden erteilt.

Aargau will keine SMS-Abfrage

Im Aargau werden im Jahr rund eine halbe Million Abfragen gestartet - täglich also über 1300. «Würden diese alle als schriftliche Anfragen bei uns landen, müssten wir zusätzliches Personal einstellen», sagt Johannes M. Baer. Gebühren oder die Form der schriftlichen Anfrage seien nie zur Diskussion gestanden, würde die Abfragenflut aber vermutlich etwas dämmen, so Baer.

Weitere Öffnungen wie beispielsweise die Abfrage per SMS, wie dies in den Kantonen Bern, St.Gallen oder Genf möglich ist, kommen für Baer aber nicht in Frage: «Handylösungen sind gar nicht in meinem Interesse. Wir wollen den Voyeurismus nicht unterstützen» Der Aargauer Computer erkennt, ob eine Abfrage via Handy eintrifft und sperrt den Dienst. «Wir liefern uns aber ein Wettrüsten mit den Providern», gesteht Baer ein. Häufig hinke das Strassenverkehrsamt aber einen Schritt hinterher.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann seine Daten sperren lassen. Einfach einen Fax mit der handschriftlichen Bitte um Sperrung und Unterschrift an Strassenverkehrsamt schicken und einige Tage später sind die persönlichen Daten für Aussenstehende nicht mehr einsehbar. Bisher haben rund 15 000 Aargauerinnen und Aargauer diese Möglichkeit genutzt. Also lediglich vier Prozent der rund 365 000 Autolenker im Aargau. «Den meisten scheint es doch egal zu sein», vermutet und begründet Baer die geringe Nachfrage.

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