Urs Byland

«Mit grösster Wahrscheinlichkeit werden wir, das heisst die bürgerlichen Parteien, im nächsten Gemeinderat eine Motion einreichen, in der wir verlangen, dass eine Untersuchung zu Mobbingvorwürfen eingeleitet wird», erklärt SVP-Gemeinderat Heinz Müller. Die Untersuchung soll eine unabhängige Instanz führen, in der der Personalverband der Stadt vertreten ist.

«Uns sind im Nachgang zur Internet-Affäre Mobbingvorwürfe zugetragen worden», begründet CVP-Gemeinderat Andreas Kummer das Vorgehen der bürgerlichen Parteien. Eine Mitteilung zu einem Fall sei gar offiziell erfolgt. Er könne aber nicht detaillierter zu diesem Fall Auskunft geben, weil er das Amtsgeheimnis nicht verletzen wolle, erklärt Kummer.

«Der Gemeinderat als Vertreter des Arbeitgebers muss auf diese Vorwürfe zum Schutz der städtischen Angestellten reagieren», beschreibt Andreas Kummer die Motivation der bürgerlichen Parteien.

«Politik will nicht ins Leere laufen»

Diese Meinung vertritt dezidiert auch FDP-Gemeinderat Alexander Kohli. «Es geht aber auch um den Schutz des Angeklagten. Hier haben wir eine grosse Verantwortung. Der Gemeinderat hat grösstes Interesse daran, glaubwürdig zu bleiben.» Er könne deshalb aktuell nicht sagen, ob eine Motion zustande kommt. «Wir warten auf ein vernünftiges Zeichen vonseiten der Mitarbeiter. Wenn ein Mobbingvorwurf da ist, und so sieht es auch aus, dann wird eine Motion wohl oder übel kommen.» Er fordere deshalb die städtischen Angestellten dazu auf, sich bei ihrem Verband oder beim Personalverantwortlichen der Stadt zu melden, wenn sie sich gemobbt fühlten. «Eines ist sicher. Die Politik will nicht ins Leere laufen.»

Keine Resonanz

Stadtbaumeister Claude Barbey, Präsident des Personalverbandes der Stadt, sagt, er sei von den bürgerlichen Parteien kontaktiert worden. «Bisher hatte ich keine Mitarbeiter, die sich in dieser Sache beim Personalverband gemeldet haben.» Der Personalverband, dem nicht alle städtischen Angestellten angeschlossen sind, sei noch nie zum Stichwort Mobbing in Anspruch genommen worden. Eine weitere Anlaufstelle bei Mobbingvorwürfen ist Rudolf Junker, Personalverantwortlicher der Stadt. Er war gestern nicht erreichbar.

«Ja, das war Mobbing»

Beispiele von schwierigen Abgängen städtischer Angestellter sind dieser Zeitung bekannt. So berichtet die langjährige Mitarbeiterin A.*, sie habe den Fehler gemacht, einmal der Frau des Stadtpräsidenten ins Gehege gekommen zu sein. Seither sei das Arbeitsverhältnis bis zu ihrer Entlassung unterkühlt gewesen. Im Rückblick ist sie der Meinung: «Das war Mobbing.» Aber sie wolle das Ganze nicht aufrollen. Genau so wenig eine andere Angestellte, die einen unrühmlichen Abgang erleben musste. «Ich habe mit ihr telefoniert. Sie sagte, für sie sei das gegessen», berichtet A.

Dass bei rund 250 Angestellten plus 220 Lehrkräften nicht jedes Arbeitsverhältnis in Minne endet, weiss auch Heinz Müller: «Sollte sich bei einer allfälligen Untersuchung herausstellen, dass der Stapi nur seine Pflicht als Chef verfolgte, und sich die Mobbingvorwürfe als gegenstandslos erweisen, sind wir die Ersten, die die Akte schliessen werden», erklärt Heinz Müller.

«Kein Mobbingfall»

«Ich weiss von keinem aktuellen Fall von Mobbing in der Verwaltung», antwortet Boris Banga auf die Vorwürfe. Als diese, laut Banga, «pauschalen und nicht näher bezeichneten» Vorwürfe bekannt wurden, habe er sofort reagiert und alle Mutationen von Abteilungsvorstehern und von deren Stellvertretern sowie von seinen persönlichen Mitarbeiterinnen samt Kündigungsgrund seit 1991 angefordert. Zudem eine Liste der eingegangenen Klagen über Mobbing nach der heute geltenden Definition. «Natürlich gibt es Konflikte. Löst man diese Konflikte, muss man führen.» Aber ohne Mobbing seinerseits: «Ich kenne keine Namen und ich weiss von keinen Fällen.»

* Name der Redaktion bekannt