Vorstandsspitze droht und deckt

Die Vorstandsspitze stellt sich hinter die derzeit abwesende Heimleiterin und weist die Schuld den Medien zu und den Angestellten, die sich an diese gewandt haben. (Bild: zvg/ausriss barbara Adank)

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Die Vorstandsspitze stellt sich hinter die derzeit abwesende Heimleiterin und weist die Schuld den Medien zu und den Angestellten, die sich an diese gewandt haben. (Bild: zvg/ausriss barbara Adank)

Die Drohgebärden gegen das Personal im Alterszentrum (AZ) Fislisbach gehen von der Spitze des Vorstands aus. Dieser spricht der Heimleitung «das volle Vertrauen» aus und übt nun auch Druck auf die ohnehin schon verängstigten Bewohnenden im Heim und ihre Angehörigen aus.

Andreas Tschopp

«Wir haben ein schlechtes Gewissen, die Heimbewohner im Stich zu lassen, doch der Brief vom Vorstand war der letzte Tropfen, der mich zur Kündigung bewog»: Dies sagt eine langjährige Mitarbeiterin des Alterszentrums Fislisbach im Gespräch mit der AZ. Sie wird ihre Arbeit dort, die sie gerne ausübt und bei der sie auch ein gutes Verhältnis zu den Betreuten pflegt, aufgeben - wie dies bereits etliche andere Angestellte getan haben oder erzwungen tun mussten.

Vorstand spricht von «Unterstellungen»

Im besagten Schreiben, das an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ging und das der AZ als Kopie vorliegt, werden die von einer Gruppe von Mitarbeiterinnen in dieser Zeitung geäusserten Bedenken gegenüber der Heimleitung als «in jeder Hinsicht haltlos und verwerflich» (siehe Ausriss rechts) kritisiert. Wie betont wird, stehe «die absolut überwiegende Mehrzahl der Mitarbeitenden in voller Loyalität hinter der Zentrumsleitung». Diese geniesse «das volle Vertrauen des Vorstandes und steht für eine offene, transparente und teamorientierte Führung, bei der auch die Eigenverantwortung der Mitarbeitenden eine massgebliche Rolle spielt», wie es heisst in der Information «aus erster Hand». Darin bezieht der Vorstand Stellung gegen die, wie er es nennt, «sachlich unhaltbaren und jeder positiven Entwicklung abträglichen Unterstellungen» unzufriedener Angestellter.

Neues Nachtwachesystem kommt

Deren Äusserungen geben ein ganz anderes Bild wieder: Die Rede ist vom «autoritären Stil» der Heimleiterin, die derzeit in Amerika in den Ferien weilt, von einem «Spitzelsystem», das im Heim installiert worden sei, und davon, dass jedes Mitarbeitergespräch mit kritischen Untertönen «in einer Kündigung geendet hat». Bedenken werden von Angestellten auch zum neuen Nachtwachesystem geäussert, das ab Oktober gelten soll. Dabei werden nur noch zwei Betreuerinnen (eine davon mit Diplom) zwischen 22 und 7 Uhr morgens Dienst tun. Heute sind sie bis Mitternacht noch zu dritt, und die Ablösung kommt schon um 6 Uhr morgens. Dies werde zweifelsohne zu Abstrichen bei der Betreuung führen, betonen die verunsicherten Angestellten, die in Sorge sind um das Wohl der Heimbewohner.

Post auch für Bewohner/Angehörige

Diese und ihre Angehörigen haben ebenfalls Post vom Heimvorstand erhalten. «Es liegt uns sehr viel daran, dass wir personelle Fragen in aller Regel sachlich und in gutem Einvernehmen regeln können», heisst es. Darin zeigt sich der Vorstand im Chor mit der Heimleiterin «überzeugt, dass es uns gelingen wird, diese Unstimmigkeit zu überwinden», um «mit einem gestärkten Teamgeist unsere Zukunft weiterhin positiv gestalten zu können». Präsidentin Stephanie Kaufmann reagierte auf Nachfragen nicht.

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